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Unter Architekt Friedrich Weinbrenner

200 Jahre Kurhaus: In Baden-Baden verschmelzen Stadt und Natur

Das Kurhaus wird 200 Jahre alt. Es steht geradezu symbolisch für den Aufschwung Baden-Badens zur mondänen Kurstadt. Mit Friedrich Weinbrenner wurde 1821 der führende Architekt Badens beauftragt. Er griff modernste Tendenzen der Architektur auf.

Wahrzeichen der Kurstadt: Friedrich Weinbrenner begann vor 200 Jahren mit der Planung des Gebäudes, das damals Konversationshaus genannt wurde. Foto: Ulrich Coenen

Das Kurhaus hieß ursprünglich Konversationshaus. Friedrich Weinbrenners Planungen reichen bis in das Jahr 1821 zurück. Ausgeführt wurde das Gebäude in den Jahren 1822 bis 1824. Das Kurhaus steht gleich in zweifacher Hinsicht für moderne Entwicklungen in der Kurarchitektur des 19. Jahrhunderts.

Das Kurhaus ist ein neuer Bautyp. Er entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts zuerst in Wiesbaden und dann wenige Jahre später in Baden-Baden. Doch nicht allein das ist innovativ. Beide Kurhäuser sind nicht ohne ihre Einbettung in die Landschaft zu verstehen.

Der Kurbetrieb in Baden-Baden hatte sich seit der römischen Antike auf das Bäderviertel in der heutigen Altstadt am Hang des Florentinerberges konzentriert. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern am anderen Ufer der Oos ein zweites Kurviertel angelegt.

Stadtplan von 1810: Oben rechts ist das Promenadehaus mit der Kastanienallee zu sehen. Diese verband das Gebäude mit der Altstadt. Foto: Ulrich Coenen

Architektur und Kurparks des 19. Jahrhunderts verschmelzen zu einer Einheit. Die in Form von englischen Gärten angelegten Parks gehen nahtlos in die freie Landschaft über. Die Kurstädte sind als urbane Sonderform eine Synthese aus Kurarchitektur und Landschaft.

Ein Neubau außerhalb der Altstadt

Um den Standort des Baden-Badener Kurhauses zu verstehen, ist ein Rückblick ins 18. Jahrhundert notwendig. Unmittelbarer Vorläufer war das Promenadehaus nach einem Entwurf des markgräflichen Hofbaumeisters und Bauinspektors Franz Ignatz Krohmer, das im Auftrag der Stadt entstand.

Das schlichte Gebäude war nach Forschungsergebnissen von Martina Kitzing-Bretz ein Geschenk an den Markgrafen August Georg. Kitzing-Bretz hat ihre kunsthistorische Dissertation über Krohmer, die an der Universität Heidelberg entstanden ist, im Jahr 2001 veröffentlicht. Üblicherweise wird in der Literatur als Baujahr 1765/66 genannt. Kitzing-Bretz nennt in ihrer Doktorarbeit 1767.

Zum Angebot des neuen Promenadehauses zählten Glücksspiel und Tanz. Das Erscheinungsbild des symmetrischen Gebäudes lässt sich wegen der zahlreichen späteren Umbauten nicht im Detail rekonstruieren, es blieb aber im Kern im linken Flügel des von Weinbrenner errichteten Konversationshauses erhalten. Grundriss und Seitenaufriss des ursprünglichen Baus sind in Entwürfen Weinbrenners für eine erste Erweiterung um einen an der Rückseite anschließenden Tanzsaal im Jahr 1802 überliefert.

Diese werden im Generallandesarchiv Karlsruhe aufbewahrt. Kitzing-Bretz beschreibt das Promenadehaus folgendermaßen: „Der Haupttrakt, der den Salon enthielt, war vorne mit einer zweiflügeligen Glastür und zwei Rundbogenfenstern ausgestattet. … Der Salon diente dem Tanz und war mit zwei französischen Kaminen ausgestattet.“

Das Promenadehaus nahm im Hinblick auf die Einbindung der Kurarchitektur in die Landschaft die Entwicklung des 19. Jahrhunderts vorweg. Ein zwischen 1802 und 1809 entstandener Lageplan im Generallandesarchiv Karlsruhe zeigt die Gesamtanlage des Promenadehauses, das mit der Stadt durch eine rund 110 Meter lange, vierreihige Kastanienallee und eine Brücke (heute Fieserbrücke) verbunden war.

Ausgedehnte Alleen, die als Promenade dienten, waren typisch für barocke Kurorte. In diesem Zusammenhang ist die rund 2,3 Kilometer lange Lichtentaler Allee in Baden-Baden zu nennen. Sie wurde angeblich 1655 vom markgräflichen Kammerherrn Moritz von Lassolaye als Eichenallee angelegt und führt entlang der Oos zum Kloster Lichtenthal.

Fürstenbäder waren Vorbilder

Das Promenadehaus und seine Gartenanlage lassen Einflüsse der barocken Fürstenbäder erkennen, obwohl die Stadt und nicht der Markgraf Bauherrin war. Wie in Boll, Pyrmont oder auch in der Kurstadt Aachen, das als freie Reichsstadt kein Fürstenbad war, wurden in Baden-Baden Alleen angelegt.

Das Promenadehaus selbst unterscheidet sich jedoch von den fürstlichen Logierhäusern, wie sie beispielsweise in Schlangenbad, Langensteinbach oder Brückenau üblich waren. Deren Grundrisse wurden durch ein umfangreiches Raumprogramm bestimmt, das neben Apartments für den Landesherrn und seine Gäste Wirtschaftsräume und teilweise Bäder vorsah.

Das Promenadehaus in Baden-Baden verzichtete als kommunales Projekt auf Wohnräume für den Fürsten und Bäder und beschränkte sich auf den Saalbau und die notwendige Infrastruktur. Damit diente dieses Gebäude ausschließlich der Unterhaltung der Gäste.

Dieser spezielle Typus ist erstmals um 1720 in Aachen mit der Alten Redoute nachweisbar. Mit dem Bau des Promenadehauses und der anschließenden Kastanienallee wurden nach vielen Jahrzehnten des Niedergangs im Kurwesen seit dem 30-jährigen Krieg erstmals in Baden-Baden moderne Tendenzen der Kurarchitektur aufgegriffen.

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