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Selbst das Brenners ist zu

Corona-Pandemie trifft Touristen-Hochburg Baden-Baden besonders hart

Dass Touristen Corona-bedingt fernbleiben, trifft Baden-Baden ganz besonders. Selbst das traditionsreiche Brenners Park-Hotel musste vorübergehend schließen. Doch die Tourismusbranche in der Kurstadt denkt bereits an die Zeit nach der Krise und will dann erst einmal den deutschen Urlauber in den Blick nehmen.

Da die Touristen ausbleiben, musste selbst das traditionsreiche Brenners Park-Hotel die Tore vorübergehend schließen. Foto: Schultes

An Urlaubsreisen ist in diesen Tagen nicht zu denken. Dass Touristen Corona-bedingt fernbleiben, trifft Baden-Baden ganz besonders.

Die Tourismusbranche in der Kurstadt denkt bereits an die Zeit nach der Krise und will dann erst einmal den deutschen Urlauber in den Blick nehmen. Doch erst einmal herrscht in den Hotels gähnende Leere, so auch im Brenners, wo inzwischen Henning Matthiesen das Sagen hat.

Neuer Brenners-Direktor steht vor besonderer Aufgabe

Seine neue Aufgabe hatte der sich vermutlich einfacher vorgestellt, ganz sicher aber anders. Seit dreieinhalb Monaten ist Matthiesen nun Direktor im traditionsreichen Brenners Park-Hotel und muss direkt ein Szenario managen, das das Grand-Hotel in Baden-Baden seit dem Ersten Weltkrieg nicht mehr erlebt hat.

Die Schwelle, über die in den vergangenen 148 Jahren Könige, Staatschefs und Stars aus den unterschiedlichsten Branchen geschritten sind, hat seit knapp einem Monat kein einziger Gast mehr betreten.

Ein Hotel zu schließen, ist einfacher, als es wieder zu öffnen.
Henning Matthiesen, Direktor des Brenners Park-Hotel

Das Haus hat geschlossen, von den sonst rund 300 Mitarbeitern sind nur noch 20 im Einsatz. Die nutzen die Zeit, um das Brenners auf Vordermann zu bringen, für die Zeit nach Corona – wann immer das sein wird. Denn: „Ein Hotel zu schließen, ist einfacher, als es wieder zu öffnen“, betont Matthiesen: „Und wir werden nicht einfach da weitermachen, wo wir vor dem 20. März waren.“

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Rund 80 Prozent der Hotels in Baden-Baden haben geschlossen

Dieses Datum stellte nicht nur für das Brenners selbst eine Zäsur dar, sondern für die gesamte Kurstadt, findet zumindest Nora Waggershauser. „Das hatte eine symbolische Wirkung. Spätestens in dem Moment war jedem bewusst, was diese Krise bedeutet“, sagt die Chefin von Kur und Tourismus in Baden-Baden. Doch auch andernorts sind die roten Teppiche längst eingerollt.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Rund 80 Prozent der Hotels in Baden-Baden haben komplett dicht gemacht. „Die Krise ist an allen Ecken und Enden spürbar“, sagt Waggershauser. Nur einige wenige Hoteliers halten einen Notbetrieb aufrecht, bieten etwa Unterkünfte für die wenigen Geschäftsreisenden, die noch unterwegs sind, oder für Menschen, die ihr Homeoffice nicht in den eigenen vier Wänden aufschlagen können.

Das Hotel „Der Kleine Prinz“ etwa hat weiterhin geöffnet. Zwei bis drei Zimmer seien pro Nacht belegt, manchmal auch gar keines, berichtet dessen Direktor Andreas Rademacher, der sich auf ein düsteres Jahr 2020 einstellt – und auf ein umso stärkeres Comeback 2021 hofft.

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Kurstadt lebt vom Tourismus

Dass die 55.000-Einwohner-Stadt unter den Corona-bedingten Einschränkungen besonders leidet, hat mehrere Gründe. Der wichtigste: „Baden-Baden lebt vom Tourismus“, betont Waggershauser. In den vergangenen vier Jahren lag die Zahl der Übernachtungen immer über der Millionen-Marke.

