Skip to main content

Sommerfestspiele

Anna Netrebko gibt fulminanten Liederabend in Baden-Baden

Anna Netrebko schenkt ihrem Publikum zum Abschluss der Sommerfestspiele zwei musikalische Sternstunden. Und das im wahrsten Wortsinn. „Day and Night – Tag und Nacht“ lautet der Titel ihre Liederabends im Festspielhaus Baden-Baden. Der Abend ist zugleich der letzte der Ära Andreas Mölich-Zebhauser.

Das Programmheft zum Liederabend mit Anna Netrebko in Baden-Baden. Foto: Isabel Steppeler

Viel Futter für Augen und Ohren: Anna Netrebko schenkt ihrem Publikum zum Abschluss der Sommerfestspiele zwei musikalische Sternstunden. Und das im wahrsten Wortsinn. „Day and Night – Tag und Nacht“ lautet der Titel ihres Liederabends im Festspielhaus Baden-Baden.

Der Abend ist zugleich der letzte der Ära Andreas Mölich-Zebhauser. Der Intendant verabschiedet sich mit 67 Jahren in den Ruhestand. Und Mölich-Zebhauser hatte am Abend zuvor schon ein erstes großes Abschiedsfest mit großer Überraschung .

Mit Anna Netrebko tritt die berühmteste Opernsängerin der Gegenwart zum krönenden Abschluss seiner Amtszeit auf. Das zeugt vom glänzenden Ruf dieses Opernhauses, in dem die renommiertesten Künstler und Orchester ein und ausgehen . Doch war es diesmal keine üppige Oper, mit der die Netrebko ihr Publikum betörte.

Nein, Anna Netrebko – der momentan funkelndste Star der Opernszene – strahlt zum Ende der Saison nicht als Operndiva. Sie kommt mit zartem Garn im Gepäck. Und strahlt damit ebenso.

Anna Netrebko sang vor 350 Freundeskreismitgliedern zur Überraschung aller und insbesondere des scheidenden Intendanten Andreas Mölich-Zebhauser die Arie der Musetta aus Puccinis „La Bohéme“. Foto: Festspielhaus Baden-Baden/Bode

Nur eine Stimme und ein Klavier: Kunstlieder, die erfahrungsgemäß kein Massenpublikum locken, bietet die russische Sopranistin mit dem unvergleichbar dunklen, süffigen Timbre. Sie beweist damit nicht nur höchste Musikalität und Affinität zur puren Musik. Sie betört damit dann doch wieder die Massen.

Das Festspielhaus, in dem 2500 Gäste Platz finden, ist ausverkauft bis hin zum allerletzten Stehplatz. Die Tiefgarage darunter mit ihren 530 Stellplätzen war schon eine halbe Stunde vor Konzert-Beginn dicht. Einen musikalisch so intimen Abend mit der Netrebko – das will sich kein Fan entgehen lassen.

Von Anna Netrebko gibt es noch ein Küsschen

Kein Orchester also, keine Szene, kein opulentes Beiwerk tragen diesen Abend, sondern purer und erlesener Gesang. Auf der Bühne gibt es nur einen Flügel und ein festliches Blumenbouquet, den Pianisten und die Diva. Die singt mit romantischen Liedern von Rachmaninow, Tschaikowsky  bis hin zu Strauss das Kopfkino nur so herbei. Mal im Duett mit der noch dunkleren Stimme von Elena Maximova, mal zu den Geigenklängen von Giovanni Andrea Zanon.

Netrebko schreitet mit pointierten Gesten die Bühne ab, fingert sinnlich durch das Bouquet oder dem Pianisten Malcom Martineau von hinten an die Schultern. Und weil ihn das kein bisschen von seinem großartigen Spiel ablenkt, gibt es für ihn nach den Liedzeilen „eine Rose ist ihr Mund“ noch ein imaginäres Küsschen.

Netrebko ist ganz in ihrem Element. Und sie enttäuscht auch nicht mit ihrem Outfit: Im rosafarbenen Blütenkleid singt sie vor der Pause die Lieder vom Flieder, der Lerche und dem beginnenden Tag. Im glamourösen schwarzen Abendkleid mit funkelnden silbernen Sternen darauf wickelt sie ihr Publikum dann zu den melancholischen Liedern der Nacht um ihre Finger.

Derart glitzernd besingt sie zuerst einen Helium-Ballon in Stern-Form, den sie schließlich bedeutungsvoll in die Lüfte steigen lässt.

Was für ein Abschied!

„Wo die zarte Myrte und die dunkle Zypresse schlummern“ heißt es irgendwann aus der Feder des Komponisten Nikolai Rimsky Korsakow – und Netrebkos betörende Stimme kann zu den zarten Klängen nur des Klaviers frei funkeln. Ihre Stimme ist nackt. Und so schön wie Sonne und Mond zusammen.

Nach 23 Liedern endet das offizielle Programm. Als Netrebko in ihrer zweiten Zugabe Puccinis „O mio babbino caro“ anstimmt, geht ein kollektives Seufzen durch die Ränge. Was für ein Abschied!

nach oben Zurück zum Seitenanfang