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Generationswechsel

Neue Gesichter, viele Frauen und eine 15-Jährige auf der Kandidatenliste der CDU Baden-Baden

Ein steht fest: Die Baden-Badener CDU-Gemeinderatsfraktion wird nach der Wahl im Juni 2024 deutlich anders aussehen als jetzt. Die Partei hat am Dienstag ihre Kandidaten nominiert – und auf der Liste gibt es einige Überraschungen.

CDU-Delegierte beim Wahlparteitag für die Kommunalwahl 2024 im Rantastic
Bei der geheimen Wahl der Kandidaten benutzen die Delegierten der CDU Baden-Baden mobile Wahlkabinen. Foto: Harald Holzmann

Die CDU ist im Baden-Badener Gemeinderat derzeit mit zehn Stadträten vertreten. Sechs von ihnen werden bei der Kommunalwahl im Juni 2024 nicht mehr antreten.

Auf der Kandidatenliste, die 83 Delegierte am Dienstagabend in einem fast fünf Stunden dauernden Wahlmarathon zusammengestellt haben, stehen viele neue Namen. Von den 40 Nominierten sind 19 weiblich. Die jüngste Bewerberin erreicht erst im Januar das Mindestalter, um gewählt werden zu können.

Erstmals auch 16-Jährige zur Wahl aufgerufen

Claire Gantner am Rednerpult
Claire Gantner wird im Januar 16 Jahre alt. Sie ist die jüngste Kandidatin der CDU bei der Kommunalwahl 2024. Foto: Florian Gänßhirt

Es ist die aus Sandweier stammende Claire Gantner. Sie besucht die Klosterschule vom Heiligen Grab. Mit derzeit noch 15 Jahren ist sie die jüngste Kandidatin, die jemals für eine Kommunalwahl in Baden-Baden aufgestellt wurde.

Der Grund dafür: Im kommenden Jahr dürfen erstmals auch junge Leute ab 16 Jahren kandidieren. Ebenso ist diese Altersklasse auch erstmals zur Wahl aufgerufen. Claire Gantner, deren Vater Florian auch auf der Kandidatenliste steht, ist das Angebot der CDU an die Jungwähler. Für ihre Vorstellungsrede bekam sie außergewöhnlich viel Beifall.

Die CDU steht vor einem Generationswechsel.
Kai Whittaker
CDU-Kreisvorsitzender

„Die CDU steht vor einem Generationswechsel“, machte Bundestagsabgeordneter und Kreisvorsitzender Kai Whittaker zum Auftakt des Treffens im Rantastic deutlich, wohin die Reise geht. Mehr als die Hälfte der derzeitigen Ratsfraktion trete nicht mehr an. Konkret geht es dabei um die langjährigen Stadträte Sven Jäger, Reinhilde Kailbach-Siegle, Ingrid Kath, Ralf Müller, Alfons Seiterle und Heinz Gehri. Sie alle haben auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Zudem erinnerte Whittaker an die während der laufenden Wahlperiode verstorbenen langjährigen Stadträte Uwe Serr und Hans-Peter Ehinger.

21 Männer und 19 Frauen treten an

„Wir bieten 25 neue Kandidaten auf“, sagte Whittaker. Insgesamt träten 21 Männer und 19 Frauen „aus allen Stadtteilen“ an – darunter Muslime, Juden und Menschen mit ausländischen Wurzeln. Das zeige: „Wir sind eine Volkspartei.“

Aus der Wahl 2019 sei die CDU erstmals nicht als stärkste Fraktion im Baden-Badener Gemeinderat hervorgegangen. „Das war schmerzhaft“, so der Vorsitzende. Mittlerweile scheine sich bei den Wählern aber eine gewisse Ernüchterung breitgemacht zu haben. „Viele Bürger haben den Eindruck, dass es sich im Gemeinderat nur noch um persönliche Animositäten dreht.“ Das wolle man ändern. „Es ist unser Anspruch, wieder stärkste Kraft im Gemeinderat zu werden.“

Es ist ein Irrenhaus.
Ansgar Gernsbeck
CDU-Fraktionschef über den Gemeinderat

„Es ist ein Irrenhaus.“ Mit diesem Satz beschrieb Fraktionschef Ansgar Gernsbeck ein wenig augenzwinkernd die Arbeit in dem Gremium. Der 59-Jährige, der seit neun Jahren im Gemeinderat sitzt, geht auch 2024 als Spitzenkandidat der CDU an den Start. Er wurde von mehr als 92 Prozent der Delegierten in diese Position gewählt.

Die Zukunft des Klinikums Mittelbaden sei eine der größten Herausforderungen, sagte Ansgar Gernsbeck. Die Innenstadtentwicklung, die Verkehrslenkung, die Energiewende, bezahlbarer Wohnraum und der Artenschutz seien weitere wichtige Themen. „Unsere Stadt hat immer dann Sternstunden erlebt, wenn die CDU im Gemeinderat geführt hat – zusammen mit einem CDU-OB“, meinte Gernsbeck weiter.

Vorsitzender von „We love Baden-Baden“ kandidiert

Die CDU-Kandidatenliste weist einige Überraschungen auf. Mit Aisha Abdalo bewirbt sich eine 34-jährige Ärztin um einen Ratssitz, die 2016 aus Syrien nach Deutschland gekommen ist. Carmen Brenninger bringt politische Erfahrungen aus Göttingen mit, wo sie über Jahre für die Union im Gemeinderat saß.

Nominiert wurden auch die neue Realschul-Leiterin Nicole Demmler, der Caritas-Vorstandsvorsitzende Alexander Stummvoll, die 23-jährige frisch gebackene JU-Chefin Patricia Schmid, der 20-jährige Student Florian Gänßhirt, der Chef der Ukraine-Hilfe Baden-Baden Yevgeniy Primak und der Vorsitzende des Vereins „We love Baden-Baden“ Sascha Wachaczewsky.

Wahl der CDU für die Kommunalwahlliste 2024, Stimmenabgabe
Bei der Kandidatenwahl wird geheim abgestimmt. Foto: Harald Holzmann

Neben Spitzenkandidat Ansgar Gernsbeck finden sich auch weitere bekannte Namen auf der Liste. Allen voran Klaus Bloedt-Werner. Der 70-Jährige sagte, er habe bereits sechs Oberbürgermeister erlebt und wolle sein Wissen an die Neuen weitergeben.

Nominiert sind auch die Chefin der Frauen-Union Cornelia Geiger-Markowsky sowie die derzeitigen Stadträtinnen Anemone Bippes und Cornelia von Loga. „In der CDU sind die Frauen an der Macht“, meinte Kai Whittaker. Nicht nur die Frauen-Union werde von einer Frau geführt, sondern sämtliche Unterorganisationen: Senioren-Union, Junge Union und Mittelstandsunion. Mit Cornelia von Loga werde zudem auch eine Frau Landtagsabgeordnete.

De Populismus zu bekämpfen, das ist die größte Aufgabe der Demokratie.
Margret Mergen
Ex-Oberbürgermeisterin von Baden-Baden

Ex-Oberbürgermeisterin Margret Mergen wünschte allen Nominierten Erfolg. Es gehe in den verbleibenden 201 Tagen bis zur Wahl darum, das Vertrauen der Baden-Badener zu erlangen und die Menschen an die Wahlurne zu bringen. „Den Populismus zu bekämpfen, das ist die größte Aufgabe der Demokratie“, sagte sie. „Nichtwählen ist keine Option.“

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