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Vermeintliches Schreckensdatum

Kein Platz für Aberglaube: Baden-Badener fürchten sich nicht vor Freitag, den 13.

Es ist wieder so weit: Im August 2021 gibt es Freitag, den 13. – ein Unglückstag? Wie abergläubisch sind die Menschen in Baden-Baden? Die BNN haben bei der Pfarrerin, beim Friseur, im Restaurant und bei der Stadt nachgefragt.

Kater Carlo von Gastronomin Stephanie Franz stört sich überhaupt nicht an den Fantasien und Horrorszenarien des Volksmunds. Foto: Christiane Krause-Dimmock

Es ist schon ein Kreuz mit der 13. Mancher mag die Zahl nicht auf dem Kennzeichen haben, andere verschmähen sie als Haus- oder Zimmernummer. Der Volksglaube vermittelt, dass sich sogar Unglücke häufen würden, wenn ein Freitag auf den 13. eines Monats falle. Doch was ist dran, an der Geschichte? Glaube oder Aberglaube?

„Die Pfarrer, die uns konfirmierten, warnten uns schon vor 50 Jahren: Wo der Glaube durch die Haustür rausgeworfen wird, steigt der Aberglaube durch die Hintertür ein“, sagt die Pfarrerin der Evangelischen Stadtkirchengemeinde, Marlene Bender.

Bei der Frage, ob dieses Datum für sie eine Rolle spiele, muss sie schmunzeln. „Ob es übersinnliche Kräfte gibt, interessiert uns nicht, weil wir glauben, dass Christus Sieger ist über alle lebensfeindlichen Mächte. Um den Bann des Bösen zu brechen, starb er - an einem Freitag, der so für uns zum Tag des Heils wurde. Uns gibt dieser Glaube Halt und Vertrauen. Daher lassen wir uns nicht verunsichern oder ängstigen von abstrusen Schreckenstagen“, erläutert sie.

Von ihrem Ehemann Manfred, ebenfalls Pfarrer, bekommt sie Zuspruch. „Wir verweisen auf Reinhard Meys herrliches Lied ,Ankomme Freitag, den 13.’. Da ist alles gesagt zum Thema selbsterfüllende Prophezeiung.“

Im „Kleinen Prinzen“ gibt es keinen Tisch mit der Nummer 13

Tatsächlich scheint dieses Datum in der heutigen Zeit kaum mehr von Bedeutung zu sein. „Es ist mir noch nie aufgefallen, dass Gäste diesen Tag etwa meiden würden“, muss Stephanie Franz, Goldener Löwe Lichtental, kurz nachdenken. Doch einen Anhaltspunkt, dass Tag oder Zahl von besonderer Bedeutung sind, findet sie nicht.

Nein, winkt sie ab. „Wir haben an einem solchen Tag auch noch nie feststellen müssen, dass es vermehrt Unfälle in der Küche gab oder wir Porzellanschwund erleben mussten.“ Tatsächlich gebe es im Goldenen Löwen sogar einen Tisch mit der Nummer 13. „Der existiert allerdings nur im Kassensystem, sprich er ist nur für das Personal relevant.“ Die Gäste bemerken das gar nicht.

Auch privat hat Aberglaube keinen Platz in ihrem Leben. Familienkater Carlo hätte – wenn es nach ihr geht – durchaus auch schwarz sein dürfen. „Das würde für mich keinen Unterschied machen“, erinnert sie an das Sprichwort mit der schwarzen Katze von rechts, die auch ein Unglücksbote sein soll.

Im „Kleinen Prinzen“ hat man in Sachen Aberglaube und Schreckensdatum tatsächlich noch keine einschlägigen Erfahrungen gemacht. „Wir haben im Restaurant Tische mit den Nummer 1 bis 20, eine 13 gibt es allerdings nicht“, räumt Andreas Rademacher ein. „Das ist schon seit 1985 so.“

Witze beim Friseur in Baden-Baden über Freitag, den 13.

Was die Zimmer im darüberliegenden Hotel anbelangen, war in dieser Hinsicht nichts zu befürchten, da alle Nummern dreistellig sind. Sprich es wird jeweils die Höhe der Etage vorangestellt. Als er in seinen jungen Jahren in New York im Hilton gearbeitet habe, sei ihm dort übrigens auch aufgefallen, dass es dort kein Zimmer mit der Nummer 13 gab.

Obendrein habe er nie feststellen müssen, dass es zu einer Häufung von Unglücksfällen komme, wenn der 13. auf einen Freitag falle. Es ginge weder unverhältnismäßig viel Geschirr zu Bruch noch gebe es vermehrt Pannen in der Küche.

Ganz von der Hand zu weisen ist eine gewisse Abneigung gegen diese Zahl dennoch nicht. Im Neubaugebiet von Sandweier wurde etwa auf Antrag eines Häuslebauers aus seiner erworbenen Parzelle mit der Nummer 13 eine 11a gemacht. Bei genauerem Hinsehen finden sich solche Besonderheiten auch im Bestand innerhalb des Stadtgebiets.

Während man sich bei den Hausnummern also zuweilen mit einem entsprechenden Antrag aus der Affäre ziehen könnte, sieht es bei Terminen ganz anders aus. Etwa beim Friseur. Glückt denn an einem solchen Tag eine Dauerwelle überhaupt oder ist beim Rasieren da doch schon mal das ein oder andere Missgeschick zu verzeichnen? „Gar nicht“, meint Jürgen Öldorf lachend.

Manche Leute richten ihre Friseurtermine nach dem Mondkalender aus.
Jürgen Öldorf, Friseur

„Aber wir machen natürlich unsere Witze darüber.“ Dass Kunden diesen Tag bewusst ablehnen, das sei ihm soweit er sich erinnert noch nie vorgekommen. „Allerdings richten manche Leute ihre Friseurtermine nach dem Mondkalender aus.“

Baden-Badener Pressesprecher empfindet Freitag, den 13. als Glückstag

„Für uns spielt das gar keine Rolle“, muss auch Sibylle Hurst von der städtischen Pressestelle schmunzeln. In Vorlagen für Veranstaltungen oder Sitzungen könnte das Datum jedoch mit einem kleinen Hinweis Eingang finden. „Aber eher auf humorvolle Weise.“ Termine aufgrund dieses Datums verschieben? Nein, das sei nicht der Fall. „Für uns ist das ein Tag wie jeder andere auch.“

Pressesprecher Roland Seiter geht sogar noch einen Schritt weiter. „Für mich persönlich ist der Freitag, der 13. ein ausgesprochener Glückstag“, erzählt er aus seiner Schulzeit und von Klassenarbeiten, die bei dieser Datumskonstellation mehrfach besonders gut ausgefallen seien.

Fragt man übrigens „Doktor Google“ nach diesem besonderen Datum, erfährt man, dass es in erster Linie der deutsche Volksmund sei, der hier von Unglück spricht. Andere Religionen sehen darin gar eine göttliche und damit auch besonders glückbringende Zahl. Kater Carlo aus dem Goldenen Löwen ist das übrigens völlig schnurz. In der Welt der Katzen zählen andere Werte.

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