"Weiße Rose" Graffiti mit Donut in Karlsruhe
"Weiße Rose" Graffiti mit Donut in Karlsruhe. | Foto: Stadt Karlsruhe

Graffiti-Kunst in Karlsruhe

Top-Ten: Die zehn schönsten Graffiti-Wände in Karlsruhe

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Auf die Plätze, fertig, Spray! Graffiti sind längst nicht mehr das Zeichen eines kriminellen Aktes, sondern prangen auch auf den Wänden von vielen Städten. So auch in Karlsruhe. Doch wo verstecken sich die bunten Bilder in der badischen Stadt? Die Top-Ten zeigen die zehn besten Orte, um die Kunstwerke zu finden.

1. Fußgängerunterführung in der Karlsruher Ebertstraße

In der Fußgängerunterführung der Ebertstraße entstand das erste gemeinsame Projekt von Mitgliedern des „Combo“ HipHop Kulturzentrums und dem Karlsruher Gemeinderat sowie der Kunstkommission im April 2017. Das Konzept „Graffiti-Art im öffentlichen Raum in Karlsruhe“ erstreckt sich über mehrere Straßenbahnhaltestellen der Stadt und soll diese durch bunte Motive im Pop-Art-Stil der 70er Jahre verschönern.

Im Rahmen dieses Kunstprojektes wurden die Stadtgeschichte und Portraits von historischen Persönlichkeiten, die in der Stadt oder gar aus der Stadt kommend in die Geschichtsbücher eingingen, dargestellt. In der Fußgängerunterführung in der Südweststadt wurden unter anderem der Fahrraderfinder Karl Drais, Stadtgründer Karl Wilhelm und Karoline von Günderrode, eine Dichterin der Romantik, an die Wand gesprüht.

Graffiti in der Unterführung der Ebertstraße. Foto: Stadt Karlsruhe

 

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2. Die Fahrt beginnt an der Haltestelle Haus-Betlehem

Wer Lust auf eine Begegnung mit dem Dichter und Theologen Johann Peter Hendel oder Rahel Straus, der ersten Studentin an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg, hat, der sollte mal an der Haltestelle Haus-Betlehem in der Karlsruher Nordweststadt aussteigen.

Hier machten sich die Künstler Baske ToBeTrue, Sier und MotorOne, Mitglieder des „Combo“ Teams im August 2017 an die Arbeit, die grauen Wände in heller Farbe erleuchten zu lassen. Neben weiteren namenhaften Persönlichkeiten der Vergangenheit, gehören auch Stadtmotive und Bilder der Karlsruher Straßenbahn in das Gesamtkunstwerk. Laut dem Graffiti-Artist Baske ToBeTrue soll das Projekt außenstehenden Menschen einen Zugang zu Graffiti als Kunstform eröffnen. Es dient als Form der öffentlichen Diskussion und soll Karlsruhern einen neuen Blick zur Historie ihrer Stadt ermöglichen.

Karl Wilhelm Graffiti an der Haltestelle Haus-Betlehem. Foto: Stadt Karlsruhe

3. Nächster Halt: August-Bebel-Straße

Weitere Kunst im Pop-Art-Stil gibt’s an der Haltestelle August-Bebel-Straße zu sehen. In dunklen Umrissen werden die deutschen Frauenrechtlerinnen Hedwig Kettler, die zudem eine Pionierin der höheren Mädchenbildung war, und Demokratin und Beteiligte an der Badischen Revolution (1848/49) Henriette Obermüller dargestellt. In ihrem Kreise befinden sich auch die Abbildungen vom Begründer der deutschen Sozialdemokratie Ferdinand August Bebel und Adolf Kußmaul, einem Dichter und Arzt.

Auch hier waren wieder die Künstler des Combo HipHop Kulturzentrums am Werk, einer Einrichtung, die von Mobilen Jugendarbeit Karlsruhe, dem Verein „Farbschall“ und der örtlichen HipHop-Szene getragen wird. Die Artists schafften an dieser Stelle zum wiederholten Male die Verbindung von Graffiti-Style und der Karlsruher Stadtgeschichte.

