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„Hotel am Markt“ ist seit 70 Jahren in Familienbesitz

Corona-Krise zermürbt Hotelbetreiberinnen in Baden-Baden

Seit mehr als 300 Jahren besteht das Gebäude, seit 70 Jahren ist das „Hotel am Markt“ in Baden-Baden in Familienbesitz. Wie erleben die Besitzerinnen des Hauses die Corona-Krise?

Stolz auf 70 Jahre „Hotel am Markt“: Andrea Bogner-Schindler (von links), Laura Bövers, Doris Jung und Lisa Baum sehnen sich nach einer Öffnungsperspektive für ihr traditionsreiches Privathotel Garni. Foto: Ralf Joachim Kraft

Die Hotel-Branche hat schon eine lange Durststrecke hinter sich. Sie sucht nach einer Perspektive, hofft, dass es endlich wieder losgeht, und schaut doch in eine ungewisse Zukunft. Denn es ist nicht klar, in welcher Form und wann die Hotels überhaupt wieder öffnen können.

„Januar und Februar 2020 waren richtig gute Monate. Die Vorbuchungen liefen super und es hätte ein grandioses Jahr werden können. Dann kamen Corona und die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Das hat uns von einem Tag auf den anderen den Boden unter den Füßen weggezogen“, sagt Lisa Baum.

Normalerweise profitiert das Baden-Badener „Hotel am Markt“ direkt neben Rathaus und Stiftskirche von der Frequenz in der Stadt, von den Kultureinrichtungen ringsum und von den weltbekannten Bädern.

Frauenquartett leitet Hotel in Baden-Baden

Doch schon seit Monaten herrscht Stillstand. „Und für uns gibt es noch immer keine Öffnungsperspektive. Das zermürbt“, beklagen die Hotelfachfrauen Lisa Baum (37) und ihre Schwester Laura Bövers (33), ihre Mutter Andrea Bogner-Schindler (67) und deren Schwester Doris Jung (71).

Gemeinsam leitet das sympathische Frauenquartett in zweiter und dritter Generation das 1951 von Hildegard und Gustav Bogner eröffnete Hotel, das sich seit 70 Jahren in Familienbesitz befindet. Die vierte Generation ist auch schon auf der Welt.

Von Mitte März bis Ende Mai war das Hotel Garni komplett geschlossen. „Da verfielen wir regelrecht in Aktionismus und haben hier alles schön hergerichtet und herausgeputzt“, erzählen die Frauen auf einem Rundgang durch einige der 21 individuell eingerichteten Zimmer und die beiden schmucken Ferienwohnungen.

Obwohl die ausländischen Gäste fehlten, lief es in den Monaten Juli bis September dann wieder ganz gut, „weil die deutschen Gäste den Mangel ausgleichen konnten“.

Bisherige Corona-Hilfen decken kaum laufende Kosten

Wirtschaftlich von großem Vorteil sei in der schwierigen Situation, „dass wir alle Vier hier mitarbeiten und uns im eigenen Haus befinden“. Auch hätten sie im ersten Lockdown recht zügig die Soforthilfe und im zweiten die November- und Dezemberhilfe erhalten. „Im Großen und Ganzen können wir uns also nicht beklagen. Die Hilfen kamen an. Wie es um die Gelder für Januar und Februar steht, wissen wir nicht.“

Gleichwohl machen die Frauen keinen Hehl daraus, dass die bisherigen Hilfen kaum die laufenden Kosten decken, der Puffer langsam ausgeschöpft ist und jetzt im Hotel nicht mehr viel passieren darf, was Kosten verursacht. Ihre fünf Mitarbeiter mussten sie zum zweiten Mal in Kurzarbeit schicken.

Besitzerinnen des „Hotels am Markt“ dauert der Weg zu mehr Normalität zu lange

„Ganz ehrlich: Wir können hier sämtliche Hygieneauflagen gut erfüllen und machen wirklich alles mit, um die Infektionszahlen zu senken. Aber allmählich müsste es auch mal mit dem Impfen vorangehen“, monieren die Betreiberinnen die langsamen Fortschritte hin zu mehr Normalität.

„Wir wünschen uns nichts sehnlicher als endlich wieder normal arbeiten zu können. Keiner dachte, dass sich das so lange zieht. Jetzt können wir nur warten und hoffen.“

Dennoch, so sagen die Frauen, wäre es eine Illusion zu glauben, „dass wir, wenn es wieder losgeht, von heute auf morgen von null auf hundert durchstarten können. Die Leute werden vorsichtig bleiben.“ Die Zeit nach Corona werde sicher eine andere sein.

Stars wie Caterina Valente, Peter Ustinov und Friedensreich Hundertwasser waren zu Gast

In ganz andere Zeiten kann man übrigens auch eintauchen, wenn man in der Historie des früher als Hotel-Restaurant geführten Hauses stöbert. Vor allem der Blick ins Gästebuch lohnt.

Denn darin hat sich so ziemlich alles verewigt, was Rang und Namen hat. Schauspieler und Musiker, die Verpflichtungen beim damaligen Südwestfunk und beim Theater hatten, kamen gerne in das auch von Kurgästen und Einheimischen geschätzte Restaurant im Herzen der Altstadt.

Größen wie Peter Ustinov, Liselotte Pulver oder Erich Ponto gaben sich hier ein Stelldichein mit Showstars wie Caterina Valente und Bill Ramsey. Auch der Maler Friedensreich Hundertwasser, der Schriftsteller Carl Zuckmayer, der Zoologe Bernhard Grzimek oder der schreibende und filmende Bergsteiger Luis Trenker sind im Gästebuch zu finden – und natürlich noch viele weitere Promis.

Stelldichein der Prominenz: Im „Hotel am Markt“ in Baden-Baden lohnt der Blick ins Gästebuch. Lisa Baum präsentiert den Eintrag des Schauspielers Peter Ustinov. Foto: Ralf Joachim Kraft

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