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Gäste wollen im Freien sitzen

Baden-Badener Restaurants setzen im Winter auf Heizpilze und Elektrostrahler

Kuschelig warm wollen es die Gäste, aber trotzdem noch an der frischen Luft sitzen - wegen Corona. Gastronomen in Baden-Baden müssen sich etwas für den Winter einfallen lassen.

Kuschelig warm: Carolin Biewener und ihr Mann haben sich zum Mittagessen einen Platz am Heizofen ausgesucht. Über den Einsatz dieser Hitzequellen sind sie sich nicht einig. Foto: Sidney-Marie Schiefer

Beim Schlendern durch die Baden-Badener Innenstadt wird schnell klar, die derzeit etwas niedrigeren Temperaturen halten kaum einen Restaurantbesucher davon ab, sich ins Freie zu setzen. Das hat auch Hans Schindler gemerkt. Der Vorsitzende des Dehoga Baden-Baden, des Verbands für das Gastgewerbe, betreibt das Gasthaus Auerhahn und weiß, seine Gäste sitzen lieber draußen, um sich vor Corona zu schützen.

Die Gastronomen stehen mit dem Rücken zur Wand.
Hans Schindler, Vorsitzender Dehoga Baden-Baden

Dies sei eine Chance, die Verluste der zurückliegenden Monate etwas abzufangen, betont er, denn: „Die Gastronomen stehen mit dem Rücken zur Wand.“ Durch die Abstandregeln können die Lokale im Inneren nicht mehr so viele Sitzplätze anbieten - die Kostenblöcke ließen sich allerdings nicht so leicht halbieren, sagt Schindler. „Wir können ja nicht nur einen halben Raum heizen“, gibt er ein Beispiel. Wie lange die Außengastronomie allerdings noch funktioniere, sei von Wetter abhängig.

Löwenbräu-Keller stockt Heizöfen auf

Regenschutz: Statt einer Hütte wird vor dem Löwenbräu-Keller dieses Jahr eine Überdachung angebracht, damit mehr Platz draußen entsteht. Foto: Sidney-Marie Schiefer

Vom Wetter wollen sich die Betreiber des Löwenbräu-Kellers nicht unterkriegen lassen. Das Restaurant hatte bereits die vergangenen Jahre den Winter durchgängig geöffnet, in diesem Jahr musste wegen der Hygienevorschriften allerdings einiges neu geplant werden. So wird es vor der Gaststätte keine Hütte geben, sondern einen Überbau, der vor Regen schützen soll. Isabel Bülow vom Löwenbräu-Keller erklärt, so entstehe mehr Platz und der Abstand sei besser einzuhalten. Zwischen den Tischen werden noch zusätzliche Schutzscheiben angebracht.

Vorsichtsmaßnahmen: Der Löwenbräu-Keller hat jeden Winter draußen geöffnet, dieses Jahr wurden mehr Heizöfen angeschafft und Trennwände aufgestellt, verrät Isabel Bülow. Foto: Sidney-Marie Schiefer

Damit ihre Gäste nicht frieren, haben die Betreiber für den Löwenbräu-Keller und das gegenüberliegende Restaurant Laterne über 20 neue Heizöfen gekauft. Der Keller habe schon immer viele Heizöfen gehabt, aber da man nicht wisse, wie lange Corona noch ein Thema sei, wurden weitere angeschafft, sagt Bülow. Bisher habe man auch immer Decken und Felle an die Plätze gelegt. „Wir sind uns noch nicht sicher, wie wir das in diesem Jahr handhaben können“, meint Bülow.

Zwar hätten sie eine eigene Wäscherei, aber die Decken nach jedem Gast zu waschen, das sei nicht machbar. Deswegen sollen die Heizöfen, die extra auf der Sitzhöhe der Gäste Wärme spenden, den Besuch so gemütlich wie möglich machen.