4. Endstation: Haltestelle Kurt-Schumacher-Straße

Weiter geht die Reise in die Vergangenheit mit der S1 oder S11 an die Haltestelle Kurt-Schumacher-Straße. Im Zentrum dieses Kunstwerks steht der ehemalige Partei- und Fraktionsvorsitzende sowie Oppositionsführer der SPD der ersten Wahlperiode des Deutschen Bundestags Kurt Schumacher.

Ihm zur Seite stehen zwei starke Frauen: Elisabeth Selbert, die Politikerin ist eine der vier „Mütter des Grundgesetzes“, sowie Magdalena Neff, die Apothekerin war die erste Studentin der Technischen Hochschule Karlsruhe. Dies war im Jahr 2018 das letzte gemeinsame Projekt der Stadt Karlsruhe und den Mitgliedern des „Combo“-Teams, die die Aktion rückblickend als anspruchsvoll und dennoch spannend ansahen, da sie die Aufgabe hatten Persönlichkeiten des öffentlichen Raums mit der modernen Bildsprache des Graffiti zu verbinden.

Mitglied Baske ToBeTrue betonte außerdem auch das Bestreben der Künstler,  das Graffiti durch diese Zusammenarbeit von der kriminellen Stigmatisierung zu befreien. Es soll auch von Außenstehenden als kreative Subkultur anerkannt werden und nicht mehr als Zeichen eines vandalischen Aktes stehen.

Mehr zum Thema: Graffiti-Künstler verschönern ausgewählte Haltestellen in Karlsruhe

5. Das Albufer – oder wo die Künstler auch im Wasser sprayen

Am Albufer in der Durmersheimerstraße in Karlsruhe begab sich Graffiti-Artist Christian Krämer, auch bekannt unter seinem Künstlernamen Dome, in unbekanntes Gewässer – wortwörtlich. Denn um sein Bild von schwimmenden Booten verwirklichen zu können, musste auch der Künstler im Jahr 2015 rund drei Tage im Wasser verbringen. Ausgerüstet mit Anglerhose ergänzte er die Zeilen des Gedichts „Frühlingsmarsch“ von Joseph von Eichendorff, die bereits acht Jahre zuvor angebracht wurden, mit drei aus Papier gefalteten Bötchen, die von riesigen Händen ins Wasser gelassen werden.

„Kinder haben Vorstellungskraft.“, sagt Dome, „Erst, wenn man sich etwas erdenkt, kann man es gestalten.“ So können mit genügend Vorstellungsvermögen einfache Papier-Boote zu Jachten werden, die er als Silhouetten eingebracht hat. Außerdem spielt Dome auf das Thema der Offenheit an. Seiner Meinung nach, muss man „raus in die Welt hinaus, um etwas zu erleben. Offenheit sollte man pflegen.“

Graffiti-Kunst an der Alb in Karlsruhe von dem Street-Art-Künstler Dome.
Graffiti-Kunst an der Alb in Karlsruhe von dem Street-Art-Künstler Dome. | Foto: Rake Hora

6. Buntes Treiben in der Unterführung B3 in Grötzingen

Im Jahr 2016 erfuhr die Unterführung der Bundesstraße 3 in der Nähe der Durlacher Straße eine kleine Typveränderung. Es war die Idee der Ortsvorsitzenden Karen Eßrich, diesem Fußgängerweg einen neuen Glanz zu verleihen.

Ausgeführt wurde das Projekt schließlich von den Graffiti-Künstlern Sier und Matrix. Helfend zur Seite standen ihnen vier Jugendliche, die sich ebenfalls an dem mehrteiligen Werk austoben. Und am Ende Teil eines farbenfrohen Gesamtwerks sein konnten. Begleitet und unterstützt wurden die Arbeiten sowohl vom städtischen Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft als auch vom Kinder- und Jugendhaus.

Graffiti an der Unterführung der B3 in Grötzingen. Foto: Stadt Karlsruhe

7. Gewerbeschule Durlach im kreativen Prozess

Wer sagt, in der Schule sei es immer langweilig, der hat die Gewerbeschule in Durlach noch nicht kennengelernt. Ernesto Faris Aparicio, Lehrer für Kunst und Soziokulturelle Studien, erstellte das Konzept eines 3 mal 30 Meter langen Graffiti auf dem Gelände der Schule. Das Kunstprojekt wurde „Offene Horizonte“ genannt und es probierten sich junge Migranten, die sich zum Maler ausbilden lassen wollten. Initiiert wurde das ganze vom Schulsozialarbeiter Vincenzo Esposito. Die Kernfragen, die sich die beteiligten Schüler stellten waren: Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?

