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Aktion „144 Stunden“

Baden-Badener Entertainer Marc Marshall setzt Projekt gegen Rassismus in den Sozialen Medien fort

Mit einer digitalen, kulturellen Mahnwache setzte der Baden-Badener Sänger Marc Marshall ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Diskriminierung. Jetzt macht er weiter über die Sozialen Medien. Durch seine Aktion konnte er selbst viel dazulernen, erklärt er im Interview.

Der Baden-Badener Sänger Marc Marshall will nach seiner Erfahrung mit der Aktion „144 Stunden“ weitermachen. Diesmal über die Sozialen Medien. Foto: Paul Schirnhofer

Der Baden-Badener Entertainer Marc Marshall hielt vom 15. bis 21. März eine digitale, kulturelle Mahnwache für Love, Peace & Respect per Live-Stream ab.

Dank über 90 Gesprächspartnern haben er und sein gleichgesinntes Team 144 Stunden mit Leben erfüllt, dabei spielte natürlich auch die Musik eine große Rolle. Ziel war es darauf aufmerksam zu machen, wie Menschen täglich miteinander umgehen und was sich dabei ändern muss. Die Aktion fand im Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus statt.

Nun geht die kulturelle Mahnwache weiter, nur in einem anderen Format - auf Instagram und Facebook.

Unsere Mitarbeiterin Beatrix Ottmüller hat mit Marc Marshall über die Beweggründe gesprochen.

Was hat Sie zur Fortsetzung bewogen?
Marc Marshall

Die 144 Stunden stehen symbolisch für meine Überzeugung, auf Missstände und Ungerechtigkeiten hinzuweisen. Durch mein Engagement als Botschafter vieler gemeinnütziger und karitativer Institutionen, wie Kinderlachen, Lebenshilfe BBA, Kinderhospiz Sterntaler und NPH-Kinderhilfe Lateinamerika, bin ich mit den Jahren sensibilisierter und immer aufmerksamer geworden. Meine Mahnwache war ein weiterer Ansatz, für Liebe, Frieden, Respekt, Familie und Freundschaft einzustehen. Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Ausgrenzung und Diskriminierung jeglicher Art verurteile ich - mit Hilfe von Gleichgesinnten, starken Stimmen, möchte ich ohne Unterlass Impulse setzen und zum Nachdenken anregen. Aufstehen, Haltung und Gesicht zeigen. Einige Statements haben wir bereits mit Ende des 24/7 Livestreams auf Instagram @144 Stunden und der Facebook-Seite 144 Stunden veröffentlicht.

Wie waren Ihre Erfahrungen in den 144 Stunden?
Marc Marshall

Es ist sehr bewegend, wenn sich über 90 Persönlichkeiten für meine doch recht spontan geborene Idee begeistern und sich im Gespräch mit mir öffentlich zu diesen nicht ganz einfachen Themen äußern. Ich durfte sehr viel lernen und habe vor allem das gemacht, was ich als Fundament für eine Besserung und Selbstreflexion ansehe: Ich habe zugehört. Denn nur so kann man verstehen. Und die Kommunikation muss auf beiden Seiten stattfinden. Ich rufe auch allen zu, die meinen, sie könnten allein nichts tun: Steht auf, sagt Eure Meinung, sucht das Gespräch. Egal wie lange und mit wem. Ein Augenblick, eine Begegnung, eine helfende Hand. Wenn ich das kann, können das noch viel mehr Menschen. Meine Erfahrung der zurückliegenden Wochen hat gezeigt, dass wir Antirassisten in der Mehrzahl, aber die Rassisten lauter sind. WIR müssen lauter sein, indem wir uns vor alle stellen, die allein aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert werden oder weil sie einfach nur „anders“ sind als man selbst. Aufeinander zugehen gehört dazu. Durch 144 Stunden habe ich auch beeindruckend erleben dürfen, wie groß die Bereitschaft ist, sich füreinander zu öffnen, wenn Vertrauen wächst.

Ich werde es nie als „normal“ hinnehmen, dass sich Menschen über andere stellen, sie „entwerten“ wollen, um daraus einen gesteigerten Selbstwert, Befriedigung oder Profit zu ziehen. Dass diese Denkmuster in Teilen der Gesellschaft noch immer Bestand haben, überrascht und beschämt mich.

Was kann und muss sich ändern in Sachen Rassismus, Sexismus, Diskriminierung?
Marc Marshall

Indem wir nicht müde werden, Menschen zu überzeugen. Indem wir miteinander reden und den Dialog suchen. Indem Ängste und Vorurteile ausgeräumt werden. Begegnungen sind der Beginn einer Lösung. Wer beginnt zu verstehen, kann das auch weitergeben. Wir lernen, unsere Haltung in Taten umzusetzen, weil andere etwas in sich gespürt haben und diese Erlebnisse in persönlichen Begegnungen mit uns teilen. Wir möchten mit Menschen reden. Es ist nicht damit getan zu urteilen und zu werten, es muss ein Miteinander sein. Ich glaube, das ist das Entscheidende, dass man überhaupt an Menschen rankommt, indem man Ihnen zuhört. Und dass man nicht aufhört, Angebote für eine dauerhafte Öffnung und Veränderung zu machen.

Wie kommen Sie an die vielen Gesprächspartner?
Marc Marshall

Viele, die mit uns den Start von 144 Stunden ermöglicht haben, kenne ich persönlich. Einige habe ich einfach gefragt, weil ich mich dafür interessiert habe, was sie zu sagen haben. Und manche wurden während der Woche auf die 144 Stunden aufmerksam und haben sich dann eigenständig bei uns gemeldet.

Welche Resonanz/Reaktionen gab es auf die ursprüngliche Aktion?
Marc Marshall

Wenn ich sehe, wer alles mitgemacht hat, ist das eine große Resonanz. Bisher habe ich auch nur positive Kommentare gelesen. Konstantin Wecker hatte mich noch vorgewarnt: Pass auf Dich auf, bei solchen Aktionen kommt es ganz schnell zu einem Shitstorm von Rechts. Damit haben wir gerechnet. Doch dann hat der Wind von einer ganz anderen Seite geweht - wir haben Rückenwind bekommen. Das fühlt sich toll an, wenn man sich vor Menschen stellt, die alleine nicht stark genug sind – und dann stellen sich immer mehr dazu. Was für eine stille Kraft. Das ist das beste Zeichen, dass wir gegen Rassismus und Ausgrenzung setzen können. Und wir sind viele – und die stumme, friedvolle Mehrheit meldet sich zu Wort, damit die Unverbesserlichen nicht mehr so viel Raum einnehmen können, nur weil sie laut sind.

Trotz des digitalen Erfolgs: Wie sehr vermissen Sie Live-Auftritte vor Publikum?
Marc Marshall

Das Live-Erlebnis ist nicht zu ersetzen. Ich hoffe darauf, dass das Publikum sich nicht zu sehr mit dem digitalen Angebot angefreundet hat. Ich nutze diese Plattformen und halte so die Verbindung - über Marc Marshalls Welt der Musik, Streaming-Konzerte und eben auch für Projekte wie den Livestream „144 Stunden“. In erster Linie vermisse ich den Respekt und die Wertschätzung der Verantwortlichen für die Branche. Viel Gerede, wenig Taten. Und ich befürchte, dass wir als Branche gerade erst am Anfang einer großen Depression stehen. Es entsteht ein irreparabler Schaden, wenn ganze Berufszweige verloren gehen und zwar für die ganze Gesellschaft.

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