Kunden sitzen wegen Corona lieber draußen

Gemütlich findet es Carolin Biewener neben dem Heizofen auf jeden Fall. Sie und ihr Mann haben es sich vor dem Restaurant Laterne bequem gemacht. Die beiden sitzen wegen ihres Hundes meistens draußen, aber auch ohne Tier haben sie sich lieber einen Platz im Freien gesucht, auch wegen Corona, meinen sie. Während Carolin Biewener sich gerne wärmt, ist ihr Mann nicht zu 100 Prozent von den Heizöfen überzeugt, auch in der Coronazeit nicht. „Eigentlich sollte man die Strahler trotzdem kritisch sehen, wir haben ja nur eine Umwelt.“

Die gasbetriebenen Wärmequellen stehen immer wieder in der Kritik, weil sie viel Kohlenstoffdioxid ausstoßen. In Tübingen, Stuttgart und Ludwigsburg beispielsweise sind die Geräte deswegen verboten. Bereits Ende August forderte der Hotel und Gaststättenverband Baden-Württemberg, dieses Verbot aufzuheben, um die Gastronomen in der Coronazeit zu unterstützen. In Baden-Baden sind die Geräte zwar nicht verboten, gefordert wurde es allerdings im Januar von den Grünen.

Wir sehen keine Möglichkeit, Heizpilze zu verbieten, und wir wollen es auch nicht.
Petra Kurpisz, Leiterin Fachgebiet Öffentliche Ordnung

Aber auch diese Fraktion zeigt inzwischen Verständnis dafür, dass die Außenbewirtung essenziell für das Überleben mancher gastronomischer Betriebe in der Coronakrise ist, und will sich in diesem Winter nicht gegen die Verwendung der Heizpilze stellen. Petra Kurpisz, Leiterin Fachgebiet öffentliche Ordnung, sagt dazu: „Wir sehen keine Möglichkeit, Heizpilze zu verbieten, und wir wollen es auch nicht.“ Die Stadtverwaltung weist allerdings darauf hin, dass die Strahler schlecht für die Umwelt sind.

Elektrostrahler als umweltfreundliche Alternative

Insgesamt habe die Zusammenarbeit mit der Stadt in der Krisenzeit sehr gut geklappt, betont Hans Schindler. Unter anderem habe das Rathaus den Gastronomen während des Lockdowns die Kosten für die angemeldete Außengastronomie erlassen. Um den Sicherheitsabstand im Freien zu gewährleisten, habe die Stadt den Restaurantbesitzern erlaubt, ihre Tische, wo es möglich war, weiter auseinander zu stellen und sich auszudehnen, erläutert Kurpisz.

Verluste abfangen: Hans Schindler kann in seinem Gasthaus Auerhahn drinnen coronabedingt weniger Plätze anbieten, deswegen ist die Bestuhlung draußen so wichtig. Foto: Sidney-Marie Schiefer

Außerdem zahlen die Gastronomen aktuell nur 50 Prozent der Gebühren, die für die Außengastronomie anfallen. Der Vorsitzende der Dehoga möchte für den Winter eine ähnliche Vereinbarung mit der Stadt treffen.

Lieber Elektrostrahler, weil sie umweltfreundlicher und sicherer sind als Heizpilze.
Giovanni Clapsi, Gran Caffè Italia

Auch Giovanni Clapsi, Chef vom Gran Caffè Italia, lobt die Unterstützung der Stadt. Der Eiscafé-Besitzer glaubt zwar, dass das immer schlechtere Wetter seine Gäste irgendwann nach drinnen treibt, auf Nummer sicher geht er trotzdem. Er plant einen Windschutz rund um seinen Bereich vor dem Laden zu bauen, dafür warte er noch auf die Genehmigung der Stadt. In diesem Jahr hat er fünf, statt der üblichen zwei Elektrostrahler bestellt, um seine Kunden von allen Seiten zu wärmen. Er habe sich bewusst für die elektronische Variante entscheiden: „Weil sie umweltfreundlicher und sicherer ist als Heizpilze.“

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