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Baden-Badens Bäder begeistern

Caracalla-Bad-Betreiber hat Chance für Lizenzvergabe in Fernost

Baden-Badens Bäder begeistern – so kam auch der Kontakt zwischen chinesischen Geschäftsleuten und der Kannewischer-Gruppe zustande, die in der Kurstadt das Friedrichsbad und die Caracalla-Therme betreibt. Nun sind die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass einmal auf Bädern und Hotels im Reich der Mitte der Name Kannewischer prangt.

SCHÖNES AUSHÄNGESCHILD der Kannewischer-Gruppe: Das Baden-Badener Friedrichsbad kennen auch die chinesischen Geschäftsleute, die in ihrem Land Bäder und Hotels der Marke Kannewischer für möglich halten. Ein Joint Venture ist gegründet. Foto: pr

Baden-Badens Bäder begeistern – so kam auch der Kontakt zwischen chinesischen Geschäftsleuten und der Kannewischer-Gruppe zustande, die in der Kurstadt das Friedrichsbad und die Caracalla-Therme betreibt. Nun sind die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass einmal auf Bädern und Hotels im Reich der Mitte der Name Kannewischer prangt. Das teilt der Geschäftsführende Gesellschafter Jürgen Kannewischer auf Anfrage dieser Zeitung mit. „Wir sind mittlerweile als Thermalbadspezialisten bekannt“, sagt Kannewischer.

Am Joint Venture Insprince Work Team (Peking) hält die auf Bäder- und Hotelplanung spezialisierte Kannewischer-Ingenieursgesellschaft 49 Prozent. Dieses Gemeinschaftsunternehmen könnte per Franchisevertrag Lizenzen für chinesische Bäder vergeben. „Wir würden dann eine Lizenzgebühr bekommen“, erläutert Kannewischer. Voraussetzung für eine Vergabe sei allerdings, dass der Qualitätsstandard der Bäder stimme.

Caracalla-Chef Jürgen Kannewischer: Im Moment geht es um die Marke

„Im Moment geht es nur um die Marke“, sagt der Ingenieur, der in der Branche gerne als Bäder-Papst bezeichnet wird. In einem weiteren Schritt könnte das Unternehmen zusätzlich Konzeptionen für chinesische Bäder erarbeiten.

Ein Risiko gehe das Familienunternehmen – neben Jürgen Kannewischer ist dessen Bruder Stefan an Bord – mit dem China-Engagement nicht ein. „Wir fanden es spannend, das zu testen.“ Während Kannewischer-Bäder in Fernost erst einmal Zukunftsmusik sind, investiert die Unternehmensgruppe (Baden-Baden/Zug) aktuell 28 Millionen Euro in ein Thermenhotel neben der Emser Therme in Bad Ems.

Ende 2021 soll das 84-Zimmer-Haus fertig sein. Es habe sich bewährt, neben einer Therme auch ein Hotel zu betreiben, verweist Kannewischer auf entsprechende Erfahrungen bei der Spreewald-Therme in Burg. „Das funktioniert supergut. Es ist fast ein Selbstläufer. Die Auslastung liegt bei über 90 Prozent.“ Von Berlin aus sei die Therme in einer Stunde zu erreichen.

Pläne für Bad Nauheim

Ein Highlight ist für Kannewischer ein weiteres Projekt, und zwar in Bad Nauheim im hessischen Wetteraukreis. „Dort ist das größte Jugendstilensemble Europas.“ Sieben historische Badehäuser werden als solche nicht mehr genutzt. Eines soll reaktiviert werden. Daneben entstehen eine neue Therme und ein Hotel. Kannewischer plant die neue Therme, „und wir werden Pächter von allen drei Gebäuden“. Ende 2022 seien diese voraussichtlich komplett fertig.

Die Kannewischer-Gruppe betreibt neben den Bädern in Baden-Baden, in Bad Ems und in Burg auch noch die Kiss-Salis-Therme in Bad Kissingen sowie die Vitasol-Therme in Bad Salzuflen. Zudem plant und baut das Familienunternehmen Bäder jeglicher Art.

"Die Geschäfte laufen besser denn je"

„Die Geschäfte laufen besser denn je“, freut sich Kannewischer. Vor allem das Ingenieurbüro sei mit Aufträgen gut eingedeckt, weil die Kommunen mehr Steuereinnahmen haben. „Bäder werden neu gebaut, umgebaut und saniert.“ Kannewischer nennt als aktuelle Projekte Freizeitbäder, kleinere Freibäder und auch ein Hotelbad.

Im vergangenen Jahr sei der Gruppenumsatz um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Absolute Zahlen nennt der Unternehmer nicht. Die Mitarbeiterzahl liegt aktuell bei 750, dies sei ebenfalls ein Plus von zehn Prozent. Alle Bäder sind nach Kannewischers Worten rentabel – bis auf das Friedrichsbad. Dies werde aber durch den bei der Caracalla-Therme erzielten Gewinn kompensiert, sodass man unverändert an die Bäder- und Kurverwaltung (BKV) Pacht zahle.

Jürgen Kannewischer vor dem Friedrichsbad. Foto: Fabry

Die BKV investiere auch 2020 und 2021 in die Caracalla-Terme. Kannewischer nennt die Umkleiden, die in zwei Etappen erneuert werden. Techniksanierung und eine Aufwertung des Außenbereichs kämen hinzu. Im vergangenen Jahr besuchten rund 500.000 Gäste die Caracallatherme, über 60.000 waren es im benachbarten historischen Friedrichsbad.

Klappt es mit dem Unesco-Titel?

Nun hofft der Unternehmer, dass die Thermen in Bad Ems, in Bad Kissingen und in Baden-Baden UNESCO-Welterbe werden – schließlich werden sie von Kannewischer betrieben. Erfreulich sei, dass vom Online-Reisemagazin Travelbook „die Kiss-Salis-Terme als beste Therme Deutschlands gewählt wurde“.

Um die Zukunft macht sich Kannewischer keine Sorgen. Obwohl es in Deutschland, Österreich und in der Schweiz bereits viele qualitativ gute Bäder gebe, sehe er weiteres Potenzial.

Die Gesellschaft altere, dadurch schätzten mehr Menschen das gesundheitsfördernde Thermalbad. Bei dem oft stressigen Arbeitsleben gönnten sich weiterhin die Leute Auszeiten in Wellnessbädern und -hotels. Wachstumschancen gebe es auch in Frankreich und vor allem in Italien.

Dort war die Kannewischer-Gruppe zum Beispiel beratend für die Therme Meran tätig, der Stararchitekt Matteo Thun seinen Stempel aufgedrückt hat. Und, wer weiß: Womöglich wird ja noch China für die Kannewischer-Gruppe ein lukratives Geschäft.

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