Mit Amalie durch Bruchsal: Gertrud Brückmann schlüpft in die Rolle der Markgräfin. Foto: Hirschel

Besichtigungen der anderen Art

Historisch, sinnlich und in Mundart: Besondere Stadtführungen in der Region

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Viele Städte bieten mittlerweile nicht nur klassische Besichtigungstouren an. Wer in den nächsten Wochen bei kurzweiligen Sonderführungen mehr über geschichtliche Zusammenhänge oder das Stadtleben erfahren will, hat dazu in der Region reichlich Gelegenheit.

Gertrud Brückmann ist fast komplett in Schwarz gekleidet. Nur unter ihrem Umhang lugt eine weiße, mit Spitzen besetzte Bluse hervor. „Amalie war bereits Witwe, als sie 1806 nach Bruchsal kam“, sagt Brückmann. Deshalb trägt auch sie die Trauerfarbe.

Die Gästeführerin verwandelt sich regelmäßig in die Markgräfin von Baden, um über deren Wirken in Bruchsal zu erzählen. Sie führt Einheimische und Besucher vom Schloss in den Stadtgarten und dann zum Belvedere, erinnert dabei an eine geschickt taktierende Frau – und erklärt gleichzeitig die Historie der Stadt. Das kommt gut an: Der eineinhalbstündige Rundgang ist beliebt, so Brückmann. Denn wer schätzt es nicht, wenn Geschichte unterhaltsam vermittelt wird oder gar eine historische Persönlichkeit wie Amalie (1754 bis 1832) die Vergangenheit auferstehen lässt?

Bruchsal

Amalie zeigt Interessenten in nächster Zeit vor allem auf Anfrage ihren Witwensitz. Sie ist mit Gruppen unterwegs, die bei der Touristinformation Bruchsal vorab ihr Interesse anmelden. Spontanen Gästen steht sie erst wieder am 10. September zur Verfügung – dann bei einer barrierefreien Stadtführung.
Doch es bestehen noch weitere Möglichkeiten, Bruchsal etwas anders zu entdecken. Die Stadt lädt zu kulinarischen Spaziergängen ein (18. Mai, 21. September). Die Teilnehmer probieren Schokolade und Wein und hören dabei Geschichtliches zum Thema Essen und Trinken. Und um Spargel, ein Gemüse, das bereits die Römer schätzten, geht es bei einer Radtour (27. April).

Weitere Informationen gibt es unter Telefon (0 72 51) 5 05 94 61 oder im Internet unter www.bruchsal-erleben.de.

Bretten

Den Geschmackssinn spricht auch Bretten an. Die Gemeinde kombiniert eine abendliche Stadtführung und eine Weinprobe miteinander (16. Mai). Noch später am Abend sind diejenigen unterwegs, die dem Nachtwächter bei seiner Runde durch die historische Altstadt folgen (7. Juni). Gesang und Anekdoten sollen für ein vergnügliches Kennenlernen von Bretten sorgen.

Weitere Details unter Telefon (0 72 52) 58 37 10 oder unter www.bretten.de.

Ettlingen

Die Nacht ist ebenso in Ettlingen Kulisse. Das Kultur- und Sportamt unternimmt in Kooperation mit dem Figurentheater marotte „romantisch-gruselige Streifzüge“. An einigen Abenden erzählt der Geist eines verfluchten Ettlinger Bäckermeisters die Geschichte der Stadt (24. April, 9. Mai). An anderen Tagen spukt Markgräfin Franziska Sibylla Augusta an der Alb (5. und 30. Juli, 7. August, 11. September).

Infos unter Telefon (0 72 43) 10 13 33 oder online unter bnn.de/veranstaltungen.

Karlsruhe

In historische Kostüme schlüpfen Gästeführer auch in Karlsruhe. So blickt Waschweib Mimi gemeinsam mit Kutscher Alfred auf die Gründung der Stadt zurück (jeden Samstag; zudem freitags im Mai, Juni, August bis Oktober). Und Friedrich Weinbrenner, Schöpfer des Karlsruher Marktplatzes, nimmt Interessenten mit auf eine architekturgeschichtliche Zeitreise (25. April, 23. Mai, 27. Juni, 25. Juli, 22. August und 10. Oktober).

Erstmals „zoigt“ dieses Jahr ein Brigand „sei Stadd“. Gästeführer Rüdiger Homberg – ein echter Karlsruher und somit ein Brigand – plaudert zwei Stunden in Mundart über die Fächerstadt (16. Mai, 13. Juni, 18. Juli, 17. Oktober).

Weitere Infos gibt es unter Telefon (07 21) 6 02 99 75 80 und im Internet unter www.karlsruhe-tourismus.de.

Pforzheim

Im Dialekt – „wie mir in Pforze halt schwätze“ – entführt auch in der Schmuckstadt eine Gästeführerin in die Geschichte. Sabine Nittel-Schwämmle schlüpft in die Rolle der Schmuckarbeiterin Lina und gibt Einblick in das Leben in Pforzheim zu Beginn des 20. Jahrhunderts (27. April, 1. Juni, 21. Juli, 13. Oktober).

Weitere Infos und Anmeldung unter (0 70 82) 89 17.

Rastatt

Rastatt wartet mit einer ganzen Palette an Kostümführungen auf. Hofdamen in Barockkleidern versetzen ihre Zuhörer ins 18. Jahrhundert (17. Mai, 5. Juli, 30. August), Küchenmagd Anna schlendert mit Gästen über den Rastatter Wochenmarkt (4. Mai, 27. Juli, 21. September). Und Freiheitskämpfer Wilhelm Dietz erinnert sich an die Badische Revolution und die preußische Belagerung von 1849 (11. Mai, 15. Juni, 7. Juli, 21. September).

Weitere Informationen unter Telefon (0 72 22) 9 72 12 20 und online unter www.tourismus-rastatt.de.

Baden-Baden

In Baden-Baden erwecken zwei Gästeführer Ivan S. Turgenevs zu Leben. Renate Effern und Ludwig Hube nutzen den Dichter, um unterhaltsam die russische Geschichte der Stadt zu schildern (jeden zweiten Freitag, das nächste Mal am 26. April). Die Führung gehört noch nicht lange zum Programm, genauso wie die Tour „Geister, Grafen & Gerüchte“. Schauspieler Max Ruhbaum wagt einen Blick auf die dunkle Vergangenheit des Schlosses Solms (5. Mai, weitere Termine im Herbst geplant).

Weitere Infos unter (07221) 27 52 00 sowie online unter veranstaltungen.bnn.de.

Service

Bei den genannten Terminen handelt es sich um öffentliche Führungen, für die manchmal eine Anmeldung gewünscht wird. Gruppen – etwa Freunde, Familie und Vereinsmitglieder – können für alle Führungen bei den Städten auch eigene Termine vereinbaren.