Spielerisch lernen: Die Experimenta führt Jung und Alt interaktiv an Wissenschaft und Technik heran. Foto: Experimenta

Wissenschaft erleben

Experimenta eröffnet am Sonntag

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Hier ein letzter Handgriff, dort ein schneller Pinselstrich. Nur noch wenige Tage, dann kommen die ersten Besucher auf die Neckarinsel am Rande der Heilbronner Innenstadt. Die „neue“ Experimenta öffnet am 31. März ihre Türen. Offizieller Startschuss ist zwar schon am heutigen Donnerstag. Los geht es jedoch erst am Sonntag.

21 Monate war das Science Center geschlossen. Jetzt, nach dem Ende der Bauarbeiten, steht die Experimenta sozusagen vor einem Neuanfang. Von 2008 bis Juli 2017 war sie in einem umgebauten Getreidespeicher zuhause. Nun widmet sie sich in zwei Häusern der Vermittlung naturwissenschaftlichen Wissens: Neben dem historischen Backsteinbau spiegelt sich im Wasser des Neckars ein futuristisches Gebäude aus Glas und Stahl. Dieses werden die meisten Experimenta-Besucher ansteuern. Denn es beherbergt die Ausstellungen sowie das Planetarium. In dem erneut umgestalteten Getreidespeicher dagegen werden sich vor allem Schüler aufhalten. In seinem Bauch befinden sich nun Labore, in denen Kinder und Jugendliche ihrem Forscherdrang nachgehen können.

Ein ehemaliger Getreidespeicher und ein futuristischer Neubau dienen der Wissensvermittlung. Foto: Hirschel

Planetarium und Entdeckerwelten

„Die Experimenta soll den Menschen helfen, die Welt zu verstehen“, sagt Wolfgang Hansch, Geschäftsführer des Science Centers. Orientierung in einer sich schnell verändernden Zeit bieten, Raum für Selbstreflektion schaffen – das sei das Ziel.

Wer den Neubau betritt, bewegt sich wie in einem Schneckenhaus von unten nach oben. Die Idee einer Spirale stand Pate für das kantige Gebäude. Im Untergeschoss liegt der Science Dome. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Planetarium und Experimentaltheater – mit einer 700 Quadratmeter großen Projektionsfläche in der Kuppel, einem beweglichen Auditorium sowie Sternenprojektor, Lasertechnologie und Wasservorhang. Die Shows werden im eigenen Haus produziert, sei es das Kinderstück „Mondpirat und Spiegelei“ oder das wissenschaftliche Programm „Nachts im Labor“, das sich elektrischer Spannung zuwendet.

Die Kuppel des Planetariums ragt ins Erdgeschoss hinein, in dem ein Restaurant angesiedelt ist. Die sogenannten Entdeckerwelten folgen in den Stockwerken darüber: „Stoffwechsel“ beschäftigt sich mit den Materialen und Elementen, die die Menschen tagtäglich umgeben, vom Stoff der Jeans über das Metall in einem Mountainbike bis hin zu den Wassertröpfchen, die Eiskristalle formen. „Kopfsachen“ soll zeigen, wie Hören, Fühlen oder Riechen uns beeinflussen. Oder wie schwierig es ist, das Gleichgewicht zu halten, wenn eine Brille den Alkoholrausch simuliert. „Weltblick“ geht der Frage nach, weshalb – so die These der Schriftstellerin Anais Nin – „wir die Dinge nicht so sehen, wie sie sind“, sondern „wie wir sind“. Und in der vierten Etage reisen die Besucher durch das „Forscherland“.

Die vier Entdeckerwelten sind bewusst unterschiedlich gestaltet worden. Doch egal, wo sich die Besucher im Gebäude befinden – sie profitieren von neuester Technik und moderner Museumspädagogik, die auf Interaktivität setzt. Auch auf dem Dach: Die Experimenta lädt dort zum Sternegucken ein. Die Kuppel des Observatoriums lässt sich komplett öffnen. Das sei einzigartig in Deutschland, so Experimenta-Chef Hansch. Am Sonntag allerdings kann von der Sternwarte aus noch niemand in den Himmel sehen. Der Bereich ist derzeit noch nicht fertig, er soll aber im Laufe des Frühjahrs eröffnen.

Digitaler Rucksack

Wieviel Zeit man für einen Besuch einplanen sollte? „Ein Tag reicht für die komplette Ausstellung nicht aus“, weiß Christian Sichau, Bereichsleiter Pädagogik. Wer will, kann daher gezielt von Stockwerk zu Stockwerk gehen und sich eine Tour nach seinen Interessen selbst zusammenstellen – zuhause am eigenen Computer oder an den Terminals der Experimenta. Die Besucher erhalten dann ein spezielles Armband, das sie als virtueller Begleiter durch die Ausstellungen führt. In diesem „digitalen Rucksack“ können Fotos, Videos und Texte gelegt werden, die noch lange später abrufbar sind.

Ein separater Programmpunkt wird in der Regel der Besuch des benachbarten Speichers sein. Er ist mit acht Laboren sowie einer Experimentierküche ausgestattet und beherbergt das Schülerforschungszentrum Nord-Württemberg. Zudem gibt es eine Werkstatt. 14- bis 25-Jährige können dort etwa nähen oder den Umgang mit CNC-Fräsen lernen.

Die Experimenta in Heilbronn ist geöffnet montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr, an den Wochenenden und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Es gibt Tickets für das komplette Angebot, Karten können aber auch separat für die Entdeckerwelten, Sonderausstellungen und den Science Dome erworben werden. Für die Zeit der Bundesgartenschau in Heilbronn (17. April bis 6. Oktober) werden Kombitickets angeboten.

Weiter Infos unter www.experimenta.science