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Digitaler Baustein

Medizinischer Notfall: In Mittelbaden lassen sich Ersthelfer künftig per App alarmieren

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute. Eine App soll künftig dazu beitragen, die Hilfsfrist zu verkürzen. Wie funktioniert dieses im Stadtkreis Baden-Baden und im Landkreis Rastatt neu eingeführte System?

Die smartphone-basierte App Region der Lebensretter Mittelbaden alarmiert im Notfall eines Herz-Kreislauf-Stillstands Ersthelfer.
Die smartphone-basierte App „Region der Lebensretter“ verständigt im Notfall eines Herz-Kreislauf-Stillstands registrierte Ersthelfer. Bislang sind 120 angemeldet. Foto: Michael Rudolphi

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand kommt es auf die ersten Minuten an. Beginnt die Reanimation möglichst schnell, sind die Überlebenschancen am höchsten. Die Smartphone-App „Region der Lebensretter“ soll künftig dazu beitragen, das sogenannte therapiefreie Intervall zu verkürzen, indem sie qualifizierte Ersthelferinnen und -helfer alarmiert.

Die Integrierte Leitstelle (ILS) Mittelbaden, die für den Landkreis Rastatt und den Stadtkreis Baden-Baden zuständig ist, nutzt seit gut einer Woche dieses digitale System. Es kommt vor allem bei Notfällen mit Herz-Kreislauf-Stillstand zum Einsatz.

„Wir hatten in den vergangenen Tagen bereits elf Alarme über die App“, berichtet Meik Hauß bei der Vorstellung des Projekts in der Rettungswache Baden-Baden, die der Kreisverband Bühl-Achern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) für die Region betreibt. Das System laufe bisher einwandfrei, es gebe keine „Kinderkrankheiten“.

Das System ist auf einen Radius von vier Kilometern eingestellt.
Meik Hauß, Leiter der Integrierten Leitstelle Mittelbaden

Wie funktioniert das Ganze? Mit der Smartphone-App „Region der Lebensretter“ lassen sich bei einem Notfall registrierte Ersthelfer und der Rettungsdienst zeitgleich alarmieren. „Das System ist auf einen Radius von vier Kilometern eingestellt“, sagt Hauß.

Die App verständigt gleichzeitig drei Ersthelfer, deren Standorte per GPS-Daten ermittelt sind. Sind Rettungswagen und Notarzt näher als ein Ersthelfer bei dem Notfall-Patienten, übernehmen diese den Einsatz. Die ILS koordiniert das Vorgehen, weil die Lebensretter-App komplett in das Rettungssystem integriert ist.

Die App als Rettungsmodul für rund 280.000 Einwohner

Hauß zufolge kann die App registrierte Ersthelfer in allen Stadt- und Landkreisen, die bereits im System integriert sind, vernetzt alarmieren. Das heißt: Hält sich beispielsweise ein Helfer aus dem Ortenaukreis in Bühl auf, kann er dort den Aufruf zu einem lebensrettenden Einsatz erhalten. Für die detaillierte Koordination ist dann die ILS zuständig.

Ein Mann zeigt auf dem Handy die App „Region der Lebensretter“.
Meik Hauß, Leiter der Integrierten Leitstelle Mittelbaden, demonstriert auf seinem Smartphone die lebensrettende App, die ein weiterer Baustein in der Rettungs- und Alarmierungskette ist. Foto: Michael Rudolphi

Nach Auskunft des DRK ist die App „Region der Lebensretter“ in Mittelbaden für rund 280.000 Einwohner ein weiterer Baustein in der Rettungs- und Alarmierungskette. Felix Brenneisen, Vorstand des DRK Bühl-Achern, weist darauf hin, dass sich bislang 120 Ersthelfer in diesem System registriert haben.

Die beste Lösung für Mittelbaden ist jetzt erreicht.
Thomas Iber, Medizinischer Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden

Für Thomas Iber liegen die Vorteile der neuen App auf der Hand: Der Medizinische Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden hält sie für einen wichtigen Beitrag, um die Hilfsfrist bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zu verkürzen – vor allem angesichts des nach wie vor akuten Personalmangels im Medizin-Sektor.

„Die beste Lösung für Mittelbaden ist jetzt erreicht“, sagt Iber. Er werde bei den Beschäftigten des Klinikverbunds werben, sich als Ersthelfer registrieren zu lassen, um auf 400 zu kommen.

Das Land finanziert das Projekt mit

„Ich bin froh, dass wir es endlich geschafft haben, dieses Projekt zu institutionalisieren“, sagt Tobias Wald. Der CDU-Landtagsabgeordnete setzt sich Jahren auf politischer Ebene dafür ein, die Lebensretter-App einzuführen.

Es sei inzwischen gelungen, anfängliche datenschutzrechtliche Bedenken auszuräumen und Fragen rund um den Versicherungsschutz der Ersthelfer zu klären. Das Land habe im laufenden Haushalt 290.000 Euro bereitgestellt.

Es hat sich gelohnt, dicke Bretter zu bohren.
Tobias Wald, CDU-Landtagsabgeordneter

„Es hat sich gelohnt, dicke Bretter zu bohren“, sagt Wald. Die App sei kein Einsparungsmodell und reduziere bestehende Abläufe nicht. Sie sei vielmehr eine Ergänzung. „Sie kommt on top zum bestehenden Rettungswesen“, sagt der Politiker.

Registrierung als Ersthelfer

Weitere Informationen gibt es im Internet. Dort ist auch die Registrierung als Ersthelfer möglich.

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