Wie sinnvoll sind Sicherheitsmaßnahmen auf Weihnachtsmärkten? | Foto: BNN/Streib/Archiv

Pro & Kontra

Wie sinnvoll sind Sicherheitsmaßnahmen auf Weihnachtsmärkten?

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Seit den Anschlägen auf den Berliner und den Straßburger Weihnachtsmarkt in 2016 und 2018 verschärfen viele Städte die Sicherheitsvorkehrungen auch dieses Jahr bei ihren Weihnachts- und Christkindelsmärkten. Poller, Polizeibeamte, Kamera-Überwachung und Straßensperrungen werden eingesetzt, um die Märkte sicherer zu machen. Das sind Maßnahmen, die die Städte und Kommunen viel Zeit, Geld und Nerven kosten.

Da kommt die Frage auf: Wie sinnvoll sind diese Sicherheitsmaßnahmen?

Pro: „Glühwein schmeckt nicht schlechter, wenn vor dem Weihnachtsmarkt Poller stehen.“

Die Empörung über verschärfte Sicherheitsmaßnahmen war groß, als die ersten Poller vor den Weihnachtsmärkten aufgestellt wurden. Aber Hand aufs Herz: Schmeckt der Glühwein schlechter, wenn vor dem Weihnachtsmarkt Poller stehen? Fällt die Weihnachtsstimmung ins Bodenlose, wenn ein Polizist vorm Crêpes-Stand vorbeigeht? Erstirbt den Weihnachtsmarktbesuchern sofort das „Oh du Fröhliche“ auf den Lippen, wenn eine Kamera über dem Weihnachtsbaum hängt? Sehr wahrscheinlich lautet die Antwort: „nein“.

Der einzige wirklich relevante Unterschied ist: Die Weihnachtsmärkte werden ein bisschen sicherer.

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Durch die Terroranschläge auf Weihnachtsmärkte in den vergangenen Jahren sind viele verunsichert. Wenn die Besucherzahlen nicht einbrechen oder die Märkte gar sterben sollen, ist es wichtig, etwas für die Sicherheit auf den Weihnachtsmärkten zu tun. Und sei es nur, dass sich die Weihnachtsmarktbesucher selbst sicherer fühlen, wenn sie sich dort aufhalten.

Es ist klar, dass es keine hundertprozentige Sicherheit geben kann. Auf Weihnachtsmärkten nicht, aber auch überall sonst nicht. Was in Sachen Sicherheit jedoch getan werden kann, sollte auch getan werden. Und wenn sich dadurch der ein oder andere Taschendieb weniger auf dem Weihnachtsmarkt herumtreibt, ist das ebenfalls kein Schaden.

Bratwurst, Glühwein und Langos schmecken jedenfalls mit Pollern genau so gut wie ohne.

Kontra: „Die Maßnahmen sind zu teuer und unnötig. Wenn etwas passiert, passiert es auch so.“

Die Maßnahmen sind viel zu teuer und einfach unnötig. Das ist schlichtweg Aktionismus, da keine konkrete Gefährdung vorliegt. Wenn etwas passiert, passiert es auch so. Und sind wir mal ehrlich: Wie oft kommt es vor, dass ein Anschlag verübt wird? Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Unfall im Straßenverkehr zu sterben ist statistisch gesehen deutlich höher. Was hart klingt, ist die Wahrheit. Deshalb ist der ganze Wirbel um mögliche Anschläge bei Weihnachtsmärkten rein gar nicht zu verstehen und schlichtweg Panikmache.

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Die Poller, Container und Absperrungen verschandeln zu einem großen Teil das idyllische Bild der schön geschmückten Weihnachtsmärkte. Diese gleichen mittlerweile mit den ganzen Vorkehrungen und Beamten nämlich eher einer Festung. Vorbei ist all der rot-grün-glitzernde Weihnachtszauber. Das hat rein gar nichts mehr mit vorweihnachtlicher Besinnlichkeit und Unbeschwertheit zu tun. Dadurch werden nur wieder Ängste geschürt. Den Tätern wird damit eine Plattform gegeben beziehungsweise diese werden dadurch möglicherweise erst auf die Idee gebracht, etwas zu planen.

Betonpoller können vielleicht Lkws abhalten, doch potenzielle Terroristen werden dennoch Mittel und Wege finden, wenn sie einen Anschlag oder Terrorangriff verüben möchten.

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