Skip to main content

Corona vermiest den Ausblick

In Baden-Baden und Bühl bleiben Aussichtstürme wegen der Pandemie zum Teil geschlossen

Aussichtstürme und Bergfriede gibt es in Baden-Baden und Bühl eine ganze Menge. Wegen der Corona-Pandemie sind die aber zum Teil für Besucher gesperrt. Der BNN-Reporter hat sich umgeschaut.
4 Minuten
4 Minuten

„Schau ins Land“ lautet der Titel eines Buches von Joachim Kleinmanns, der geradezu eine Aufforderung darstellt. Der Karlsruher Bauhistoriker ist Experte für einen Bautyp, der im Frühjahr die Menschen magisch anzieht: Aussichtstürme.

Nach der kalten Jahreszeit wollen die Menschen raus in die Natur und die Fernsicht genießen. Doch die Corona-Pandemie macht ihnen oft einen Strich durch die Rechnung.

Aussichtstürme gibt es in Mittelbaden eine ganze Menge. Die dreigestufte Landschaft mit Rheintal, der Vorgebirgszone mit Obst- und Weinbau und dem Schwarzwald bietet sich dafür an. Das war bereits im 19. Jahrhundert so, denn der Schwarzwald wurde schon früh von Touristen entdeckt. Der Blick von den Aussichtstürmen reicht bei gutem Wetter bis zum Straßburger Münster und den Vogesen. Kein Wunder, dass Schwarzwald und Vorgebirgszone bei Bauherren und Architekten bereits vor 150 Jahren außerordentlich beliebt waren.

Doch nicht nur von speziellen Aussichtstürmen, sondern auch von Bergfrieden können Touristen blicken. Im Zuge der Burgenromantik wurde die Türme der Ruinen für Ausflügler seit dem 19. Jahrhundert restauriert und geöffnet.

Friedrichsturm im Eisentaler Rebland ist frei zugänglich

Das Angebot, in die Ferne zu blicken, ist in Coronazeiten in Bühl und Baden-Baden deutlich eingeschränkt. Der zehn Meter hohe Friedrichsturm im Rebland zwischen Bühl und Eisental ist als einer der wenigen Aussichtspunkte aktuell für Besucher geöffnet.

Der Turm aus Eisenfachwerk wurde 1902 von den aus Bühl stammenden Fabrikanten Adolf und Leopold Netter anlässlich des Thronjubiläums des badischen Großherzogs Friedrich gestiftet. Die Kombination der Aussichts- und der Denkmalfunktion ist übrigens typisch für das deutsche Kaiserreich zwischen 1871 und 1918.

Durchblick: Das Eisenfachwerk des Friedrichsturms im Rebland bei Eisental bietet beim Aufstieg tolle Perspektiven. Foto: Ulrich Coenen

Burg Windeck und Aussichtsturm auf dem Mehliskopf bleiben zu

Ohne die Burgenromantik des 19. Jahrhunderts gäbe es die vielen Höhenburgen nicht mehr. „Die Wiederentdeckung der mittelalterlichen Burgen als bauliche Zeugnisse einer vergangenen höfisch-ritterlichen Blütezeit begann in der Epoche der Romantik Ende des 18. Jahrhunderts“, berichtet Stefanie Lieb, außerplanmäßige Professorin für Architekturgeschichte an der Universität Köln.

Kein Zugang: Wegen Corona ist der Bergfried der Burg Windeck für Besucher gesperrt. Foto: Ulrich Coenen

Wer den Bergfried der mittelalterlichen Burgruine Windeck besteigen will, hat trotzdem Pech. Der wurde wegen Corona bereits im Frühjahr 2020 gesperrt. Inzwischen ist sogar die gesamte spätromanische Burg einschließlich der Gastronomie in der Vorburg für Besucher geschlossen. Das berichtet Marius Merkel, stellvertretender Pressesprecher der Stadt Bühl. Die Ruine aus dem frühen 13. Jahrhundert, die sich auf einem Bergsporn 378 Meter hoch über Bühl erhebt, erlaubt in normalen Zeiten einen fantastischen Blick über das Rheintal.

Auch der Aussichtsturm auf dem 1.010 Meter hohen Mehliskopf ist wegen der Corona-Pandemie nicht zugänglich. Eigentlich sollte er am 1. Mai öffnen. „Das ist wegen der hohen Inzidenzzahlen auf absehbare Zeit nicht möglich“, meint Merkel. Der Turm aus Bruchstein mit Aufbau aus Holz wurde 1880 wie viele andere vom Schwarzwaldverein erbaut und gehört damit zu den ältesten steinernen Aussichtstürmen im Nordschwarzwald.

Blick auf die Kurstadt: Das Alte Schloss hoch über Baden-Baden ist für Besucher geöffnet. Foto: Ulrich Coenen

Altes Schloss und Alt Eberstein haben geöffnet, Yburg für Publikum gesperrt

Bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg sieht man die Sache entspannter. Das Alte Schloss in Baden-Baden und der Bergfried aus dem 12. Jahrhundert sind geöffnet. Lediglich der Bereich der Palas ist gesperrt, allerdings nicht wegen Corona, sondern wegen Bauarbeiten. Vollständig geöffnet ist die Burg Alt-Eberstein in Ebersteinburg aus der Zeit um 1200.

Die Yburg auf dem 520 Meter hohen Yberg ist hingegen geschlossen, allerdings ebenfalls nicht wegen Corona, sondern weil die Staatlichen Schlösser und Gärten einen neuen Pächter suchen. Dort wurden zwischen 1898 und 1913 umfangreiche Restaurierungen vorgenommen, die Burgruine aus der Zeit um 1200 zum Publikumsmagneten. Die fantastische Sicht in die Rheinebene vom 20 Meter hohen Bergfried kann der Besucher aber aktuell nicht genießen.

Blick auf Neuweier und das Rebland: Vom Bergfried der Yburg bietet sich dem Besucher eine wunderschöne Aussicht. Zurzeit ist die Burg für Publikum nicht zugänglich. Foto: Ulrich Coenen

Aussichtsturm und Bergbahn auf dem Merkur sind geschlossen

Vorsichtig ist man im Hinblick auf die Pandemie bei der Stadt Baden-Baden. Geschlossen ist nach Auskunft von Sibylle Hurst von der städtischen Pressestelle der Aussichtsturm auf dem Merkur in Baden-Baden, ebenso die 1913 eröffnete Standseilbahn, die auf den 668 Meter hohen Hausberg der Kurstadt führt. Der damals aufgestockte Aussichtsturm von 1837 bietet in normalen Zeiten einen grandiosen Blick über Oostal, Murgtal und Rheinebene.

Geöffnet ist hingegen der Friedrichsturm auf der Badener Höhe, mit 1.002 Metern die höchste Erhebung der Baden-Badener Gemarkung. Der 30 Meter hohe Friedrichsturm, 1890 nach Plänen von Anton Klein erbaut und wie der gleichnamige Turm in Bühl nach Großherzog Friedrich benannt, ist ein ausgesprochen repräsentativer Rundturm aus Bruchstein über einem mächtigen Unterbau. Der Zinnenkranz der Brüstung erinnert bewusst an eine Burg.

Mitten im Rebland: Der Friedrichsturm aus Eisenfachwerk wurde 1902 von den aus Bühl stammenden Fabrikanten Adolf und Leopold Netter anlässlich des Thronjubiläums des badischen Großherzogs Friedrich gestiftet. Foto: Ulrich Coenen

nach oben Zurück zum Seitenanfang