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1.200 Menschen müssen Wohnungen verlassen

Ausweichunterkünfte, Zeitplan, Sperrungen: Was man zur Bombenentschärfung in Baden-Baden wissen sollte

Rund 1.200 Menschen müssen am Muttertag ihren Wohnungen verlassen. In einer Grünanlage werden drei Blindgänger aus den Zweiten Weltkrieg entschärft. Es gibt Ausweichunterkünfte. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Seit 40 Jahren Grünanlage: Zur Landesgartenschau 1981 in Baden-Baden wurde der Wörthböschelpark in der Nachbarschaft des Fachmarktzentrums angelegt. Am Sonntag werden dort drei Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Foto: Bernd Kamleitner

Für rund 1.200 Anlieger des Wörthböschelparks in Baden-Baden verläuft der Muttertag an diesem Sonntag, 9. Mai, völlig anders als sonst. Sie müssen bereits am frühen Morgen ihre Wohnungen verlassen.

In der Grünanlage werden drei Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Das hat auch Auswirkungen auf den öffentlichen Personennahverkehr und auf den Individualverkehr im Umfeld des Parks.

Fragen und Antworten zur Aktion am Sonntag hat BNN-Redakteur Bernd Kamleitner zusammengestellt.

Wie kommen Bomben in den Park?

Im Zweiten Weltkrieg sind in diesem Bereich Fliegerbomben von den Alliierten abgeworfen worden. Das belegen Luftbilder, auf denen Bombentrichter zu sehen sind. In der Nähe der heutigen Grünanlage stand die 1937 errichtete Markgrafen-Kaserne der Wehrmacht. Nicht alle Bomben entwickelten ihre zerstörerische Kraft und blieben als Blindgänger liegen. Wenn in unmittelbarer Nähe eine andere Bombe explodierte, wurde der Blindgänger mit Erdreich überschüttet. Auch über sieben Jahrzehnte nach Kriegsende werden deshalb immer noch Blindgänger gefunden. In der Grünanlage zwischen der Weststadt und dem Stadtteil Baden-Oos liegen sie zwischen drei und fünf Meter unter der Erde.

Um was für Bomben handelt es sich?

Es sind 250-Kilo-Fliegerbomben. Die drei Blindgänger mit dieser Größe werden noch zu den kleineren Bomben gezählt. Für die Entschärfung wird ein Sicherheitsbereich von 300 Meter ausgewiesen. Ursprünglich hatte es eine vierte Verdachtsfläche im Park gegeben. Die vermutete Bombe hatte sich bei der genaueren Untersuchung als ein altes Stahlrohr erwiesen, an dem vermutlich eine sogenannte Schwengelpumpe angebracht war, um Grundwasser nach oben zu pumpen.

Warum wurden die Bomben erst jetzt gefunden?

Im Zuge des Genehmigungsverfahrens von Maßnahmen zur Aufwertung des Wörthböschelparks wurden kritische Flächen näher untersucht, denen Bombentrichter zugeordnet werden konnten. Nach Angaben der Stadtverwaltung wurden schon in den 1970er und 1990er Jahren bei Grabungsarbeiten im Wörthböschel Blindgänger gefunden.

Wie erfolgt die Entschärfung?

Zunächst mussten die vermuteten Fliegerbomben freigelegt werden. Das erfolgte in der vergangenen Woche durch eine Spezialfirma. Für die Entschärfung werden Experten des beim Regierungspräsidium Stuttgart angesiedelten Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KMBD) in den Wörthböschelpark kommen, denn ab einem Gewicht von 50 Kilo werden die Bomben vor Ort unschädlich gemacht. Ein gefährlicher Job. „Wir entfernen den Zünder am Kopf der Bombe“, berichtet KMBD-Bombenentschärfer Mathias Peterle. Das klappe fast immer. Nur in extrem seltenen Fällen müssten Bomben gesprengt werden. Pro Bombenentschärfung rechnen die Fachleute mit einer Dauer von 30 Minuten.

Was bedeutet das für den Zeitplan?

