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Neue Regelung

Baden-Badener sprechen sich für den Hundeführerschein aus

In Baden-Württemberg soll bald ein Hundeführerschein eingeführt werden. Hundehalter müssen allein und mit ihren Hunden praktische und schriftliche Prüfungen ablegen. Hundebesitzer aus Baden-Baden sehen das mit Optimismus.

Tierfreund: Joachim Lück hat von Kindesbeinen an Hunde besessen. Foto: Katrin König-Derki

Ein verpflichtender Hundeführerschein für alle Hundehalter gilt bald auch in Baden-Württemberg. So steht es im neuen grün-schwarzen Koalitionsvertrag. Konkret verbergen sich hinter dem Sachkundenachweis, den etwa Niedersachsen bereits fordert, ein schriftlicher Test und eine praktische Prüfung; Hundehalter müssen dabei ihr Wissen über Haltung, Pflege und Verhalten der Hunde dokumentieren.

Beißattacken sollen auf diese Weise reduziert, eine artgerechte Haltung der Tiere gewährleistet werden. Eine BNN-Umfrage zum Thema bei Hundebesitzern aus Baden-Baden ergab ein klares Stimmungsbild: Die Mehrheit der Befragten sprach sich für die Einführung eines Hundeführerscheins aus.

Wissen aneignen ist wichtig

So auch Joachim Lück. Der 66-Jährige hat von Kindheit an Hunde besessen und ist bestens mit deren Erziehung vertraut, doch: „Meine Erfahrung zeigt, dass manche Halter einfach nicht wissen, wie sie mit ihren Tieren umgehen müssen. Wenn sie verpflichtet werden, sich dieses Wissen anzueignen, ist das für die Hunde gut – und für die Menschen auch.“

Ein schöner Hund ist ein Hund, der hört.
Jürgen Reykowski, Hundebesitzer

Jürgen Reykowski findet, es sei „nicht verkehrt“, die Hundehaltung an einen Führerschein zu koppeln. „Ein Kurs würde auch reichen. Aber selbst den machen viele nicht.“ Er absolviert derzeit den Hundetrainerschein. Ein schöner Hund, so seine Überzeugung, „ist ein Hund, der hört“.

Geradezu in Rage gerät er, als er von Haltern erzählt, die ihre Tiere ungebeten auf Artgenossen loslassen. „Wenn ich sie dann darauf anspreche, heißt es oft: Hunde müssen sich beschnuppern! Ich empfinde das als unangenehm.“

Jürgen Reykowski Foto: Katrin König-Derki

Durchsetzungsvermögen antrainieren

Roman Schlude sagt zu den Plänen der Regierung: „Passt schon!“ Leider habe nicht jeder seinen Hund gut erzogen. „Gewisse Grunddinge müssten allen Haltern klar sein.“ Ein No-Go ist es aus seiner Sicht, wenn Hunde aggressiv hinter Joggern oder Radfahrern herrennen. Und: „Viele Leute räumen die Scheiße ihrer Hunde einfach nicht weg.“ Manche schafften sich als Statussymbol einen Dobermann an, verfügten aber nicht über das nötige Durchsetzungsvermögen – dann werde es gefährlich.

Roman Schlude Foto: Katrin König-Derki

Er habe mit seinem Hund Flocke freiwillig eine Hundeschule besucht, allerdings: „Flocke hörte von Beginn an auf meine Kommandos. Wir haben den anderen Tieren, die wild durch die Gegend rannten, nur erstaunt zugeschaut.“ Insgesamt wertet er eine Führerscheinpflicht als „goldrichtig“.

Ähnlich äußert sich Tamara Wunderlich. „Ich glaube zwar, die meisten unerfahrenen Halter lesen sich zumindest ins Thema ein und bekommen ein Feeling dafür, was das Tier ihnen sagen will. Aber manche Hunde hören absolut nicht; für deren Halter ist die Pflicht, sich mit ihrem Tier auseinanderzusetzen, wünschenswert.“ Sie selbst hat einen persönlichen Trainer für ihren noch jungen Golden Retriever engagiert. „Ich gehe außerdem regelmäßig mit ihm raus und widme der Erziehung daheim etwa eine halbe Stunde täglich.“

Tamara Wunderlich Foto: Katrin König-Derki

Ein Hund bedeutet Arbeit

Jedem, der sich so ein Tier anschaffe, müsse klar sein: „Ein Hund bedeutet Arbeit.“ Heinz Walther schließlich wertet einen Hundeführerschein als einer der wenigen Befragten als „Quatsch“. Man wachse in das Miteinander mit dem Tier hinein, sagt er. Und fragt sich: „Brauchen Bekannte auch einen Führerschein, wenn sie mich bei Bedarf ersetzen und mit meinem Hund laufen?“

Heinz Walther Foto: Katrin König-Derki

Eine „Riesenverantwortung“ bedeute ein Hund allemal; er befürworte daher eine generelle Haftpflichtversicherung für die Tiere. Die habe er auch für seinen Mischling abgeschlossen. Brav lauscht der dem Interview. Und wedelt bei Streicheleinheiten fröhlich mit dem Schwanz.

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