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Meinung

von Martin Ferber

Kommentar

Corona-Mutante breitet sich aus - und die Länder spielen Verstecken

Die Infektionszahlen steigen wieder stark an, es droht die dritte Welle. Doch die Menschen sind müde und erschöpft. Und der Politik fehlt der Mut, neue Einschränkungen durchzusetzen, kommentiert Martin Ferber.

Schneckentempo beim Impfen: Deutschland ist noch immer weit von einer Immunisierung der gesamten Gesellschaft entfernt. So hat das Virus ein leichtes Spiel. Foto: Hannibal Hanschke picture alliance/dpa/Reuters/Pool

Es gibt nichts mehr zu beschönigen. Das Coronavirus nimmt weder Rücksicht auf Wahltermine noch lässt es sich von Lockerungsbeschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz beeindrucken. Im Gegenteil, die Mutante B 1.1.7 breitet sich immer stärker aus. Die dritte Welle baut sich auf.

Wie ein Menetekel steht die Warnung von RKI-Chef Lothar Wieler im Raum, dass es nach Ostern mit einem Inzidenzwert von 350 schlimmer sein könnte als an Weihnachten. Schon fordern die Intensivmediziner, das öffentliche Leben wieder herunterzufahren. Nur mit einem harten Lockdown könne der Sommer noch gerettet werden.

Doch die Kassandrarufe verhallen ungehört. Die Bürgerinnen und Bürger sind nach einem Jahr im Ausnahmezustand coronamüde und erschöpft, gleichzeitig hat die Politik hat den Mut verloren, den Menschen neue Zumutungen aufzubürden. Obwohl immer mehr Städte oder Kreise die kritische Marke von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche überschreiten, weigern sich die Verantwortlichen, die fällige Notbremse mit strikten Einschränkungen zu ziehen. Das öffentliche Leben soll ungestört weiter gehen. Und die Ersten träumen schon vom Osterurlaub auf Mallorca.

So aber ist der Kampf gegen das Virus nicht zu gewinnen. Auch beim Impfen bleibt es beim bisherigen Schneckentempo, da nun auch wegen Bedenken die Impfung mit dem Vakzin von Astrazeneca ausgesetzt worden ist.

Ohne ausreichende Immunisierung aber hat das Virus leichtes Spiel, der starke Anstieg bei Kindern und Jugendlichen spricht Bände. Die Ministerpräsidenten spielen munter Verstecken und schieben die Verantwortung auf den Bund, mit Gesundheitsminister Jens Spahn haben sie den idealen Sündenbock gefunden, um vom eigenen Versagen abzulenken. Dabei sind sie es, die zuständig sind. Infektionsschutz war, ist und bleibt Ländersache.

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