Alle betroffenen und bereits informierten Anwohner müssen am Sonntag bis acht Uhr ihre Wohnungen und den Sicherheitsbereich von 300 Meter verlassen haben. Die Polizei wird das kontrollieren. Insgesamt werden etwa 200 Beamte in Baden-Baden im Einsatz sein. Erst wenn gewährleistet ist, dass keine Menschen mehr in den Häusern sind, gibt es grünes Licht für die eigentliche Bombenentschärfung. Kommt es also zu Verzögerungen bei der Räumung der Immobilien, verzögert sich auch die Entschärfung der Blindgänger. Läuft alles nach Plan, könnte der KMBD seine Mission im Park am frühen Nachmittag abgeschlossen haben. Stadtverwaltung und Polizei wollen dann umgehend über elektronische Medien informieren, dass die Bewohner zurück in ihre Häuser können. Unter der Rufnummer (0 72 21) 931 8 67 gibt es eine aktuelle Ansage der Stadtverwaltung.

Welche Auswirkungen hat die Aktion auf den Verkehr?

Innerhalb des 300-Meter-Sicherheitsradius rund um den Park ist ab acht Uhr kein Individualverkehr mehr erlaubt. Die Zufahrten werden gesperrt. Die Vorbereitungen dafür beginnen gegen 7 Uhr. Die B500 bleibt dagegen in beiden Fahrtrichtungen bis kurz vor der mit rund eineinhalb Stunden angesetzten Entschärfung, befahrbar. Während der Entschärfung wird die B500 aus der Stadtmitte kommend ab der Zufahrt Gutenbergstraße, von der Autobahn kommend nach dem Europakreisel für den Verkehr gesperrt. Die Zufahrt in den Gewerbepark Cité und in die Allee Cité bleibt weiterhin möglich. In Richtung Stadtmitte kann die B500 erst wieder ab der Joseph-Vollmer-Brücke in Höhe der Feuerwehr befahren werden.

Während der Sperrung der B500 führt in Richtung Stadtmitte eine Umleitung über Ebersteinburg, stadtauswärts über Steinbach. Die Strecken sind ausgeschildert. Die Schwarzwaldstraße und die Rheinstraße sind im Bereich des Sicherheitsradius bereits ab 8 Uhr gesperrt. Nur Busse dürfen dort noch passieren.

Welche Einschränkungen gibt es beim Nahverkehr?

Die Linienbusse fahren während der Evakuierungsphase weiter durch die Sicherheitszone. Allerdings werden die Bushaltestellen Sinzheimer Straße und Wörthstraße nicht bedient. Ferner entfallen die Haltestellen der Linien 205 und 207 zwischen dem Babo-Hochhaus und der Vogesenstraße. Während der Bombenentschärfung wird der Busverkehr auf der Tallinie in Richtung Bahnhof ab dem Schweigrother Platz eingestellt. Ebenso fahren die Busse von Sandweier und Haueneberstein in Richtung Innenstadt nur bis zum Bahnhof. Die Linie 205 wird aus der Stadtmitte nur bis zum Ooswinkel bedient, die Linie 206 verkehrt nur ab Schweigrother Platz in Richtung Balg. Detailinformationen zu den einzelnen Linien stehen auf der Homepage der Verkehrsbetriebe (www.stadtwerke-baden-baden.de).

Wo können sich die von der Evakuierung betroffenen Menschen aufhalten?

Die Stadt bietet drei Möglichkeiten: in der Theodor-Heuss Grund- und Werkrealschule (Rheinstraße 42), in der Louis-Lepoix-Schule (Balger Straße 15) oder in der Grundschule Baden-Oos (Ooser Hauptstraße 30). Vor Ort müssen die Corona-Bedingungen eingehalten werden. Eine Pflicht für die Betroffenen, sich dort aufzuhalten, besteht nicht.

Live-Ticker auf BNN.de

Die BNN informieren auf bnn.de am Sonntag ab 7.30 Uhr live über den Fortgang der Bombenentschärfung.

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