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Investitionen stehen an

Das Klinikum Mittelbaden verringert sein Defizit

Die finanzielle Situation des Krankenhaus-Verbunds ist weiter angespannt. Die Bilanz weist seit 2012 rote Zahlen aus. Der Standort Baden-Baden-Balg ist für eine weitere Corona-Welle gewappnet.

Besserer Ausgleich: Die Krankenkassen erstatten dem Klinikum Mittelbaden künftig die tatsächlichen Kosten für die sogenannte Pflege am Bett. Das Foto zeigt die Notaufnahme in der Klinik Baden-Baden-Balg. Foto: Albert Fritz

Die finanzielle Situation des Klinikums Mittelbaden (KMB) bleibt weiter angespannt. Die Bilanz des Klinikverbunds und seiner Tochtergesellschaften in der Trägerschaft des Landkreises Rastatt und des Stadtkreises Baden-Baden weist für 2019 einen Verlust von knapp drei Millionen Euro aus. Im Jahr zuvor lag das Minus des Klinik-Verbunds bei rund 5,8 Millionen.

Das Defizit wäre noch höher ausgefallen, wenn die Pflegeheime des Klinikums nicht ein positives Ergebnis von 1,2 Millionen Euro erwirtschaftet hätten.

Zudem sei es mit Unterstützung der beiden Gesellschafter gelungen, das Defizit zu reduzieren und weitere Weichen zu stellen, um die Angebote zu straffen und zu konzentrieren, betonte Jürgen Jung bei der Präsentation der Jahresbilanz.

Die Zahl der ambulant behandelten Patienten steigt

Der Kaufmännische Geschäftsführer des KMB wies darauf hin, dass der „Krankenhaus-Konzern“ seit 2012 rote Zahle schreibe. Er erwartet, dass die Situation sich im kommenden Jahr verbessern werde, weil seit 2020 eine Neuregelung für die sogenannte Pflege am Bett gelte. Das heißt, die Krankenkassen gliederten diesen Anteil aus den Fallpauschalen aus und erstatteten den Klinik die tatsächlich entstandenen Kosten.

Jung zufolge umfasst dieser Ausgleich auch die jeweilige Tarifstruktur für die Pflegekräfte. Der Geschäftsführer kalkuliert mit einem zusätzlichen Erlös von annähernd 3,6 Millionen Euro. „Das ist eine deutliche Verbesserung. Hätte es das bereits in diesem Jahr gegeben, hätten wir eine ausgeglichene Bilanz“, erläuterte Jung.

Die Zahl der stationär behandelten Patienten ist nach Auskunft des Medizinischen Geschäftsführers Thomas Iber im Vorjahr nahezu konstant geblieben. Die Akutklinik Baden-Baden Bühl registrierte 24.620, in Rastatt-Forbach waren es 13.752 Patienten. Die Zahl der Patienten in ambulanter Behandlung ist von 71.636 (2018) auf 73.427 gestiegen. „Wir sind auf einem guten Weg, diese moderne Entwicklung mitzumachen”, betonte Iber.

Der Umbau zu einem Mutter-Kind-Zentrum kommt voran

In den beiden Krankenhäusern Baden-Baden und Rastatt sind im Vorjahr insgesamt 2.075 Kinder auf die Welt gekommen. Das sind 76 Neugeborene mehr als 2018. Jung wies darauf hin, dass der Ausbau des Mutter-Kind-Zentrums am Standort Balg trotz der Diskussion um eine künftige zentrale Groß-Klinik planmäßig weiterlaufe.

Im Frühherbst sollen die Arbeiten für die neuen Kreißsäle beginnen. „Wir nehmen unsere Aufgaben so wahr, dass wir immer betriebsfähig sind”, sagte Jung. Iber zufolge stehen in Balg nach dem Umbau genau so viele Kreißsäle zur Verfügung wie bisher an mehreren Standorten.

Der mittelbadische Krankenhaus-Verbund hat seit seiner Gründung im Jahr 2004 rund 167 Millionen Euro in seine Strukturen und Angebote investiert. Etwa die Hälfte hat das Klinikum nach Jungs Angaben selbst finanziert. Neben dem Mutter-Kind-Zentrum sind weitere große Projekte vorgesehen.

Das komplett umgebaute Altenheim Schafberg in Lichtental wird Mitte September mit 75 Einzelzimmern wieder eröffnen. Das Angebot mit Tages- und Kurzeitpflegeplätzen im ehemaligen Krankenhaus Forbach soll ebenfalls im September starten.

Die Verträge für das Kuppenheimer Haus, das Pflegebedürftige unter 60 Jahren betreuen soll, sind Jung zufolge inzwischen unterschrieben.

Die Ärzte haben bislang 138 Covid-19-Patienten behandelt

Die Corona-Isolierstation des Klinikums Mittelbaden (KMB) am Krankenhaus-Standort Balg hat bislang 138 Patienten behandelt, die an Covid-19 erkrankt waren. Davon waren 52 auf der der Intensiv-Station, wie Thomas Iber bei der Vorstellung der Jahresbilanz informierte. 23 Patienten sind bislang in Balg gestorben.

Nach Auskunft des Medizinischen Geschäftsführers hat das Klinikum eine Kapazität für bis zu 650 Patienten geschaffen. Er begründet dies damit, dass bis zum Vorliegen des Testergebnisses nicht klar sei, ob ein Betroffener an Grippe oder an Covid-19 erkrankt sei. Zeitweise seien bis zu 120 Betten belegt gewesen.

„Wir waren eine Schwerpunkt-Region”, betonte Iber. Die Zahl der in Balg behandelten Covid-19-Patienten sei deutlich höher gewesen als an den Krankenhäusern in der Umgebung. Die Corona-Ambulanz habe dazu beigetragen, das Aufkommen der erkrankten Menschen zu bewältigen. Dennoch sei es erforderlich gewesen, in der Hochphase sechs Patienten nach Karlsruhe und Mannheim zu verlegen.

Klinik in Balg fährt Kapazität der Corona-Station zurück

Die Isolier-Abteilung im zweiten Obergeschoss ist Iber zufolge mittlerweile auf eine Station zurückgefahren. Das Krankenhaus sei jedoch in der Lage, die Kapazitäten in wenigen Tagen zu erhöhen, sollte sich eine zweite Corona-Welle abzeichnen.

Die finanziellen Folgen der Corona-Krisen für das Klinikum Mittelbaden sind derzeit noch nicht abschätzbar. „Das ist derzeit Kaffeesatz-Leserei”, sagte der Kaufmännische Geschäftsführer Jürgen Jung.

Die Krankenhäuser hätten etwa sieben Prozent weniger Patienten behandelt und die Angebote um rund 40 Prozent reduziert, um die benötigten Freiräume für Covid-19-Patienten zu schaffen. Dafür zahle der Bund einen Ausgleich. „Es gibt bestimmte Felder, da kommen wir hin, für andere gilt das nicht”, erklärte Jung.

Der Geschäftsführer geht davon aus, dass das durch die Corona-Pandemie ausgelöste Defizit sich auf rund neun Millionen Euro summieren könnte - vorausgesetzt, die eine zweite Welle bleibt aus. Trotz der finanziellen Hilfen von Bund und Land könnte auf den mittelbadischen Klinik-Verbund am Ende ein Minus von fünf bis sechs Millionen Euro zukommen. Mit etwas Glück könnte es Jung zufolge bei den Pflegeheimen auf eine Null hinauslaufen.

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