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„Ohne uns ist es still“

Baden-Badener aus der Event- und Freizeitbranche fordern mit einer Fotoaktion Aufmerksamkeit

Es ist still in der Tourismusstadt Baden-Baden. Es gibt keine Feste, keine Gruppentreffen und keine gemeinsamen Ausflüge. Doch die Event- und Freizeitbranche der Stadt will nicht vergessen werden. Mit der Aktion „Ohne uns ist es still“, fordern Baden-Badener Unternehmer Aufmerksamkeit.

Aufmerksamkeit und Austausch: Diese Baden-Badener stehen für viele andere, die in der Krise Probleme haben. Foto: Jelena Lukic

Rund 30 Segways stehen seit dem Lockdown im November unbewegt in einem Lager von Jürgen Reiss. Fahrten dürfte er, ähnlich wie die Skilifte, nur für einen Haushalt mit einer weiteren Person anbieten. „Das ist aber einfach nicht rentabel“, meint der Einzelunternehmer. Deswegen ist er zum Nichtstun verbannt.

Auch seine zwei weiteren Standbeine, ein Reisebüro und ein Angebot für Outdoor-Events, laufen schlecht bis gar nicht. Seine Lage ist prekär: „Mein Steuerberater hat mir grade erklärt, dass ich als Einzelunternehmer nur für eines der drei Angebote finanzielle Hilfe beantragen kann.“ Reiss sagt weiter: „Ich weiß, viele wollen es nicht mehr hören, aber es geht um die Existenz der Event- und Freizeitbranche.“

Besonders ärgerlich für ihn: „Meine E-Fahrzeuge stehen still und in den Wäldern sind die Leute mit ihren E-Bikes unterwegs.“ Im zweiten Lockdown habe die Regierung seine Branche sogar explizit in die Verordnung mit aufgenommen. Das Schlimmste sei jedoch die Ungewissheit. „Wir wagen Werbung im vagen Rahmen, aber wissen nicht, was davon übrig bleibt“, sagt der Unternehmer.

Um auf seine Situation aufmerksam zu machen, hat sich Jürgen Reiss der Aktion „Ohne uns ist es still“ angeschlossen. Dafür lassen Baden-Badener Unternehmer der Event- und Freizeitbranche Schwarz-Weiß-Fotos von sich schießen, die sie anschließend mit dem Spruch „Ohne uns ist es still“ in den sozialen Netzwerken teilen.

Denn die aktuelle Situation betrifft jeden, aber jeden anders.
Jürgen Reis, Unternehmer

Der Gruppe geht es aber nicht nur um Aufmerksamkeit, sondern auch um den Austausch miteinander. Das sei in Zeiten, in denen der soziale Kontakt ohnehin fehlt, sehr wichtig, meint Reiss. Er ergänzt: „Denn die aktuelle Situation betrifft jeden, aber jeden anders.“

Es hagelte Stornierungen

Initiatorin der Baden-Badener Gruppe ist Jelena Lukic, die einen Hussenverleih hat. Vor der Pandemie hat sie Stuhl-, Bierbank- und Stehtischhussen für Feiern vermietet. Ohne Veranstaltung ist sie seit März 2020 direkt von den Folgen der Pandemie betroffen. „Es hat Absagen gehagelt, das war ein Albtraum“, erinnert sich Lukic.

Getroffen vom Lockdown: Jelena Lukic verleiht eigentlich Stuhlhussen, ohne Veranstaltungen werden keine gebraucht. Foto: Jelena Lukic

Von einem auf den anderen Tage habe sie sich überlegen müssen, was sie mit ihrem Team macht. „Wir haben eine Werkstatt und dann im April sowie Mai Mundmasken genäht“, sagt die Baden-Badenerin. Mittlerweile habe sie ihre Angestellten aber alle in Kurzarbeit schicken müssen. Die Stoffmasken werden nicht mehr benötigt.

Der Lockdown trifft uns als Tourismusstadt sehr.
Jelena Lukic, Initiatorin

Im Herbst 2020 kam ihr dann die Idee, die Aktion „Ohne uns ist es still“ in Baden-Baden umzusetzen. Ähnliche Aktionen und Hilfeschreie der Kulturbranche gibt es in ganz Deutschland. Lukic betont aber auch die besondere Gefährdung der Bäderstadt: „Der Lockdown trifft uns als Tourismusstadt sehr.

Dreifach getroffen: Jürgen Reiss hat drei Unternehmen, in denen wegen Corona Stillstand herrscht. Foto: Jelena Lukic

Viele leben davon und ich sehe immer mehr Dienstleister, die keinen Ausweg mehr wissen.“ Um zu zeigen, wie wichtig die Arbeiter „im Hintergrund“ der Event- und Freizeitbranche sind, hat sie bei sich ein kleines Fotostudio eingerichtet. Bisher haben sich neun Unternehmer aus Baden-Baden fotografieren lassen.

Neben Reiss und Lukic sind Männer und Frauen aus der Gastronomie, der Veranstaltungstechnik und auch ein Ballettstudio dabei. „Und wir werden immer mehr“, meint Lukic. Jeder Betroffene könne sich einfach bei ihr melden und wird in die Fotocollage aufgenommen. Damit will die Gruppe zeigen, wie viele sie sind.

Positives Feedback auf den Sozialen Medien

Bisher habe die Gruppe überwiegend positive Reaktion auf ihre Posts im Netz bekommen. Unter die Collage schreibt ein Instagram-Nutzer beispielsweise: „Wir vermissen euch auch.“ Lukic ist überzeugt, jeder habe das Gefühl, dass ohne sie etwas fehlt. „Wenn wir unsere Emotionen nicht ausleben dürfen, dann macht das was mit uns“, sagt sie.

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