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Organisation unterstützt Frauen

Aktionstag an der Trinkhalle in Baden-Baden: Migrantinnen erhalten Hilfe im Alltag

Im Rahmen der interkulturellen Wochen möchten Frauen mit Migrationsgeschichte unsere Gesellschaft mitgestalten. Gemeinsam mit einem Frauenverband organisierten sie einen Aktionstag in der Baden-Badener Innenstadt.

Im Austausch: Der Frauenverband IN VIA unterstützt Frauen und Mädchen mit Migrationsgeschichte bei der Bewältigung ihres Alltags, bei der Jobsuche und beim Aufbau von Sprach- und Kulturkenntnissen. Foto: Martina Kempka

Mit einem bundesweiten Aktionstag beteiligt sich der katholische Frauenverband In Via der Diözese Freiburg an den interkulturellen Wochen in Baden-Baden. Dafür wurden am Mittwochmittag am Wandelgang der Trinkhalle Informationsstände aufgebaut.

Besucher konnten sich dort nicht nur informieren, sondern sich bei Gesellschaftsspielen miteinander austauschen. Drei Frauen mit einer Migrationsgeschichte, die mit der Organisation zusammen arbeiten, waren auch anwesend.

Sie alle kamen als Geflüchtete nach Deutschland. Bei ihrer Ankunft kannten sie weder die deutsche Sprache noch die hiesige Kultur. Doch in ihrem Heimatland zu bleiben, war für die Frauen keine Option.

Frauen unterstützen sich gegenseitig im Alltag

Bei In Via finden sie nun einen Ort, an dem sie sich vernetzen können. Sie bestärken sich gegenseitig darin, ihren Platz in der Gesellschaft selbstbewusster einzunehmen.

„Ich bin hier sehr zufrieden“, sagt Florence Temgoua. Vor vier Jahren flüchtete sie aus Kamerun. Mittlerweile hat sie mit ihrem Partner zwei Kleinkinder und lebt in Baden-Baden. „Bei In Via habe ich Deutsch gelernt. Jetzt suche ich eine Ausbildung“, sagt sie.

Vor kurzem hatte Temgoua ein Bewerbungsgespräch. Leider bekam sie die Stelle nicht. „Ich habe zwei kleine Kinder. Die Arbeit beginnt aber um 6 Uhr. Das schaffe ich nicht.“ Die junge Mutter hat in ihrem Heimatland zehn Jahre lang als Polizistin gearbeitet. Doch in diesem Beruf sieht sie sich heute nicht mehr: „Mein Traum ist es, im Krankenhaus zu arbeiten. Oder in der Altenpflege. Ich mag das.“

„Wir bieten zwei unterschiedliche Projekte an, mit denen wir Frauen, insbesondere Migrantinnen, im Alltag helfen“, sagt Petra Hähnel, Regionalleiterin des Frauenverbands. Bei „Frauen in Arbeit“ (FiA) werden Frauen wie Temgoua bei der Ausbildungsplatzsuche unterstützt. Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanziert.

Projekt für Migrantinnen

„Wir erklären ihnen den deutschen Arbeitsmarkt und schauen gemeinsam, was sie überhaupt leisten können. Die Sprachbarriere ist oft eine große Hürde für die Frauen“, sagt Hähnel, „viele brauchen aber auch Hilfe bei der Betreuung ihrer Kinder.“

Neben der Jobsuche und Bewerbungstrainings werden sie beraten, welche Berufe für sie überhaupt in Frage kommen.

Während FiA auch Deutsche berät, wendet sich das „Dounia Plus“-Projekt ausschließlich an Frauen mit Migrationshintergrund. „Als 2015 die erste Fluchtwelle ausbrach, wollten wir den geflüchteten Frauen unbedingt helfen“, sagt Hähnel, „unterstützt werden wir durch die Erzdiözese Freiburg.“

Auch Sozialarbeiterin Annette Lange hilft seit diesem Sommer als freie Mitarbeiterin bei In Via aus. In regelmäßigen Abständen trifft sie sich mit den Frauen in Kleingruppen und besucht sie in ihren Unterkünften.

„Wir haben zwei Frauengruppen mit jeweils sieben Teilnehmerinnen“, sagt sie, „und eine Mädchengruppe mit zwei bis vier Teilnehmerinnen.“ Es wird gemeinsam gespielt, gebastelt und gesungen. „Die Sprache steht bei uns im Mittelpunkt. Wir möchten, dass sich die Frauen und Mädchen spielerisch und humorvoll damit vertraut machen.“

Beruf neben Großfamilie kaum zu bewältigen

Die Syrierinnen Aisha Mustafa und Aziza Asami sind genau so wie Temgoua vor vier Jahren nach Deutschland gekommen. „Hier habe ich mein Talent für Kunst entdeckt. Ich nähe und male. Leider habe ich aber nicht so viel Zeit dafür“, sagt die Mutter von vier Kindern.

Ihr Mann flüchtete aus Damaskus, später kam sie mit ihren Kindern nach. Heute wohnt die Familie in einer Dreizimmerwohnung in Steinbach. „Wir suchen eine neue Wohnung, aber man findet nichts“, sagt sie.

Die drei Frauen tauschen sich am Tisch untereinander aus. „Ja, die Wohnungssuche ist schwierig“, gibt auch Temgoua zu. Die in Bühl wohnhafte Mustafa sucht ebenfalls eine größere Unterkunft. Gemeinsam mit ihren sechs Kindern flüchtete die 37-Jährige zunächst in die Türkei und später nach Deutschland.

Arbeiten kann Mustafa nicht, denn sie kümmert sich alleine um den Haushalt und ihre Kinder. Sie und ihr Mann leben getrennt. „Aber ich will arbeiten“, sagt sie. In welchem Bereich, wisse sie allerdings noch nicht. „Ich muss erst noch Deutsch lernen.“

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