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Traditionsreiche Adresse

An der Großbaustelle Europäischer Hof in Baden-Baden geht es endlich weiter

Eine Bauruine - das wäre ein Schreckensszenario für Baden-Baden. Doch nach rund eineinhalb Jahren Stillstand soll es auf der Baustelle „Europäischer Hof“ wieder weitergehen. Einen möglichen Eröffnungstermin gibt es bereits.

Kommt ein Container geflogen: Nach rund eineinhalb Jahren Stillstand ist auf der Großbaustelle „Europäischer Hof“ in Baden-Baden wieder Betrieb. Foto: Bernd Kamleitner

Lange war es auf der Baustelle am „Europäischen Hof“ im Herzen von Baden-Baden ruhig. So langsam wird das Areal wieder mit Leben erfüllt.

Mit schwerem Gerät wurden jetzt Baucontainer abgefahren, die auf schweren Eisenträgern über der Oos aufgereiht waren. Das ist kein schlechtes Omen, sondern vielmehr ein Signal, dass der neue Investor die Fertigstellung des Luxushotels wie angekündigt anstrebt.

Die Container standen entlang der Kaiserallee und wurden mit dem Kran auf Tieflader verladen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass mit dem Tätigwerden des neuen Investors auch neue Container aufgestellt werden, heißt es.

Schon in der Vergangenheit hatte es auf der Großbaustelle immer mal wieder Containerbewegungen gegeben, bestätigt Holger Voskuhl aus Köln. Der Kommunikationsberater kennt sich beim Thema „Europ“ aus. Er war während des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung des ursprünglichen Investors für den Sanierungsexperte Christopher Seagon von der Sozietät Wellensiek als Sprecher tätig.

Auch zu Zeiten des Stillstands war Personal erforderlich

So wurden in den Vergangenheit etwa Container abholt, die auf einer anderen Baustelle benötigt wurden oder Exemplare ausgetauscht, weil sie nicht den Vorgaben der Corona-Vorgaben entsprachen. Ganz ohne Personal kam die Baustelle schließlich auch in der Zeit des Baustillstandes nicht aus.

Der Investor, ein deutsches Versorgungswerk, das bislang nicht mehr zu seiner Identität preisgab, hat etwa 2,5 Jahre Bauzeit bis zur endgültigen Fertigstellung und Eröffnung des Luxushotels veranschlagt. Wie ursprünglich geplant, soll das Haus nach der Fertigstellung als Steigenberger-Hotel an den Start gehen.

Die Immobilie hat eine große Hoteltradition. Der „Europäische Hof“ in Baden-Baden ist das Gründungshaus der renommierten Steigenberger Hotel-Gruppe. Der entsprechende Schriftzug „Europäische Hof“, der einst an der Fassade hing, liegt kaum einsehbar an einer Seite der Baustelle. Es ist unübersehbar, dass das Teil in die Jahre gekommen ist. Vom alten Glanz ist nicht mehr viel zu spüren. Der Rost hat ihm zugesetzt.

Ungewohnter Blick auf das Millionenprojekt

Ohne die Baucontainer ist jetzt seit Jahren mal wieder der Blick von der Kaiserallee auf die Baustelle komplett frei und vermittelt einen Eindruck von der Dimension des Projekts in unmittelbarer Nachbarschaft zu Baden-Badener Sehenswürdigkeiten wie Trinkhalle, Kurgarten und Kurhaus. Der bisherige Investor hatte den Rohbau fast fertiggestellt, dann war ihm aber das Geld ausgegangen und er musste im September 2019 Insolvenz anmelden.

Anfang Januar 2019 war noch Richtfest für den neu errichteten Luisenflügel gefeiert worden. Neben einer modernen Ladenpassage sollen in diesem Neubau 45 der insgesamt 120 Hotelzimmer entstehen. Die Gesellschaft Europäischer Hof Kaiserallee Immobilien 1 GmbH & Co. KG hatte im Jahr 2015 begonnen, den Gebäudekomplex zu sanieren und zu erweitern. Ziel war es die historische Immobilie als Luxushotel neu zu positionieren.

Roter Punkt erinnert an Baufreigabe

In einem Schaukasten an der Kaiserallee hat ein „Teil-Baufreigabeschein“ der Stadtverwaltung vom 29. März 2016 die turbulenten Jahre überlebt. Der dazu verschickte und ebenfalls zu sehende „Rote Punkt“ bezog sich auf den „Abbruch und Neubau Luisenflügel, Umbau des Hotels mir Neubau Zwischenfassade und Roof-Top-Pavillon“. So ist es jedenfalls zu lesen. Damals herrschte noch Aufbruchstimmung, später folgte große Ernüchterung.

Die Suche nach einem neuen Investor gestaltete sich schwieriger als erwartet, auch weil die Corona-Pandemie mit zunächst nicht überschaubaren Perspektiven für den Tourismus die Rahmenbedingungen erschwerte. Infolge der Corona-Pandemie und deren massiven Auswirkungen auf Hotellerie und Tourismus war bis Ende 2020 eine deutliche Zurückhaltung zu spüren gewesen.

So blieben von ursprünglich 111 Interessenten am „Europ“ nur wenige übrig, die an der Fortsetzung des Hotelprojekts ernsthaftes Interesse dokumentieren. Jetzt ruhen die Hoffnungen auf dem neuen Geldgeber.

Der „Europäische Hof“ als Bauruine, das wäre für Baden-Baden, das am 24. Juli mit weiteren bedeutenden europäischen Bäderstädten in die Welterbeliste der Unesco aufgenommen wurde, ein Schreckensszenario.

Gut funktionierende Kombi: Luxushotels und kurstädtisches Flair

Luxushotels und kurstädtisches Flair, das ist schon seit gut 200 Jahren in Baden-Baden eine sehr gut funktionierende Kombination. Das erste Luxushotel der Stadt, der Badische Hof (heute im Besitz der Hotelgruppe Radisson) ging aus einem säkularisierten Kloster hervor, das der Verleger Johann Friedrich Cotta zusammen mit dem Juristen Johann Ludwig Klüber im Jahr 1807 erworben hatten.

Die Nobelherberge mit einem dreigeschossigen Speisesaal und weiteren großzügigen Räumen für Konversation, Bälle, Musik und Spiel schrieb Geschichte: Der Badische Hof gilt als erstes so genanntes Palasthotel in Deutschland. Damit ist ein Herberge der gehobenen Kategorie gemeint – also ein Luxushotel.

In der Folgezeit entstanden weitere Hotels mit feinster Ausstattung, die vom Aufschwung des Tourismus an der Oos profitierten und mit zum Ruf Baden-Badens als europäische Sommerhauptstadt beitrugen. Klangvolle Namen waren damals etwa der Englische Hof (heute Atlantic Park-Hotel gegenüber dem Theater) und das Hotel Stephanie, aus dem Brenners Park-Hotel & Spa hervorging.

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