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Trotz Empfehlung des RKI

Coronavirus: Mitarbeiter aus dem Elsass trotz RKI-Empfehlung weiter am Daimler-Band?

Ignoriert Daimler die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts? Obwohl die Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten bereits gestern die Region Grand Est in Frankreich, zu der das gesamte Elsass gehört, als Corona-Risikogebiet eingestuft hat, wurden die im nahen Grenzgebiet wohnenden Mitarbeiter im Rastatter Mercedes-Benz-Werk offensichtlich auch am Donnerstag an ihren Arbeitsplatz gerufen.

Im Rastatter Mercedes-Benz-Werk sollen trotz der Warnung des Robert-Koch-Instituts auch am Donnerstag die im Elsass lebenden Mitarbeiter eingesetzt worden sein. Foto: Collet

Ignoriert Daimler die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts? Obwohl die Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten bereits am Mittwoch die Region Grand Est in Frankreich, zu der das gesamte Elsass gehört, als Corona-Risikogebiet eingestuft hat, wurden die im nahen Grenzgebiet wohnenden Mitarbeiter im Rastatter Mercedes-Benz-Werk offensichtlich auch am Donnerstag an ihren Arbeitsplatz gerufen.

Unsere Redaktion erhielt im Verlaufe des Vormittags eine Nachricht von einem anonymen Mailkonto, dass die Geschäftsleitung die Warnung des RKI ignoriere.„Es sind circa 600 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Produktion und weitere 100 in der Verwaltung aus den genannten Regionen (gemeint sind Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne; Anm. d. Red.) weiterhin uneingeschränkt im Werk tätig“, so der Informant.

Sein Vorwurf: „Damit trägt das Unternehmen nichts zur Eindämmung der aktuellen Infektionswelle bei.“

Ein stichprobenhafter Test ergab, dass am Donnerstag etliche Fahrzeuge mit elsässischem Kennzeichen auf dem Firmenparkplatz standen.

Mitarbeiter aus dem Elsass offenbar weiter in der Produktion eingesetzt

Auch Beiträge in regionalen Facebook-Gruppen deuteten darauf hin, dass im Elsass lebende Mitarbeiter wie gewohnt ihrer Arbeit bei Daimler nachgehen. In einem Screenshot, der aus dem Daimler-Intranet stammen soll, heißt es, dass Mitarbeiter aus der Region Grand Est zur Arbeit kommen sollen.

„Grenze wird nicht dicht gemacht und die Elsässer arbeiten ganz normal im Mercedes Werk Rastatt! 12.03.2020 Frühschicht“, postete am Donnerstagmorgen ein User bei Facebook.

Bereits Anfang der Woche war beim größten Arbeitgeber der Region ein erster Coronafall bekannt geworden. Das Unternehmen mit Sitz in Stuttgart bestätigte bislang lediglich, dass Mitarbeiter positiv auf Corona getestet wurden, machte aber keine Angaben dazu, wie viele Fälle es konkret sind und in welchem Werk. Die Personen befänden sich in ärztlicher Behandlung und es gehe ihnen den Umständen entsprechend gut.

Die Pressestelle des Unternehmens machte auf mehrere Anfragen dieser Zeitung zum Grenzgebiet Elsass lediglich allgemeine Ausführungen: „Wir beobachten die Entwicklungen in Bezug auf die aktuelle Situation sehr genau und passen unsere Maßnahmen entsprechend an. Für Details zu Auswirkungen auf das Werk Rastatt ist es derzeit noch zu früh. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Wohnorte unserer Mitarbeiter nicht ausweisen. Die Produktion in unserem Werk Rastatt läuft.“ Die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter stehe an erster Stelle.

Wird Profit über die Gesundheit der Mitarbeiter gestellt?

Gestern Nachmittag meldeten sich mehrere Mitarbeiter des Unternehmens telefonisch sowie per Mail. Ein Schichtarbeiter, der namentlich nicht genannt werdne wollte, unterstellte der Geschäftsleitung, dass aufgrund der hohen Nachfrage nach den in Rastatt produzierten Modellen die im Elsass lebenden Mitarbeiter nicht heimgeschickt wurden und ein Risiko in Kauf genommen wurde.