Und teilt man diese durch die Einwohnerzahl ergibt sich die sogenannte Tourismusintensität, die in Baden-Baden besonders hoch ist. 2018 habe dieser Wert bei 20 gelegen, erklärt Waggershauser. Zum Vergleich: In ganz Deutschland waren es im gleichem Jahr sechs Übernachtungen pro Einwohner, in Baden-Württemberg fünf. Zudem zieht es bekanntermaßen besonders viele Gäste aus dem Ausland in die Bäderstadt. Rund 40 Prozent betrug deren Anteil 2019, die meisten kamen aus Russland und den Arabischen Golfstaaten.

Den deutschen Markt im Blick

Nun muss Baden-Baden wohl für lange Zeit auf ausländische Touristen verzichten und nimmt deshalb erst einmal den innerdeutschen Markt in den Blick, der sich zuletzt positiv entwickelt hatte. Waggershauser hofft, dass sich diese Tendenz fortsetzt und dass zudem noch mehr jüngere Urlauber an die Oos kommen. Schließlich habe man in den vergangenen Jahren die Marke Baden-Baden verjüngt. Auch Brenners-Chef Matthiesen glaubt, dass der deutsche Markt an Bedeutung gewinnen wird und sieht hier Baden-Baden im Vergleich zur Hotellerie in den Ballungszentren im Vorteil.

Ein Hotelzimmer ist sozusagen verderbliche Ware.
Tourismus-Chefin Nora Waggershauser

Die Verluste aus dem sonst so umsatzstarken Frühjahr werden sich dadurch aber nicht ausgleichen lassen, fürchtet Matthiesen. „Wir verkaufen magische Momente und wir tun das jetzt“, sagt er. Auf einen späteren Zeitpunkt ließen diese sich nicht verschieben. Auch Tourismus-Chefin Waggershauser betont: „Ein Hotelzimmer ist wie ein Tisch in einem Restaurant sozusagen verderbliche Ware. Die kann man nicht für den nächsten Tag, die nächste Woche oder den nächsten Monat aufheben.“

Und selbst wenn der eine oder andere Gast seinen Trip an die Oos nachholen sollte, bleibt ein grundlegendes Problem: „Wir hatten eine hohe Auslastung, kommen also von einem hohen Niveau. Es wird sehr schwierig, das auch nur ein Stück weit aufzuholen.“ Dass ein Hotel bereits ganz konkret um seine Existenz fürchten muss, ist Waggershauser aber noch nicht zu Ohren gekommen. Viele hätten finanziell vorgesorgt und seien nun etwa dabei, ihre Häuser zu renovieren.

Baden-Baden will in der Werbung präsent bleiben

Auf die Zeit nach Corona, wenn die Übernachtungsgäste – woher sie dann auch immer kommen – wieder in die Kurstadt strömen, bereitet sich auch die Kur & Tourismus GmbH gerade vor. „Mit Gästen und Reiseveranstaltern im Gespräch bleiben, die Netzwerke in andere Länder am Laufen halten und in der Werbung präsent bleiben“, nennt Waggershauser als wichtige Aufgaben.

Und wenn die Leute eben gerade nicht nach Baden-Baden reisen können, dann gelte es, Baden-Baden zu den Leuten zu bringen. „Wir bauen gerade unsere Online-Strategien aus“, sagt die Tourismus-Chefin. Das Ziel: die Kurstadt bei den Menschen in Erinnerung halten.

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Waggershauser baut auf Weitsichtigkeit und Flexibilität

Und wenn Reisen dann irgendwann – womöglich unter bestimmten Auflagen – wieder möglich sind, werden die Hotels bereit sein, glaubt Waggershauser. Schließlich seien diese durch das internationale Publikum daran gewöhnt, weitsichtig und flexibel zu agieren. Und das Brenners? Das werde in der Lage sein, verspricht Matthiesen, „in sehr, sehr kurzer Zeit auf das Niveau hochzufahren, auf dem es vorher war“. Und irgendwann werden dann auch wieder Promis aus der ganzen Welt unters rote, vor wenigen Tagen frisch gestrichene Vordach treten.

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