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Bürgerinitiative sammelt weiter Unterschriften

Autofahrer missachten Durchfahrtsverbot auf der Fieser-Brücke in Baden-Baden - ohne Folgen

Von wegen autofrei: Auch in der Zeit von 11 bis 19 Uhr, wenn die Fieser-Brücke im Herzen von Baden-Baden für den Verkehr gesperrt ist, rollen immer wieder Fahrzeuge über das sanierte Brückenbauwerk. Für die Sünder (noch) ohne Folgen.

Ein Auto fährt verbotenerweise über die Fieser-Brücke in Baden-Baden. Für den Sünder blieb es in diesem Fall ohne Folgen. Es waren keine Kontrolleure in Sichtweite. Foto: Bernd Kamleitner

Wo kein bauliches Hindernis die Durchfahrt versperrt, sucht sich der Verkehr seinen Weg wie das Wasser. Das trifft auch auf die am vergangenen Dienstag in Baden-Baden wiedereröffnete Fieser-Brücke zu.

Trotz eines zeitweisen Verbots für Motorräder und Autos rollen in diesem Zeitfenster immer wieder Fahrzeuge über die mit Millionenaufwand sanierte Brücke im Herzen der Bäderstadt. Das ergab eine Stichprobe dieser Zeitung.

Innerhalb weniger Minuten verstoßen drei Verkehrssünder gegen die Vorgabe, die ein eigentlich kaum zu übersehendes rot-weißes Verbotsschild signalisiert. Zunächst kommt eine schwarze Limousine mit den vier Ringen am Kühlergrill aus Richtung Kreuzstraße über die Brücke gefahren. Weil Richtung Kaiserallee die Poller oben sind und eine Weiterfahrt verhindern, wendet der Fahrer – und fährt über die Fieser-Brücke zurück.

Passanten auf der Fieser-Brücke reagieren verblüfft

Kurze Zeit später rollt ein weißer Golf über die Brücke in Richtung Kreuzstraße und hinterlässt verblüffte Passanten, die wohl davon ausgehen, dass das mit Millionenaufwand sanierte Bauwerk in der Zeit zwischen 11 und 19 Uhr den Fußgängern vorbehalten ist. Es ist noch über eine Stunde vor 19 Uhr.

Auch ein Motorrad mit einem Sozius scheint das Verbot nicht zu kümmern. Von der Kaiserallee biegt der Lenker mit seinem Gefährt auf die Brücke. Folgen hat die Missachtung keine.

Sich sicher sein, nicht erwischt zu werden, das kann aber kein Verkehrssünder. Polizei und der Gemeindevollzugsdienst können aber nicht nur an diesem Ort patrouillieren, heißt es aus der städtischen Pressestelle.

Seit Freitag grenzen Blumenkübel auf der Brücke zumindest den Bereich der Fahrbahn ein, die von 19 bis 11 Uhr genutzt werden darf. Somit steht dem Fahrzeugverkehr nicht mehr die gesamte Brückenbreite von 37 Meter zur Verfügung.

Bürgerinitiative strebt Bürgerentscheid an

Wenn es nach einer Bürgerinitiative geht, dann soll die Fieser-Brücke künftig nicht nur von 11 bis 19 Uhr, sondern komplett für den Verkehr gesperrt werden. Dieses Ziel wird mit einem Bürgerbegehren angestrebt. Auch an diesem Samstag werden auf Wochenmärkten in der Stadt dafür Unterschriften gesammelt.

Ein Motorrad fährt verbotenerweise auf die Fieser-Brücke in Baden-Baden. Der Übergang über die Oos ist in der Zeit von 11 bis 19 Uhr Fußgängerzone und damit für den Verkehr gesperrt. Foto: Bernd Kamleitner

Von den erforderlichen rund 3.100 Signaturen hat die Initiative schon rund 2.900 gesammelt. An die 2.000 Unterschriften wurden in dieser Woche dem Dezernat III der Stadtverwaltung unter Bürgermeister Roland Kaiser (Grüne) zur Überprüfung vorgelegt.

Die Initiative geht nach Angaben von Jörg Grütz davon aus, in der kommenden Woche die erforderliche Unterschriftenzahl erreicht zu haben. Sie will aber weiter sammeln – bis zum 24. Juli.

Debatte schlägt in der Kommunalpolitik weiter Wellen

Nachdem am vergangenen Montag im Gemeinderat der Bäderstadt parallel zum Vorgehen der Bürgerinitiative ein Vorschlag von Oberbürgermeisterin Margret Mergen (CDU) für einen Bürgerentscheid deutlich an der geforderten Zwei-Drittel-Mehrheit scheiterte, schlägt die Debatte in der Kommunalpolitik noch immer Wellen.

Äußerungen von Grünen-Fraktionschefin Sabine Iding-Dihlmann, wonach der Gemeinderat im April in Sachen Fieser-Brücke einem Antrag der CDU gefolgt sei, lassen die Christdemokraten nicht unwidersprochen: Es habe sich um einen interfraktionellen Antrag von CDU, FBB, Freien Wähler und FDP gehandelt. Das könne in der Gemeinderatsdrucksache zur Sitzung am 26. April nachgelesen werden.

Das Thema Fieser-Brücke beschäftigt zwischenzeitlich auch die Grüne Jugend und die Jusos der Kreisverbände Rastatt/Baden-Baden. Die stehen hinter der Forderung der Bürgerinitiative, die die Kreuzstraße samt Fieser-Brücke und die Kaiserallee zwischen der Brücke und den Kurhaus-Kolonnaden als Fußgängerzone haben möchte.

Grüne Jugend und Jusos fordern Vorbildfunktion von Baden-Baden

„Baden-Baden würde damit eine Vorbildfunktion einnehmen für weitere Projekte in Richtung der Vision von autofreien Innenstädten“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Grüne Jugend und Jusos.

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