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Drei Verfahren

Betrugsfall beschäftigt das Landgericht Baden-Baden weiter

Der Baden-Badener Fall einer Rechtsanwältin und deren Ehemann, ein früherer Steuerberater,die rund 1,3 Millionen Euro ergaunert haben, landet wieder vor Gericht. Es folgte nun ein zivilrechtliches Verfahren.

Vor dem Landgericht: Die Angeklagten hatten eine alte Dame finanziell ausgebeutet. Nun geht es unter anderem um die Erbenfeststellung. Foto: Torsten Ochs

Im März 2019 hatte das Landgericht Baden-Baden nach einer äußerst zähen und langwierigen Verhandlung eine ehemalige Rechtsanwältin und deren Ehemann schuldig gesprochen, schuldig eine alte Dame finanziell komplett über den Tisch gezogen zu haben.

Für die zahlreichen Untreuetaten, die das Gericht als erwiesen ansah, gab es am Ende Gefängnisstrafen. Nun muss sich die Zivilkammer 3 des Landgerichts erneut mit der Thematik und deren Auswirkungen befassen.

Das zivilrechtliche Verfahren hat etwa die Aufarbeitung der Betreuung der zwischenzeitlich verstorbenen vermögenden Baden-Badenerin zum Gegenstand. Ein entsprechendes Verfahren ist seit Jahren am Laufen, war aber für die Dauer des Strafprozesses ausgesetzt worden.

Drei Verfahren wurden verhandelt

Gleich drei verschiedene dieser Verfahren galt es am Donnerstag, 21. Oktober, zu verhandeln. Darin geht es unter anderem um die sogenannte Erbenfeststellung der Ex-Rechtsanwältin, die einen entsprechenden Antrag gestellt hatte.

In den beiden weiteren Verfahren war der Nachlasspfleger aktiv geworden. Das Gericht soll klären, ob ein Anspruch auf Rückzahlung des veruntreuten Vermögens besteht.

Anders als bei einem Strafverfahren, bei dem Staatsanwaltschaft und Verteidigung mit ihren beiderseitigen Argumentationen aufeinandertreffen, wird in einem Fall wie dem vorliegenden meist schriftlich verhandelt. Beide Seiten hatten nunmehr die Möglichkeit nochmals Stellung zu nehmen.

Die Entscheidung wie weiter verfahren wird, soll bezüglich der Erbenfeststellung am 25. November fallen, in den beiden weiteren Fällen am 9. Dezember beziehungsweise am 17. Februar.

Strafverfahren regte großes Interesse in der Öffentlichkeit

Das Strafverfahren, zu dem die Hauptangeklagte jeweils aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde, hatte in der Öffentlichkeit hohe Wellen geschlagen und über viele Monate hinweg für gut besuchte Zuschauerränge gesorgt.

Hintergrund war eine von tragischen Ereignissen geprägte Geschichte. Das wohlhabende Ehepaar, das geschädigt wurde, hatte lange Zeit in Südafrika gelebt. Als der betagte Mann feststellte, dass seine Gemahlin Anzeichen von Demenz zeigte, übersiedelten beide nach Baden-Baden.

Schon bald darauf wurde bei ihm aggressive Gehirntumore diagnostiziert, so dass er die Verwaltung des Vermögens und die Betreuung seiner Frau in die Hände der Angeklagten gegeben hatte. In den vielen Verhandlungsmonaten wurde erörtert, ob die Betreute, die am Ende in ärmlichen Verhältnissen zugrunde ging, überhaupt noch geschäftsfähig gewesen ist.

Ehepaar ist in Haft

Von beachtlichen Betreuungskosten, Geldverschiebungen, Käufen, Verkäufen, teuren Reisen und Anschaffungen, dicken Kreditkartenabrechnungen, abgeräumten Girokonten und von einer dementen Frau, deren Vermögen den beiden Angeklagten rasch durch die Finger glitt, hatte am Ende des Verfahrens der Vorsitzende Richter Wolfgang Fischer in der Urteilsbegründung gesprochen.

Er verhängte eine siebenjährige Haftstrafe wegen Untreue und versuchten Betrugs gegen die Angeklagte. Ihr Ehemann wurde wegen Beihilfe zu drei Jahren verurteilt. Taterträge in Höhe von rund 428.000 Euro waren eingezogen worden.

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