„Profit wird über Gesundheit gestellt“, betonte ein weiterer Anrufer. Auch sei der Produktionsbereich, in dem ein infizierter Arbeiter beschäftigt war, erst auf ausdrückliche Forderung der Kollegen desinfiziert worden, bestätigen beide Anrufer unabhängig voneinander. „Man spielt mit der Gesundheit der Mitarbeiter“.

Ein Leserbriefschreiber aus dem Elsass gab sich als Mitarbeiter des Gaggenauer Mercedes-Benz-Werks aus. Auch dort sei in dieser Woche ein Coronafall aufgetreten. Ein Daimler-Sprecher bestätigte dies.

Kehrtwende am Abend

Am Donnerstagabend gab es eine Kehrtwende von Daimler: Telefonisch wurden laut BNN-Informationen die im Elsass lebenden Mitarbeiter informiert, dass sie am folgenden Tag nicht arbeiten müssen.

Der Rastatter Landrat Toni Huber (CDU) erwartet erhebliche Auswirkungen auf die Unternehmen im Landkreis. "Wir haben rund 7.000 Einpendler jeden Tag aus dem Elsass", so Huber. Eine Anweisung vom Land, wie unter anderem Unternehmen, Behörden, Pflegeheime und Kliniken den potenziellen Wegfall von Arbeitskräften kompensieren sollen, fehle bislang.

Im Rastatter Landratsamt fordert man klare Vorgaben der Landesregierung, wie mit den Einschätzungen des RKI umzugehen ist. Bislang handele es sich um Empfehlungen, welche Konsequenzen die Unternehmen daraus ziehen, liege in deren Verantwortungsbereich, erklärte Gisela Merklinger, Pressesprecherin und persönliche Referentin des Landrats.

Mittlerweile 16 Coronafälle in Rastatt und Baden-Baden nachgewiesen

Im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden stieg mittlerweile die Zahl der Corona-Fälle um drei Fälle auf 16 Personen an. Alle befinden sich laut Gesundheitsamt in häuslicher Isolation und sind in einem stabilen Allgemeinzustand.

Neben der Verbreitung des Coronavirus haben das für den Landkreis Rastatt Rastatt und den Stadtkreis Baden-Baden zuständige Gesundheitsamt Rastatt und das Klinikum Mittelbaden auch eine noch immer starke Grippewelle zu bewältigen: In dieser Saison sind bislang 753 Menschen an Influenza erkrankt, 65 Grippe-Patienten mussten stationär behandelt werden, so die Pressestelle des Landratsamtes.

Dieser Artikel wird aktualisiert.

Wie wir über die Auswirkungen des Coronavirus berichten

Auf bnn.de berichten wir zurzeit verstärkt über die wichtigsten Entwicklungen rund um Corona in der Region rund um Karlsruhe, Bretten, Pforzheim, Rastatt und Bühl. Jeden Tag schränken Kliniken die Besuchszeiten ein, Schulen schließen, Firmen schicken Mitarbeiter nach Hause. Es ist selbst für unsere Redaktion zeitweise schwierig, den Überblick zu behalten. Deshalb filtern wir für unsere Leser aus der Flut an Informationen, welche der vielen Corona-Meldungen wichtig sind – unter anderem in dieser Übersicht .

Alle Informationen prüfen wir, um keine Falschinformationen zu verbreiten. Viele Menschen, auch in unserer Redaktion, machen sich ohnehin Sorgen. Wir möchten sie informieren und nicht verunsichern.

Zwei unserer Kollegen befassen sich ausschließlich mit dem Thema Corona – als unsere internen Experten. Viele weitere BNN-Redakteure recherchieren täglich zu den Auswirkungen von Covid-19 in den Städten und Gemeinden der Region. Unsere Autoren sprechen mit Entscheidern in den Landratsämtern, Krankenhäusern und in Firmen. Gleichzeitig telefonieren sie (Betroffene treffen wir derzeit nicht persönlich) mit Menschen, die Cafés schließen, Veranstaltungen absagen oder zu Hause bleiben müssen.

So möchten wir dazu beitragen, dass Menschen in der Region sich auf dem aktuellsten Stand halten können, um die richtigen Entscheidungen für ihren Alltag und ihre Gesundheit zu treffen.

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