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Golf-Club profitiert von Reisewarnungen

Corona trifft die Golfer in Baden-Baden nicht ganz so hart

Auch der Golf-Club Baden-Baden hat im Corona-Jahr 2020 eine Achterbahnfahrt erlebt. Beim ersten Lockdown wurde der Platz geschlossen. Dann wurden die Beschränkungen gelockert. Seit dem zweiten Lockdown gelten neue Regeln - doch gespielt werden darf weiterhin.

Gerhard Kaufmann auf der Übungsanlage Foto: Ralf Joachim Kraft

An der frischen Luft in der Natur Sport treiben – „viel entspannender geht es nicht; wir sind alle so froh, dass zumindest unser schöner Freiluftsport erlaubt ist“, sagt Helga Schneider, begibt sich mit ihrer bunten Golfschläger-Tasche zum Start am ersten Abschlag, holt nach einigen Probeschwüngen ordentlich aus und schon saust die Kugel in hohem Bogen über das hügelige Grün.

Auch Matthias Schwarz und Marc Ballerstaedt, zwei erfahrene junge Sportler aus Rastatt mit Handicap 6,2 und 5,2, sind happy – nicht nur des tollen Wetters wegen, „sondern weil wir in unserer Freizeit noch Golf spielen dürfen“. Normalerweise schwingen sie im elsässischen Soufflenheim den Schläger, „aber der Platz ist geschlossen“.

Nein, mehr an der frischen Luft und in der Natur als beim Golfen im Park am Fuße des Fremersbergs könne man nun wirklich nicht mehr sein, weiß auch Clubmanager Gerhard Kaufmann. Am sonnigen Sonntag hat er sich mit der Presse getroffen, um sich auf dem Golfplatz über die wohl ungewöhnlichste Saison in der bald 120-jährigen Historie des aktuell 700 Mitglieder zählenden Baden-Badener Golf Clubs zu unterhalten.

Am 19. Mai sind wir von null auf 100 durchgestartet.
Gerhard Kaufmann, Clubmanager

Die Corona-Pandemie hat dem Golfsport im Frühjahr einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. „Vom 17. März bis 18. Mai war hier bei schönstem Wetter alles dicht. Am 19. Mai sind wir dann von null auf 100 durchgestartet. Vom ersten Tag an waren wir komplett ausgebucht und das blieb so bis Ende Oktober“, erzählt Kaufmann, dass viele Golfer, die normalerweise in ferne Länder reisen und exotische Orte besuchen, einfach hiergeblieben seien.

Golfsport hat von den Reisewarnungen profitiert

Andere, „vor allem Norddeutsche“, hätten sich indes dazu entschlossen, Golf-Urlaub im Schwarzwald zu machen. „Insofern haben wir nach dem ersten Lockdown nicht gelitten, sondern von den Reisewarnungen profitiert“, sagt Kaufmann, der am Sonntag zwischen 80 und 100 Golfer erwartet. Finanziell komme man klar. Einbußen verzeichne der Club allerdings durch den kompletten Wegfall der Gast- und Sponsorenturniere und das Fehlen der Greenfee-Einnahmen. Clubinterne Turniere durften unter Auflagen stattfinden. Auf der Beitragsseite blieben die Einnahmen stabil, „es gab keine Kündigungen“.

Auf der Übungsanlage Foto: Ralf Joachim Kraft

Hart trafen und treffen der erste und zweite Lockdown die Club-Gastronomie des langjährigen Pächter-Ehepaars Ulrich und Christine Krause, „die seit 20 Jahren in ihrem Restaurant auch Nichtgolfer begrüßen und zwischen den Schließungen mit nur 50 Prozent ihres normalen Umsatzes auskommen mussten“, berichtet der Clubmanager.

Für die Golfer habe sich mit dem zweiten Lockdown zwar einiges geändert. Die Auswirkungen seien aber nicht so gravierend. „Die Anlage ist gut frequentiert. Wir haben nach wie vor viele Gastspieler und sind alle sehr froh, dass Golfen als Individualsportart laut der neuen Corona-Verordnung weiterhin möglich ist.“

Anlage ist nach wie vor gut frequentiert

Allerdings sei allen bewusst, dass auch regionale und lokale Verordnungen gelten und es zu anderen Regelungen für Golfanlagen kommen könne. Die Entscheidung im Einzelfall liege bei den zuständigen Behörden und beim Gesundheitsamt, sagt Kaufmann.

Um der Problematik mit den „Haushalten“ zu entgehen, dürften in Baden-Baden seit dem 2. November nur noch jeweils zwei Personen, sogenannte „Zweier-Flights“, starten – und zwar nach vorheriger Registrierung und Buchung der Startzeit. Die Übungsanlage darf genutzt werden.

Die Golfschule ist geöffnet und Einzelunterricht gestattet. Im Außenbereich gelten nur die Abstandsregeln, in den geschlossenen Räumen hingegen heißt es: Abstand und Maske. Duschen, Umkleiden und der Vorraum bleiben genauso wie die Außentoiletten bis auf Weiteres gesperrt, alle anderen WCs sind auf. Desinfektionsmittel und Einweg-Papierhandtücher stehen bereit.

Und wie sehen die Pläne für 2021 aus? Kaufmann: „Wir planen normal, schauen, was wir tun können oder auch nicht. In dieser Situation muss man kurzfristig und flexibel reagieren.“

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