Auf diese Fragen fanden sie eine bunte und kreative Antwort. Im Zentrum des Werks steht das Bild der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo, die durch ihr turbulentes und von Schicksalsschlägen gezeichnetes Leben, als Symbol für das Auf und Ab eines jeden Lebensweg steht. Durch das Kunstwerk sollte auch die Verschiedenartigkeit der Menschen sowie Lebensfreude, Sehnsüchte und Ängste zum Ausdruck gebracht werden, heißt es auf der Homepage der Schule in Durlach.

Graffitiwand an der Gewerbeschule in Durlach. Foto: Stadt Karlsruhe

8. Hommage an die badische Geschichte beim Ständehaus

Nach dem Entwurf im Jahr 2006, wurde es 2007 Ernst: Baske ToBeTrue und Matricks machten sich daran den südlichen Herrenhof am Ständehaus aufzumotzen. Sie wurden beauftragt, ein Graffiti zu der Zeit der badischen Revolution von 1948 zu erstellen. Der Rechtsanwalt Friedrich Karl Franz Hecker war Rechtsanwalt und ein populärer Redner der Revolution und steht in dieser Wandmalerei deshalb im Vordergrund.

Auf dem Bild befindet sich ein Auszug aus der Verfassungsurkunde für das Großherzogtum von Baden, die im August 1818 vom Großherzog Carl unterschrieben wurde. Die Urkunde wurde damals im Regierungsblatt veröffentlicht und trat somit in Kraft. Die Wand in der Karlsruher Innenstadt ist somit eine stetige Erinnerung an die revolutionären Unruhen der Vergangenheit .

Graffiti im südlichen Herrenhof am Ständehaus. Foto: Stadt Karlsruhe

9. Schwimmender Donut bei der „Weißen Rose“ in Oberreut

Die „Weiße Rose“ ist ein Jugend- und Gemeindezentrum in Oberreut, die der gleichnamigen Widerstandsgruppe – angeführt von Sophie und Hans Scholl – und ihrem Mut im Kampf gegen den Nationalsozialismus gewidmet ist. Hier begann Mitte des Jahres 2010 das Projekt zur Neugestaltung der Fassade des Jugend- und Gemeindezentrums.

Unter dem Motto „Cuando Creces“ (zu deutsch: „Während du aufwächst“) wurden regionale und internationale Graffiti-Künstler zu den insgesamt vier Aktionen eingeladen. Das Endergebnis im Jahr 2013 lässt sich sehen: Die Fassade zeigt Fantasielandschaften mit Türmen bestehend aus Büchern, Tiere und Maschinen mit menschlichen Zügen und schwimmenden Donuts. Diese kunterbunte Landschaft wird nicht nur von uns Außenstehenden beobachtet, sondern auch von einem älteren, Zeitung lesenden Mann, der sich über das bunte Treiben zu freuen scheint.

 

10. Wo Tiere lesen können: Unterführung Auerstraße

Schon mal eine Eule gesehen, die anderen Vögeln Geschichten vorliest? Die Lesestunde besonderer Art wurde in die Unterführung der Auerstraße in der Nähe des Durlacher Bahnhofs gesprayt. Im Jahr 2012 schlossen sich die Artists Baske ToBeTrue, Sier, Ceon, Gaser, OrionLeim, Mirk aus Frankreich, Spanien und Deutschland zusammen, um die beiden Wände aufzubrezeln. Das Kunstwerk erstreckt sich auf beiden Seiten über je circa 90 Quadratmeter.

Bevor es damals mit dem Sprayen losging wurden Fragebögen an örtliche Schulen und Jugendhäuser verteilt, um Anstöße aus Kinderköpfen zu sammeln und die Ideen in die Neugestaltung mit einzubringen. So leisten der Eule nicht nur ihre Zuhörer, sondern auch andere exotische Tiere, ungeliebte Hausaufgaben und ein ICE Gesellschaft.