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Lesen im Lockdown

Baden-Badener Bücherexperten geben Lesetipps

Der Lockdown-November eignet sich perfekt für ein gutes Buch. Welche Büchertrends Sie nicht verpassen sollten.

Buchtipp: Tanja Eger von der Buchhandlung Mäx & Moritz in Baden-Baden empfiehlt die Lektüre „Sankt Irgendwas“ für Jugendliche. Foto: Sidney-Marie Schiefer

In der Kinder-Abteilung der Stadtbibliothek Baden-Baden ist es erstaunlich ruhig. Obwohl die Lesetreppe wieder geöffnet ist und Platz zum Stöbern bietet, hält sich kaum ein Besucher länger als nötig im Gebäude auf. Das heiße aber nicht, dass weniger gelesen werde, betonen die Verantwortlichen der Stadtbibliothek.

„Früher kamen vierköpfige Familien und haben sich länger aufgehalten, heute kommt nur die Mutter und sucht in 15 Minuten Lesestoff für die ganze Familie aus“, sagt Ilka Hamer. Sie betreut den Kinderbereich der Stadtbibliothek und hat beobachtet, dass in der Corona-Zeit besonders viel auf einmal ausgeliehen wird. „Die Familien wollen eine Auswahl zu Hause haben“, erläutert Hamer.

Hits bei Kindern

Ausleihrenner seien bei Kindern vor allem „Die drei Ausrufezeichen“, eine Detektiv-Buchserie, in der drei Mädchen die Hauptrolle spielen, aber auch die Harry-Potter-Bände seien stets gefragt, sagt Hamer. Beim Blick in die Datenbank ist ihr noch eine Besonderheit dieses Jahres aufgefallen: „Es wurden besonders viele Bücher zum Thema Wald ausgeliehen.“

Etwas in Reimen, da fühlen sich die Kinder besonders geborgen.
Tanja Eger, Mäx & Moritz

Sie vermutet, dass die Familien wegen der Ausgangsbeschränkungen mehr in der Natur unterwegs sind. Neben Sachbüchern zum Thema Wald empfiehlt sie die Geschichte „Wilder, wilder Wald“ von Margit Auer. Das Buch gehört zur Reihe „Die Schule der magischen Tiere“, Protagonisten der Reihe sind Schüler, die mit Tieren sprechen können, die Bücher eignen sich für Kinder ab sechs Jahren.

Reiseführer und Lektüre zu Krankheiten gefragt

Auch die Erwachsenen haben in diesem Jahr besonderes Interesse an der Umwelt. „Wir kommen gar nicht hinterher, neue Schwarzwald-Bücher zu kaufen“, sagt Sylvia Meermann. Die stellvertretende Leiterin betont, dass unter anderem Reiseführer für die nahe Umgebung gefragt seien. Abgesehen davon seien bei den erwachsenen Lesern zwei Lager erkennbar.

Bei der einen Gruppe seien vor allem Krimis und Romane begehrt. Meermann vermutet: „Um in der aktuellen Zeit, etwas abschalten zu können.“ Die andere Gruppe sei wegen des Coronavirus besonders interessiert an Büchern zur Spanischen Grippe und der Pest.

Für Familien, die gemeinsam der Hektik entkommen möchten, empfehlen die Experten das Vorlesen. „Das verbindet über jedes Alter hinaus und die Kinder können später mit ihren Eltern darüber reden“, meint Hamer.

Für Kinder ab fünf Jahren empfiehlt sie „Edda aus dem Moospfad 1“, weil das Buch eine ganz normale Alltagsgeschichte erzählt. „Oft braucht es nicht mehr“, erklärt Hamer. Auch Tanja Eger aus der Familienbuchhandlung Mäx & Moritz betont, dass Eltern nicht zu früh anfangen können, ihren Kindern vorzulesen. Für die ganz Kleinen empfiehlt sie: „Etwas in Reimen, da fühlen sich die Kinder besonders geborgen.“

Was Jugendliche lesen

Bei den Jugendlichen, die den Laden besuchen, stehen vor allem Fantasy-Reihen hoch im Kurs. Neben Harry Potter nennt die Expertin die „Woodwalker“.

Das sind Wesen, die sowohl eine menschliche als auch eine tierische Gestalt annehmen können. Ihr oberstes Gebot ist es, ihre Existenz geheimzuhalten. Besonders während des ersten Lockdowns seien Reihen inhaliert worden, erinnert sich Eger. „Serien sind besonders beliebt, weil sie die Kinder und Jugendlichen dort zu Hause fühlen, sie kennen die Protagonisten schon“, meint die Verkäuferin.

Für Kinder: Familien leihen sich in der Stadtbibliothek Baden-Baden besonders oft das Spiel „Just One“ aus. Foto: Sidney-Marie Schiefer

Abgesehen von Fantasy empfiehlt sie für Jugendliche das Buch „Sankt Irgendwas“, eine Geschichte über eine Klassenfahrt, die aus den Fugen gerät. Diese Lektüre ist ihrer Meinung sogar für die Schule geeignet, weil sie Probleme anspricht, die jedem begegnen können.

So können sich Kinder allein beschäftigen

Für Eltern, die wegen der aktuellen Corona-Situation im Homeoffice arbeiten und ihre Kinder beschäftigen müssen, haben die Experten noch ein paar Tipps an der Hand. Tanja Eger empfiehlt Rätsel-Geschichten und Blöcke und Ilka Hamer weiß, TipToi-Bücher können Kinder gut alleine nutzen. Diese Art von Büchern funktionieren mit einem elektronischen Stift, der Audiodateien abspielt, wenn die Kinder ihn auf ein Bild halten.

Service

Auf telefonische Nachfrage stellt die Stadtbibliothek Lesekisten bereit, die für drei Euro geliefert werden können. Interessierte können einfach ihre Lesevorlieben nennen und erhalten eine Auswahl an Büchern. Mehr Infos unter: https://www.baden-baden.de/stadtbibliothek/

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