Unterwegs im Nationalpark Schwarzwald: Ranger Martin Rebbe erzählt über das Schutzgebiet. Foto: Petra Hirschel

Nationalpark Schwarzwald

Zu Fuß durch die Natur

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Der Nationalpark Schwarzwald bietet das ganze Jahr über Führungen an. Ranger, Pädagogen und Wissenschaftler erklären Besuchern die Tier- und Pflanzenwelt des Schutzgebietes zwischen Baden-Baden und Freudenstadt – und geben dabei auch Einblick in die Entstehungsgeschichte und Herausforderungen des Parks.
Es fällt kein Wort. Die gesamte Gruppe geht auf Martin Rebbes Vorschlag ein, eine Weile zu schweigen. „Genießt den schönen Wald“, hat der Ranger noch gesagt, bevor die Wanderer in die Wildnis abbogen. Still kraxeln sie nun den steilen Pfad bergab, klettern über Steine und Baumstämme. Und lassen die Natur auf sich wirken: An diesem Sonntag im Mai herrscht eine ganz besondere Stimmung im Wald. Es hat geschneit, die aus dem Winterschlaf längst erwachte Landschaft ist plötzlich wieder weiß.
Schnee im Mai: Der Wilde See wirkt wie verzaubert. Foto: Petra Hirschel
Das Ziel der Gruppe: der Wilde See. 20 Ausflügler haben sich Rebbe angeschlossen und wandern mit ihm vier Stunden durch den südlichen Teil des Nationalparks Schwarzwald. „Ich war noch nie hier“, verrät Christiane Willer, während sie auf das von ursprünglichem Wald umgebene Gewässer blickt. Doch nicht der Wilde See allein hat die Frau aus Bühlertal und ihren Mann früh aus den Federn kriechen lassen. „Ich möchte verstehen, warum der Nationalpark eingerichtet wurde“, sagt Dieter Willer.
Was hat es mit dem Wilden See auf sich? Ranger Rebbe erklärt die Geschichte des Gewässers und des ihn umgebenden Bannwalds. Foto: Petra Hirschel
Als vor fünf Jahren zwischen Baden-Baden und Freudenstadt eine Fläche von rund 10 000 Hektar unter Schutz gestellt wurde, war dies wahrlich nicht unumstritten. Auch die Willers haben damals die Diskussion verfolgt, die Argumente der Befürworter konnten sie nie in Gänze nachvollziehen. Rebbe dagegen engagierte sich für den Nationalpark bereits vor dessen Gründung, er war im Förderverein aktiv. Und beim Start 2014 entschied er, weiterhin dabei zu bleiben. Der Krankenpfleger belegte einen Intensivkurs für nebenberufliche Ranger und ist nun an den Wochenenden sozusagen als Botschafter im Park unterwegs. Rebbe zählt damit zu den rund 30 Ehrenamtlichen, die die zehn festangestellten Ranger unterstützen.
Was hat das Projekt im Nordschwarzwald mit dem Kyoto-Protokoll zu tun? Worin unterscheidet sich ein Nationalpark vom Biosphärenreservat? Was macht die Idee zu einer großen Herausforderung? Rebbe verlangsamt seinen Schritt und erklärt. Geschwiegen wird nur auf dem Weg bergab durch den 100-jährigen Bannwald.

Zahlreiche Führungen

„Der Nationalpark hat einen Bildungsauftrag“, betont der Ranger. Die Wanderung zum Wilden See ist daher nur eine von vielen Veranstaltungen in der Bergwelt. Das ganze Jahr über können sich Jung und Alt über den Park sowie seine Tier- und Pflanzenwelt schlau machen. Ranger, Pädagogen, Wissenschaftler und sogar ein Wanderkoch (19. Juli) erkunden mit Interessenten zu Fuß die Natur.
Meist handelt es sich um mehrstündige Touren. Ihr Schwierigkeitsgrad ist allerdings unterschiedlich. So können an dem „Botanischen Abendspaziergang“ (7. Juni, 5. Juli) auch Parkbesucher mit eingeschränkter Mobilität teilnehmen. Für die Rangerführungen zum Wilden See (2./30. Juni, 28. Juli, 25. August, 22. September) oder zum Buhlbachsee (12. Mai, 9. Juni, 7. Juli, 4. August, 1./29. September, 27. Oktober) ist jedoch Trittsicherheit unabdingbar.
Der Nationalpark bietet seinen Besuchern sowohl kurze als auch längere geführte Wanderungen an. Foto: Petra Hirschel
Für Familien gibt es ein extra Programm (Entdeckungstour „Kleine Kostbarkeiten“, 17. Mai), für Kinder und Jugendliche außerdem Ferienkurse. Zudem organisiert der Park mehrtägige Veranstaltungen, die sich an jeweils eine Zielgruppe richten – an Outdoor-Freaks (13./14. Juni, 19./20. Juli), Pilger (29./30. August) oder Gehörlose (27./28. Juli).
Die Mehrtagestouren sind kostenpflichtig. Für die meisten anderen Veranstaltungen aber müssen die Teilnehmer nichts bezahlen. Denn jeder soll die Möglichkeit haben, den Park gemeinsam mit einem Experten zu erleben.

Einblick in Flora und Fauna

„Ich schätze solche geführten Wanderungen“, sagt Martina Keller aus Sinzheim. Sie schnuppert an dem braunen Pilz, der am Stumpf einer Fichte klebt. Und auch ihre Mitwanderer nähern ihre Nase dem ihnen unbekannten Gewächs. „Eine Fencheltramete“, erklärt Reebe. Kurz darauf deutet er auf drei Löcher weit oben in einem toten Baum. „Nisthöhlen des Dreizehenspechts.“ Der Ranger erzählt von dem äußerst seltenen Vogel und warum es so wichtig ist, dass es unbewirtschafteten Wald gibt, in dem die Natur tatsächlich Natur sein darf.
Immer der Nase nach: Die Wanderer erschnuppern die Natur. Foto: Petra Hirschel
Seine Schützlinge hören aufmerksam zu, immer wieder stellen sie Fragen. Und nach und nach beginnen sie, die Zusammenhänge zu verstehen, sehen etwa den ungeliebten Borkenkäfer plötzlich mit anderen Augen. „Er bringt Licht in den Wald“, sagt Rebbe. Bäume sterben ab und machen Heidelbeeren Platz. „Wen freut das?“, fragt der Ranger gegen Ende der Tour seine gelehrigen Schüler. „Das Auerhuhn“, antworten diese wie aus einem Mund. Die Vogelart ist in Deutschland vom Aussterben bedroht, im Schwarzwald kommen die Tiere noch vor, doch auch hier wird ihr Verschwinden befürchtet. Es sei denn, es entsteht ein dauerhafter Lebensraum für die großen Hühner – mithilfe der Nationalpark-Idee. „Das Konzept überzeugt mich“, sagt Dieter Willer. Die Wanderung hat ihn zu einen Befürworter des umstrittenen Projekts werden lassen.

Das Gesamtprogramm des Nationalparks Schwarzwald steht online unter www.nationalpark-schwarzwald.de. Informationen gibt es auch unter Telefon (0 74 49) 92 99 84 44. Für die meisten Touren muss sich vorab angemeldet werden, der Startpunkt ist unterschiedlich. Die Wanderungen können auch für geschlossene Gruppen an einem individuellen Termin gebucht werden, kosten dann jedoch.