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Meinung

von Dirk Neubauer

Profitiert von Emotionen

911er-Kult an Börse: Porsche bleibt auch für Investoren exklusiver Konzern

Der Sport- und Geländewagenbauer Porsche hat ein gutes Börsendebüt hingelegt. Die großen Herausforderungen liegen aber vor dem Traditionskonzern, meint BNN-Redakteur Dirk Neubauer in einem Kommentar.

Das Grundkapital der Porsche AG wurde zur Hälfte in stimmrechtslose Vorzugs- und stimmberechtigte Stammaktien aufgespalten.
Der Autobauer ist von China abhängig; jeder dritte Pkw geht ins Reich der Mitte. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Vor langer, langer Zeit bekamen Aktionäre noch Urkunden ausgehändigt – ein Dokument, das ihren Anteil und ihre Rechte dokumentierte. Beim Porsche-Börsengang hätte eigentlich nur noch gefehlt, dass der Sport- und Geländewagenbauer diese Tradition wieder aufgegriffen hätte.

Denn dann könnten sich stolze Kleinaktionäre nun die eingerahmte Urkunde an die Wand ihrer Garage hängen können – im Idealfall direkt vor einem 911er.

Porsche-Aktie profitiert von Emotionen

Die Stuttgarter wissen um ihre Kultmarke und spielen damit: Die Gesamtzahl der Aktien liegt bei 911 Millionen Stück, und selbst in der Wertpapierkennnummer kommt die 911 vor.

Porsche profitiert von diesem Kult, von Emotionen. Sonst hätte es nicht mit dem ordentlichen Börsendebüt geklappt. Der Ausgabepreis pro Aktie lag am oberen Ende der vorgegebenen Spanne. Und nachdem die Börsenglocke klingelte, legte die Aktie um zwei Prozent zu. Das ist in Zeiten von hoch nervösen Finanzmärkten beachtlich.

Auch einige Zahlen sind es: Auf Basis des ersten Preises kommt Porsche auf eine Marktkapitalisierung von knapp 77 Milliarden Euro. Obwohl Mercedes-Benz und BMW achtmal so viele Autos verkaufen, ist Porsche wertvoller.

Die Aktie wird nicht zum Selbstläufer

Dennoch wird Porsche für Börsianer nicht zu einem Selbstläufer. Zwar stimmt es, dass die Nobelmarke eine Renditeperle ist, die in diesem Jahr voraussichtlich 16.000 Euro pro Auto verdient. Und die Marke bleibt exklusiv, trotz der – vor allem wegen der SUVs Cayenne und Macan – enorm gestiegenen Stückzahlen.

Aber Porsche ist von China abhängig; jeder dritte Pkw geht ins Reich der Mitte. Vor allem aber kratzen die Softwareprobleme am Qualitäts-Image der Zuffenhausener. Besonders in den USA sorgen Ausfälle des Elektroflitzers Taycan für Negativschlagzeilen.

Da blutet den in der Automobilbranche hoch geachteten Ingenieuren im Porsche-Entwicklungszentrum Weissach das Herz.

Zurück zum Börsengang und dem im Vorfeld vereinbarten Deal rund ums komplizierte Geflecht der Dachgesellschaft Porsche SE, Porsche AG und Volkswagen AG. Es profitieren vor allem die Gründerfamilien Porsche und Piëch. Die haben mit gut 25 Prozent der Stammaktien das Sagen und ihre Macht gefestigt. Parallel fließt in die VW-Konzernkasse viel Geld.

Kleinaktionäre haben nur wenig zugeteilt bekommen

Porsche bleibt, was die Gesellschafter angeht, eine exklusive Veranstaltung: An der Börse platziert wurden nur ein Viertel der stimmrechtlosen Vorzugsaktien. Von diesen rund 114 Millionen Stück schnappten sich rund 45 Millionen Stück ausländische Großinvestoren.

Kleinaktionäre hatten nur die Chance, eine von 69 Millionen Stück zugeteilt zu bekommen. Zu sagen haben sie mit ihren „Vorzügen“ nichts. Sie dürfen vor allem eines bringen: Geld für ein Kultunternehmen mit großen Herausforderungen.

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