Skip to main content

Kommentar

Die Landesregierung muss bei Kälber-Transporten dringend handeln

Kälber-Transporte aus Baden-Württemberg finden unter unwürdigen Bedingungen statt. Die Landesregierung muss handeln, kommentiert BNN-Redakteur Sebastian Raviol.

Tierschützer von Animals Angels haben Transporte der Kälber – auch von Baden-Württemberg aus – verfolgt und herausgefunden, dass die Pausen und Fütterung der Tiere nicht vorgeschrieben eingehalten wird. Foto: Animals‘ Angels e. V.

Der Landwirt selbst weiß am besten, wie es seinem Tier geht – auch dann, wenn er es verkauft hat. Dass Kälber aus Baden-Württemberg nach einem stundenlangen Transport in arabischen Ländern landen, dort ohne Betäubung nach einem Schnitt am Hals ausbluten, das dürfte hiesigen Landwirten aber eher unbekannt sein.

Es geht dabei nicht einmal um das Schächten an sich, das für die einen Tierquälerei, für die anderen religiös bedingt und nicht schlimmer als andere Tötungsmethoden ist.

Es ist der Transport: Die wenige Wochen alten männlichen Kälber haben bis zur Ankunft tausende Kilometer hinter sich. Dabei können sie rein technisch an Bord der Fahrzeuge nicht getränkt werden – müssen sie auch nicht, wie das Landwirtschaftsministerium in seinem neuen Erlass schreibt.

Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg verweist auf EU-Recht, das Ministerium in Stuttgart auf den Verwaltungsgerichtshof.

Es ist eine Kette, die zu Umständen führt, die den Tieren und dem Tierwohl nicht gerecht wird. Eine Kette, die auch von der Politik durchbrochen werden muss. Es reicht nicht, wenn die Landesregierung erklärt, sie habe sich an den Bund gewandt, der solle sich zwecks einer einheitlichen Regelung an die EU wenden.

Es ist die nächste Kette ohne Aussicht auf eine Besserung der Situation. Denn das Problem ist in Berlin längst bekannt – ohne eine positive Entwicklung bei der EU. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner schrieb selbst bereits, die Transportfahrzeuge hätten keine entsprechenden Tränken.

Im Fall, der zum Baden-Württemberger Urteil führte, wurden einfach polnische Transporter verwendet, um die Bedenken vor Ort zu umgehen. Das ist zu leicht. Solange die EU nicht für ein angemessenes Tierschutzrecht sorgt, müssen Politik und Behörden vor Ort Lösungen finden. Den rechtlichen Weg der Landesregierung sehen Experten noch nicht ausgeschöpft.

nach oben Zurück zum Seitenanfang