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Mitarbeiter- und Mitgliederschwund

Clara-Schumann-Musikschule in Baden-Baden kämpft wegen Corona mit schrumpfenden Klassen

Seit März hat die Musikschule 25 Prozent weniger Schüler in den Klassen. Nun sollen Anpassungen unter anderem des Kündigungsrechts den Mitgliederschwund verhindern.

Hauen in die Tasten: Die Baden-Badener Musikschüler spielen am liebsten Klavier. Auch Blasinstrumente sind besonders beliebt. Nur ein Prozent der Schüler spielt Harfe. Foto: Archivfoto: Michael Hanschke picture alliance/dpa

Eigentlich lief der Betrieb an der Clara-Schumann-Musikschule (CSM) Baden-Baden gut. Anfang des Jahres konnte die Schule eine Steigerung der Belegung von 22,2 Prozent im Vergleich zum Jahr 2018 feststellen. Insgesamt 943 Schüler haben den musikalischen Unterricht besucht. Dieser Anstieg sei vor allem auf den neu eingeführten Babygarten, den Musikgarten und die Kooperationen mit Grundschulen und Musikvereinen zurückzuführen, heißt es in der Vorlage für die Mitglieder des Schul- und Sportausschuss der am 11. November tagt. Seit Corona vermerkt die Musikschule jedoch rückläufige Zahlen. Im März waren es noch 828 Schüler und im August nur noch 580. Trotz eines digitalen Angebots sei somit seit März ein Rückgang von 25 Prozent zu verzeichnen, heißt es in dem Bericht.

Gründe für den Corona-Einbruch

Neben den eingeschränkten Unterrichtsmöglichkeiten während der Pandemie macht die CSM die Schließung von Kitas während des Lockdowns und die folgende coronabedingt eingeschränkte Zusammenarbeit mit den Einrichtungen verantwortlich für den Rückgang. Ein weitere Grund sei, dass Mitglieder viermal im Jahr die Möglichkeit haben zu kündigen und, dass 2021 vier Lehrkräfte die Schule verlassen haben, drei von ihnen waren festangestellt und sind in Ruhestand gegangen. Diese beiden Punkte werden auch im Ausschuss dargelegt.

Mitarbeiter können nur schlecht gebunden werden

So wird am Mittwoch unter anderem eine Anpassung der Satzung hinsichtlich der Anzahl der Kündigungstermine besprochen. Da die CSM in den kommenden fünf Jahren alle festangestellten Lehrer außer der Leitung in die Rente entlässt, steht außerdem das Personalkonzept im Fokus. Bis jetzt legt ein Beschluss von 2006 aus dem Gemeinderat fest, dass ausscheidende Tarifbeschäftigte des Bundes nur durch Honorarkräfte ersetzt werden. Immer wieder käme es vor, dass die CSM langjährige freie Mitarbeiter an andere Musikschulen in der Region verliert, die ihnen eine Festanstellung anbieten.

René Lohs von der FDP Baden-Baden fordert deswegen: „Die Stadt muss sich zu ihrer Musikschule bekennen.“ Er will sich in der nächsten Haushaltsberatungen dafür einsetzen, dass neue Personalstellen in der Einrichtung geschaffen werden. Weiter betont er: „Wer gutes und dauerhaft engagiertes Personal haben will, muss den Menschen sichere Arbeitsplätze bieten und sie gut bezahlen.“

Neues Angebot

Seit der neuen Corona-Verordnung darf die Musikschule fast alle Unterrichtsformen wieder anbieten. Die Schule hat deswegen beschlossen, in dieser Zeit und darüber hinaus ihr Angebot zu erweitern. Als Ergänzung zur Abiturvorbereitung startet mit dem neuen Schuljahr das Fach Musiktheorie. Dieses wird aufgeteilt in einen Anfänger-, Aufbau- und Fortgeschrittenen-Kurs. Außerdem baut die Schule das Ensemble-Angebot aus.

Unter anderem gibt es für Gitarren-Schüler ein neue Gruppe. Mit der Grundschule Neuweier besteht außerdem eine neue Kooperation, dort können Schüler einen Gitarren-Kurs belegen. Eine weitere Neuerung soll ein Musikschulorchester sein, dass die Fachgruppen Bläser und Streicher aufbauen. Grundsätzlich spielen die Kinder und Erwachsenen an der Musikschule besonders gerne Klavier und Keyboard. Rund 14 Prozent der Schüler haben dieses Instrument als ihr Hauptfach belegt, danach folgt die Gruppe der Bläser.

Kosten im Fokus

Der dritte Punkt in der Sitzung ist das Thema Gebührenordnung. in den Bereichen Einzel-, Gruppen- und Klassenunterricht sowie Erwachsene. Für das Fach Tanz soll eine eigenständige Gebühr eingeführt werden. Aktuell kosten viermal 45 Minuten Einzelunterricht im Monat für Kinder oder Jugendliche in Baden-Baden 114,50 Euro. Das liegt deutlich über dem Durchschnitt in Baden-Württemberg, der 98,83 Euro beträgt. Auch der Einzelunterricht für Erwachsene liegt mit 249 Euro deutlich höher als die Kosten in anderen Städten der Region. In Gaggenau ist der Einzelunterricht deutlich günstiger mit rund 141 Euro.

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