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Ganzheitliche Gesundheitslehre

Baden-Badener Kneippianer schwören aufs Wassertreten

Der Storchengang durch kaltes Wasser ist keineswegs antiquiert. Davon ist der Kneipp-Verein Baden-Baden überzeugt. Er sieht in dieser Kur einen wichtigen Beitrag zur Präventions-Medizin.

Im Storchengang: Beim Schreiten durch das Tretbecken am Fuße des Merkurs halten die Mitglieder des Kneipp-Vereins Baden-Baden immer einen Fuß über Wasser. Foto: Michael Rudolphi

Brigitta Pflüger-Meienberg krempelt ihr fast bodenlanges weißes Sommerkleid bis über die Knie hoch und hält es mit einer Hand fest. Dann läuft sie im sogenannten Storchengang los. Ein Fuß ist immer über dem Wasser. So will es die Lehre von Sebastian Kneipp.

Die anderen in der Gruppe folgen ihr. Auch sie achten darauf, wie Meister Adebar durch das kalte Wasser zu schreiten. Zwei Mal führt die Runde durch das Becken - immer schön im Uhrzeigersinn.

Kaum sind die Kneippianer aus dem Wasser gestiegen, streifen sie ihre nassen Füße und Unterschenkel nur mit den Händen ab. Abtrocknen mit einem Handtuch ist tabu, dann würde sich die erwünschte Kreislauf aktivierende Wirkung nicht einstellen. Nach dem Wassertreten ist schnelles Gehen angesagt, bis ein angenehmes Wärmegefühl den Körper durchläuft.

Kneipp-Anlage am Merkur in Baden-Baden sorgt für Abkühlung

Die Mitglieder des Kneipp-Vereins genießen an diesem schwül-heißen Morgen, an dem die Temperatur bereits über 30 Grad geklettert ist, die Erfrischung und anregende Wirkung der Kneipp-Anlage am Fuße des Merkurs.

In loser Folge treffen sie sich dort, um ihrem Vorbild Sebastian Kneipp nachzueifern. Sie sind überzeugt: Das Eintauchen in eiskaltes Wasser regt den Kreislauf an und stärkt das Allgemeinbefinden. „Mir geht es oft so, dass ich richtig müde bin, wenn ich den Weg zur Kneipp-Anlage geschafft habe”, erzählt Brigitta Pflüger-Meienberg. „Aber nach einer Anwendung bin ich ein anderer Mensch.”

Bewegung ist angesagt: Nach dem Wassertreten stellt sich durch schnelles Gehen ein angenehmes Wärmegefühl ein. Foto: Michael Rudolphi

22 Mitglieder zählt der Kneipp-Verein, der sich vor zehn Jahren gegründet hat. Die Initiative ging damals von Heilpraktikern und Badeärzten aus, die der ganzheitlichen Gesundheitslehre anhängen, die der Priester Sebastian Kneipp im 19. Jahrhundert entwickelt hat. „Wir sind aber für alle Teilnehmer offen”, betont der Vorsitzende Johannes Schauer. Der Verein bietet neben den Treffen zum Wassertreten öffentliche Vorträge und Kräuterführungen an.

Ein privater Sponsor hat die Sanierung der Kneipp-Anlage überwiegend bezahlt

Alle Mitglieder freuen sich, dass das städtische Forstamt vor zwei Jahren die marode Kneipp-Anlage in der Nähe der Merkur-Talstation komplett neu gestaltet hat. Das frühere Tretbecken war undicht, immer wieder setzten sich dort Blätter und Schlamm ab.

Ein weiteres Problem: Die mehrere hundert Meter lange Wasserleitung, die das Becken aus einer früheren Brunnenstube gespeist hat, wies mehrere Lecks auf, sodass vor allem im Sommer wenig Wasser floss. Der Neubau wurde möglich, weil ein privater Sponsor sich bereit erklärt hatte, den Großteil der Baukosten von rund 65.000 Euro zu tragen.

Idylische Lage: Die Kneipp-Anlage in der Nähe der Merkur-Talstation ist in die Senke des Falkenbachs eingebettet. Foto: Michael Rudolphi

„Der Ort hier ist wunderschön, ein echter Kontrast zur Stadt”, schwärmt Ursula Schauer und zeigt auf die hohen Bäume, die rund um die Senke des Falkenbachs stehen. Auch die benachbarte Wiese ist ganz nach ihrem Geschmack, weil Barfußgehen im taufrischen Gras ebenfalls ein wichtiger Aspekt in Kneipps Gesundheitslehre ist.

Ist dieses Konzept nicht überholt und überhaupt noch zeitgemäß? Laien verbänden mit dem Namen Kneipp häufig etwas Antiquiertes, sagt Johannes Schauer. Das sei doch der mit dem Wasser, heiße es häufig verächtlich von Menschen, die dann lieber ins Spaßbad gingen.

Mitglieder des Kneipp-Vereins halten Wassertreten und Pflanzenlehre für brandaktuell

Er hingegen hält Kneipps Lehre für brandaktuell: „Das ist doch genau das, was die heutige Präventions-Medizin sagt. Das ist eine total moderne Gesundheits-Empfehlung für unsere heutige Gesellschaft”, beteuert der Heilpraktiker.

Karl-Heiz Koslig schwört neben dem Wassertreten auf Kneipps Pflanzenlehre, der er sich seit rund 50 Jahren verschrieben hat. „Irgendwas für die Gesundheit bleibt immer hängen”, versichert er.

Was die Pflanzen angeht, haben die Mitglieder des Kneipp-Vereins noch einen Wunsch: Sie träumen zusätzlich zum Tretbecken von einem Kräutergarten - entweder neben der Anlage am Merkur oder beim Kloster Lichtenthal. Schließlich stellten die Zisterzienserinnen bis heute eine Vielfalt von Gesundheitsprodukten her - ganz in der Tradition Sebastian Kneipps.

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