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100.000 Übernachtungen zu wenig

Corona-Krise trifft Baden-Baden als Touristenstadt besonders hart

Der vergangene Sommer war für die Beherbergungsbetriebe und den Tourismus in Baden-Baden eigentlich gar nicht so schlecht. Dennoch hat die Corona-Pandemie die Baden-Badener Gästebilanz – wie erwartet – kräftig verhagelt.

Kurhaus Baden-Baden in Festbeleuchtung Foto: Bernd Kamleitner

Die Übernachtungszahlen gingen 2020 gegenüber dem Rekordjahr 2019 um 50,9 Prozent zurück, die Zahl der Gästeankünfte sogar um 60,3 Prozent. Licht am Ende des (Corona-)Tunnels ist nicht in Sicht.

Tourismus-Chefin Nora Waggershauser tut sich daher verständlicherweise schwer, in die Glaskugel zu schauen. Während Tourismusexperten eine Erholung in in Deutschland frühestens Ende des Jahres 2024 erwarten, hofft Waggershauser, dass in Baden-Baden vielleicht schon ein Jahr früher, also im Laufe von 2023, an die guten Zeiten wieder angeknüpft werden kann.

Skeptiker aus der Branche setzen dafür dagegen einen deutlich längeren Zeitraum von fünf bis sieben Jahren an.

Hotels und Restaurants hoffen auf Ostergeschäft

Derzeit ist nicht einmal absehbar, ob Baden-Baden an Ostern wieder Gäste empfangen darf. Eigentlich hatten das die Touristiker an der Oos auf dem Schirm. Wie lange Hotels, Restaurants und andere von den Gästen abhängigen Branchen unter diesen Bedingungen in Baden-Baden noch durchhalten, vermag sie nicht zu sagen. „Die Sorgen werden größer, je länger es dauert“, gibt Waggershauser zu bedenken.

Dennoch will sie nicht in Pessimismus versinken: „Wir bleiben positiv!“ Dass das nicht immer so leicht fällt, liegt auf der Hand. „Wir werden uns in Geduld üben müssen“, räumt die Tourismus-Chefin ein.

Die nackten Zahlen sind ernüchternd. Den 1,147 Millionen Übernachtungen im Rekordjahr 2019 standen im Vorjahr gerade noch 563.013 gegenüber. Die Zahl der ankommenden Gäste sank von 500.235 auf 198.695 (minus 60,3 Prozent). „Solch einen massiven Rückgang haben wir seit der Einführung der statistischen Aufzeichnungen noch nie gehabt“, verdeutlicht Waggershauser das Desaster.

Plus im Januar und Februar

Dabei hatte das Jahr 2020 aus touristischer Sicht für Baden-Baden vielversprechend begonnen. Im Januar und Februar des vergangenen Jahres waren die Übernachtungszahlen gegenüber den beiden Vorjahresmonaten um rund zwölf Prozent gestiegen. Ein neuer Übernachtungsrekord schien sich anzubahnen.

Dann kam im März Corona und der harte Schnitt. „Stornierungen gingen gewissermaßen im Minutentakt ein“, erinnert sich die Tourismus-Chefin. Veranstaltungen wie die Festspiele, das Oldtimer-Meeting, das New-Popfestival und der Christkindelsmarkt mussten ausfallen.

Pop im Festspielhaus Baden-Baden , beim New Pop Festival 2019 Foto: Bernd Kamleitner

Tiefpunkt im April

Der Tiefpunkt war im April mit gerade noch 11.002 Übernachtungen erreicht, ein Minus im Vergleich zum April 2019 von 87,6 Prozent. Die Zahl der Gästeankünfte ging um sage und schreibe 96,8 Prozent zurück – also fast auf null. Erlaubt waren Übernachtungen nur noch in Kliniken und jene von Geschäftsreisenden mit triftigem Grund.

Mit den Lockerungen im Sommer wurde es zwar wieder besser, aber im November und Dezember sind die Zahlen mit dem zweiten Lockdown erneut eingebrochen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Im Dezember wurden gerade 18.097 Übernachtungen registriert. Zum Vergleich: Im Dezember 2019 waren es rund 100.000 mehr: 119.044! „Das ist ein herber Schlag“, bilanziert Waggershauser.

Open-air auf dem Merkur, Baden-Baden 2019, mit Holiday Blues Band Foto: Bernd Kamleitner

Deutsche Gäste sorgten für Lichtblick

Weil der Tourismus weltweit nahezu zum Erliegen gekommen ist, schlägt das auch in Baden-Baden voll durch. Die Zahl der ausländischen Gäste ging im vergangenen Jahr um 75,3 Prozent zurück, die Zahl ihrer Übernachtungen bewegt sich auf ähnlichem Niveau: 75,9 Prozent. Massiv waren die Rückgänge der Gästeankünfte aus den wichtigsten Auslandsmärkten wie den Arabischen Golfstaaten (minus 98,5 Prozent), Russland (minus 83,2 Prozent), den USA (minus 91,1 Prozent), Frankreich (minus 66,5 Prozent) oder der Schweiz (minus 68,4 Prozent).

Für einen kleinen Lichtblick sorgten deutsche Gäste im August: Ihr Anteil an den Übernachtungen stieg gegenüber dem Vorjahresmonat sogar um 2,3 Prozent. Insgesamt steuerten die Gäste aus dem Inland knapp 463.000 Übernachtungen bei. Das entspricht einem Rückgang von 36,9 Prozent gegenüber dem Jahr 2019.

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