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Kommentar

Ein letzter Triumph?

Seit 26 Jahren regiert Alexander Lukaschenko in Weißrussland. Fünfmal hat sich der harte Populist wählen lassen, dabei konnte er stets auf die tatkräftige Unterstützung seines Polizeistaates zählen. Doch an der östlichen Grenze der EU weht ein neuer Wind der Veränderungen.

Der weißrussische Herrscher Alexander Lukaschenko, im Westen gerne als „letzter Diktator Europas” genannt, wird sich am Sonntag wohl zum sechsten Mal als Präsident wählen lassen. Vielleicht ist es aber das letzte Mal: Denn viele Weißrussen haben das „Väterchen”, wie sich der 65-Jährige gerne nennen lässt, gründlich satt. Foto: Nikolai Petrov / Pool

Man verliert leicht den Überblick, wie oft sich der frühere Landwirt Alexander Lukaschenko zum Präsidenten Weißrusslands wählen ließ. Wer es genau wissen will: fünf Mal in den vergangenen 26 Jahren. Der Mann, der im Westen gerne „letzter Diktator Europas” genannt wird, weiß eben sehr gut, wie man Opponenten einschüchtert, Konkurrenten aus dem Weg räumt, Massen mit populistischer Propaganda besänftigt und Wahlen fälscht.

Bislang hat das immer zuverlässig funktioniert. Auch diesmal ist Lukaschenkos fast absolute Macht nicht wirklich in Gefahr, wenn am Sonntag die 6,8 Millionen wahlberechtigte Weißrussen ihre Kreuze in den Zetteln machen. Mangels einer offiziellen Einladung schickt die OSZE keine Beobachter in das Land, somit dürfte es dem Regime noch einfacher fallen, die Ergebnisse zu seinem Gunsten zu manipulieren. Vielleicht wird es aber das letzte Mal sein.

Reif für den Wechsel an der Spitze

Denn Lukaschenkos Landsleute haben den exzentrischen Autokraten gründlich satt. Nach einem Vierteljahrhundert ist der Wunsch nach Veränderungen deutlich spürbar - nicht nur in den prowestlichen, liberalen Kreisen, die schon vor zehn Jahren erfolglos gegen den Polizeistaat rebelliert haben.

Auch die breite Masse scheint allmählich reif für den Wechsel an der Spitze sein. Lukaschenko dürfte kaum noch wirksame politische Trümpfe parat haben, um die Herzen der Weißrussen zu erobern.

Zudem ist der Unmut in einem Teil der Machtelite groß, und seitens des großen Nachbarn im Osten hat das Regime keine Hilfe zu erwarten. Die antidemokratische Bastion vor den Toren der EU war Russland viele Jahre nützlich als strategisches Puffer zur Nato. Sollte Putin sich in Weißrussland auf einen anderen politischen Partner festlegen, wären Lukaschenkos Jahre an der Macht gezählt.

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