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Frost bereitet Gärtnern Sorgen

Blütenpracht in den Baden-Badener Parks erleidet Kälteschock

Es ist eine richtige Achterbahnfahrt: Sommer und Winter mitten im Frühling. Wie kommen die Frühblüher in der Lichtentaler Allee mit dieser extremen Wetterlage zurecht?

Die aktuelle Kältewelle hat vor allem den prächtigen Magnolien in der Lichtentaler Allee zugesetzt. Foto: Michael Rudolphi

Ist die gerade begonnene herrliche Blütenpracht in den Baden-Badener Parks und Gärten angesichts der aktuellen Kälteperiode mitten im Frühling bereits wieder vorbei?

Mit viel Glück haben Magnolien, Zierkirschen und andere Frühblüher die Frostperiode der vergangenen Tage einigermaßen gut weggesteckt. „Ich habe bislang keine größeren Schäden entdeckt“, zieht Markus Brunsing eine erste vorsichtige positive Bilanz.

Bei seinen Kontrollgängen ist dem Leiter des städtischen Fachgebiets Park und Garten zumindest an den in vielen Beeten bereits blühenden Pflanzen bislang nichts Gravierendes aufgefallen. „Da hatten wir die größten Sorgen – vor allem im Hinblick auf die Ranunkeln“, verrät er im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die Magnolien weisen leichte Frostschäden auf

Die zum Teil riesigen Magnoliensträucher und -bäume, die die Lichtentaler Allee säumen und deren Blüten zum größten Teil bereits aufgegangen waren und ihre Farbenpracht entfaltet hatten, hatten dem Gartenamtschef ebenfalls ein paar nachdenkliche Falten auf die Stirn getrieben. Nach den ersten Eindrücken haben sie leichte Frostschäden abbekommen.

Brunsing hofft jedoch, dass diese nicht allzu groß sind. Die tiefsten Temperaturen hätten sich in der geschützten Tallage der Stadt knapp um den Gefrierpunkt herum – mal leicht darüber, mal leicht darunter – bewegt, was die Magnolien in der Regel noch verkraften könnten. Ob die Blüten abfallen werden, werde sich in den nächsten Tagen zeigen.

Die Frühjahrsblüher vor der Trinkhalle haben Eis und Schnee ganz gut verkraftet. Foto: Michael Rudolphi

Für die städtischen Gärtner bedeutet Frost eine weitaus größere Gefahr als Schnee. Eine weiße Decke könne sogar dazu beitragen, Frostschäden zu verhindern oder zu minimieren, weil sie sich wie eine isolierende Schicht schützend auf die empfindlichen Pflanzen legt.

Selbst für Markus Brunsing mit seiner langen Erfahrung war das Wetter, dem die Natur in der zurückliegenden Woche ausgesetzt war, extrem ungewöhnlich. „Wir hatten Temperaturunterschiede von fast 30 Grad. Das war ein Hin- und Herspringen zwischen Sommer und Winter mitten im Frühling“, schildert er seine Eindrücke.

Meteorologen sprechen von Winteranfang

Das bestätigt auch der Meteorologe Dominik Jung vom Wetterdienst Q.met, der die Badischen Neuesten Nachrichten mit Wetterdaten beliefert. Demnach war der 31. März der wärmste Märztag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. An der Wetterstation im Baden-Badener Ortsteil Geroldsau kletterte das Thermometer auf 25,6 Grad und erreichte damit einen Wert, um als Sommertag zu gelten.

Origineller Frostschutz: Ein Hobbygärtner in Lichtental hat Papiertüten über die Rosen in seinem Garten gestülpt. Foto: Michael Rudolphi

Exakt eine Woche später berichtete Jung Folgendes: „Nun scheinen wir eher vorm Winteranfang zu stehen.“ Die Wetterlage brachte Schneefälle bis in die tiefen Lagen. Nach Auskunft des Meteorologen gibt es Extreme in diesen Ausmaßen eher selten.

Das Wetter verhält sich wie bei einer Achterbahnfahrt

Nach Einschätzung des Experten kehren die frühsommerlichen Temperaturen vorerst nicht zurück. Es gehe weiter eher wie auf einer Achterbahn zu, eine einheitliche Linie nicht erkennbar. Bis Mitte April sei keine dauerhafte Erwärmung in Sicht. In höheren Luftschichten sei extrem kalte Luft nach Deutschland geströmt. In rund 5.500 Metern Höhe lägen die Werte bei minus 40 bis minus 45 Grad. Das sei zu dieser Jahreszeit rund 20 bis 25 Grad zu kalt.

Wer bereits jetzt kälteempfindliche oder mediterrane Pflanzen auf die Terrasse gestellt hatte, muss damit rechnen, dass diese Frostschäden abbekommen haben. „Nachträglich ist da leider nichts mehr zu machen“, betont Brunsing.

Die Palmen bleiben noch im Gewächshaus

Das aktuell extreme Wetter sollte allen eine Warnung sein, etwa Oliven- oder Oleanderbäumchen nicht zu früh im Freien zu platzieren, sondern mindestens bis Mitte/Ende April abzuwarten. „So viel Geduld sollte jeder haben, um den Pflanzen keinen Schaden zuzufügen“, rät Brunsing. Daran hält sich auch das Gartenamt und lässt seine Palmen vorsichtshalber noch im wärmenden Gewächshaus.

Sie kommen erst Ende des Monats an die verschiedenen Standorte im Zentrum zurück. Und die städtischen Gärtner beginnen ohnehin erst Mitte Mai, die Beete mit dem Sommerflor zu bepflanzen. „Wir sind dennoch nicht unglücklich, wenn wir wieder zweistellige Temperaturwerte bekommen“, betont Brunsing.

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