Skip to main content

Meinung

von Daniel Streib

Nord-Stream-Lecks

Sabotage trägt Putins Handschrift

Die Verwirrung um die gewaltsam verursachten Lecks in drei von vier Nord-Stream-Röhren ist groß. Am Ende führt die Spur nach Moskau. Warum die Aktion Putins Handschrift trägt und was seine Botschaft an die Nato ist.

Die Luftaufnahme des dänischen Verteidigungskommandos zeigt das Gasleck in der Nähe von Bornholm.
Diese Luftaufnahme vom dänischen Verteidigungskommando zeigt das Gasleck in der Nähe von Bornholm. Foto: Danish Defence Command/dpa

Groß ist die Aufregung um die leckgeschlagenen Nord-Stream-Röhren. Aber wer war das? Und wem nützt es?

Fakt ist, die zuletzt gefallenen Gaspreise sind nach den Vorfällen wieder gestiegen. Die Spurensicherung in bis zu 80 Metern Tiefe erweist sich derweil als schwierig. Es kann gut sein, dass nie bewiesen wird, wer wirklich dahintersteckt. Mit öffentlichen Schuldzuweisung hält man sich in westlichen Hauptstädten zurück.

Und doch weiß man in Washington, Brüssel und Berlin ganz genau: Die Sabotage trägt eine Handschrift: die des Ex-Geheimdienstlers im Kreml, der immer noch einen Trick aus dem Hut zaubert, um den Westen zu entzweien. Dazu passt es, dass parallel zu den Röhren die Sozialen Netzwerken geflutet wurden, und zwar mit Beiträgen, die die USA als Täter darstellen. Waren die Amerikaner nicht schon immer gegen die Pipelines? War eine US-Flotte nicht erst in der Ostsee? Derlei Geraune, mutmaßlich lanciert von russischen Internetkriegern, verfehlt ihre Wirkung nicht und wird willfährig etwa auch von AfD-Politikern verbreitet.

Putins subtile Botschaft an die Nato-Länder

Dass die USA und übrigens viele osteuropäischen Nachbarn aus gutem Grund gegen die Pipelines waren, weil sie es schlicht kommen sahen, dass sich Deutschland vom Regime in Moskau abhängig macht, spielt unter Putin-Verstehern keine Rolle. Auch sehen sie nicht, um welch subtile Botschaft aus Moskau es sich bei den Explosionen vor der Südküste Schwedens handelt: Aus der Ostsee werde ein „Nato-See“, hatten westliche Militärs mit Blick auf den Nato-Beitritt Schwedens und Finnlands gejubelt. Jetzt müssen sie feststellen, dass ihnen die Russen praktisch vor der Hafenmole heimlich die Versorgungsinfrastruktur zerstören können.

Für Ideologen ist es wohl auch nur ein Zufall, dass eine Röhre von Nord Stream 2 intakt geblieben ist. Durch diese B-Röhre könnte man noch immer Gas nach Deutschland transportieren. So wie es Wladimir Putin und sein Freund Gerhard Schröder, der Verwaltungsratschef der Nord Stream 2 AG, schon lange empfehlen, um den angeblich sanktionsbedingten technischen Ausfall von Nord Stream 1 zu kompensieren. Gelänge es dem Ex-Kanzler, bis zum Jahresende doch noch die Pipeline ans Netz anzuschließen, wäre seine insolvente Schweizer Firma gerettet – und der Westen zerstritten. Prognose: Bald werden politische Stimmen laut, man müsse das Ding endlich ans Netz nehmen.

Für Putin hat die Beschädigung von Nord Stream 1 einen weiteren Vorteil: Auf den Vorwurf, sein Land halte Gaslieferverträge nicht ein, kann er endlich mit Fakten argumentieren. Die Lüge von der defekten Turbine hat ausgedient.

nach oben Zurück zum Seitenanfang