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Kommentar zur Tiermast

Die Tiere zahlen drauf

Wenn man den Bauern bei der Tiermast zuschaut, läuft man Gefahr, Vegetarier zu werden. Guten Gewissens in ein Steak beißen kann nur, wer nicht die Tiere den Preis dafür zahlen lässt.

Teuerer Wohnraum: Der Preis an der Fleischtheke bestimmt, wie viel Platz und Freiraum die Tiere während der Mast haben. Foto: Christian Bodamer

Wer ein saftiges Stück Lende zu schätzen weiß, innen rosarot, außen knusprig und kernig, der muss jetzt ganz stark sein. Wer diesen schweren Geruch in der Küche liebt, das Krachen des Messers auf seinem Weg durch die Kruste, den sanft heraus rinnenden Bratensaft und schließlich diese Geschmacksexplosion auf der Zunge, für den gibt es eine schmerzliche Wahrheit:

Dieses Lendenstück wurde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einem Tier aus der Hüfte geschnitten, das möglichst billig, also mit wenig Aufwand an Futter, Arbeit und Fürsorge, mit wenig Platz, Bewegung und Sonnenlicht rasant gemästet und noch in seiner Jugend geschlachtet wurde.

Das Fleisch im Stall wächst wie der Weizen auf dem Feld

Kein Herumtollen mit Altersgenossen, kein Kratzen an der Borke eines alten Baumes, kein Suhlen, kein Wälzen in irgendetwas anderem als dem eigenen Kot. Das Fleisch für unseren Teller wird angebaut wie der Mais und der Weizen auf dem Feld. Die Bedingungen sind optimiert für das preisgünstige Wachstum von Fleisch.

Nutztiere leben, um zu sterben. Darin unterscheiden sie sich von unseren Haustieren. Und den Hunger der Menschen stillen zu wollen mit dem Fleisch vermeintlich glücklich aufgewachsener Tiere aus dem scheinbaren Bilderbuch-Idyll des 50er-Jahre Bauernhofs, ist eine naive Illusion.

Was den Tieren wirklich hilft, ist Geld. Landwirte sind keine Tierschänder. Sie halten Rind und Schwein so, wie sie es sich leisten können. Ein Euro mehr fürs Kilo kann schon einen Quadratmeter mehr fürs Schwein bedeuten. Wer seinen Fleischverzehr halbiert und trotzdem gleich viel ausgibt, kann damit den Stall und den Auslauf der Tiere, die für ihn sterben, glatt verdoppeln.

Wer beim Biss ins Steak nicht den Appetit verlieren will, der muss auf den Preis achten. Auf den Preis, den er an der regionalen Metzgerstheke zahlt. Denn der bestimmt auch den Preis, den das Tier bezahlen muss.

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