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Direkter Kontakt fehlt

Das machen Schulsozialarbeiter in der Corona-Krise

Sie sind Kummerkasten, Streitschlichter und Problemlöser: Schulsozialarbeiter stehen in ihrem Arbeitsalltag in engem Kontakt mit Schülern, Eltern und Lehrern. Doch durch das Coronavirus sind im Moment alle Schulen geschlossen, Begegnungen zwischen Schülern und Lehrern finden nur noch digital statt. Für die Sozialarbeiter bedeutet das Umdenken.

Zusammen mit seinem Hund Lino macht Sozialarbeiter Benedikt Huck seine Touren, bei denen er beliebte Treffpunkte kontrolliert. Foto: Alina Meier

„Wir sind Ansprechpartner für Schüler, Lehrer und Eltern etwa für Streitschlichtungen, Anliegen aus dem privaten Bereich aber auch im Streitfall außerhalb der Schule“, erklärt Karin Feist, Sozialarbeiterin an der Lothar-von-Kübel-Grundschule in Sinzheim, und spricht damit auch für ihre zwei Kollegen.

Benedikt Huck ist Sozialarbeiter in der gleichnamigen Realschule und auch seine Arbeit findet hauptsächlich in der Schule statt. Dominik Springmann ist der Leiter des Begegnungszentrums Sankt Vinzenz der Gemeinde mit Angeboten für Jugendliche, Senioren und Familien.

Direkter Kontakt zu den Jugendlichen ist durch Coronavirus weggebrochen

„Normalerweise haben wir in der Schule und bei den Veranstaltungen direkten Kontakt zu den Jugendlichen. Der ist durch das Coronavirus von jetzt auf gleich weggebrochen“, sagt Huck. Doch gerade um den Kontakt geht es bei ihrer Arbeit primär, sodass diese im eigentlichen Sinn momentan nicht stattfinden kann.

Das bestätigt auch Sebastian Hermann, Sozialarbeiter an der Werkrealschule Lichtental: „Die Beziehungsarbeit als zentrales Element und die Niederschwelligkeit unserer Angebote fallen weg, was alles erschwert.“ Projektarbeit mit Schülern, soziales Kompetenztraining und Prävention, aber auch Beratung der Eltern und Austausch mit Lehrern - das alles findet sonst zur Schulzeit statt und ist im regulären Betrieb deutlich einfacher.

Unterstützungs- und Beratungsangebote bestehen weiterhin per Telefon und E-Mail

Hermann legt seinen Fokus jetzt erst mal auf Büroarbeiten, für die im Regelbetrieb oft die Zeit fehlt: Dokumentation, konzeptionelles Arbeiten oder die Vorbereitung von Projekten. „Wir stellen uns jetzt schon auf einen erhöhten Beratungsaufwand nach der Krise ein.“ Trotzdem besteht sein Unterstützungs- und Beratungsangebot natürlich weiterhin, betont Hermann. Die Schüler können ihn telefonisch, per E-Mail und über die Internetseite der Schule immer erreichen.

Auch das Sozialarbeiter-Team in Sinzheim ist trotz geschlossener Einrichtungen nicht untätig. Seit vor knapp drei Wochen alle 32 Spiel- und Bolzplätze in Sinzheim gesperrt wurden, machen die drei regelmäßig ihre Touren in und um die Gemeinde.

Sinzheimer Sozialarbeiter kontrollieren Aufenthaltsverbot an beliebten Treffpunkten

Dabei kontrollieren sie das Aufenthaltsverbot und versuchen, mit denen, die sich dort noch aufhalten, ins Gespräch zu kommen. „Wir wollen dabei nicht unbedingt die reine Kontrollfunktion ausüben, sondern aufklären und Verständnis schaffen“, sagt Dominik Springmann.

Das Problem sind dabei weniger die offiziellen Plätze, sondern beispielsweise Rebschutzhütten oder Bänke in den Weinbergen, weiß der 27-jährige Benedikt Huck, der bei den Touren immer seinen Hund Lino dabei hat. „Einerseits sollen die Jugendlichen ja an die frische Luft gehen, aber sich halt nicht zum Partymachen treffen“, sagt er.

Trotzdem sind die Reaktionen auf ihre Kontrollen überwiegend einsichtig und verständnisvoll und von Runde zu Runde treffen die Sozialarbeiter weniger Leute. „Wir sind ja nicht vom Ordnungsamt und nehmen auch keine Personalien auf, wir sollen und wollen nur sensibilisieren“, bestätigt Karin Feist.

Ideen und Tipps gegen die Corona-Langeweile

Vormittags besprechen die drei täglich in einer Telefonkonferenz, was sie den Jugendlichen zur Zeit trotzdem an Beschäftigung und Programm bieten können. Sie versuchen zum Beispiel über das Nachrichtenblatt der Gemeinde, Kontakt zu den Schülern zu halten. Ihre Zielgruppe erreichen sie allerdings noch besser in den sozialen Medien, wo sie Ideen und Tipps gegen die Corona-Langeweile vorstellen.

„Zimmer umgestalten, ein gutes Buch lesen, Musik und Podcasts hören oder alte Fotos anschauen“, nennt Huck Beispiele. Auf der Internetseite der Gemeinde haben sie eine Link-Liste mit Back-, Koch- und Bastelideen bereit gestellt, die immer wieder aktualisiert wird. Außerdem fordern sie die Jugendlichen auf, ihnen eigene Anregungen zu schicken.

Anlass zu Sorgen wegen konkreter Fälle haben die Sozialarbeiter zur Zeit nicht., auch wegen der guten Zusammenarbeit mit dem Jugendamt. „Allerdings haben wir schon ein bisschen Bedenken, dass es durch das gemeinsame Zuhause-sitzen durchaus zu Konfliktpotenzial kommen könnte. Das ist ja auch für die Schüler eine ganz neue Situation“, sagt Huck. Er steht deswegen mit der SMV der Realschule in Kontakt, bekommt von dort aber die Rückmeldung, dass noch alles entspannt ist.

Sollte es trotz guter Tipps dennoch irgendwelche Probleme geben, dürfen sich die Schüler jederzeit bei den Sozialarbeitern melden. „Ich bin täglich von 8 bis 12 Uhr auf meinem Diensthandy für mögliche Anliegen erreichbar“, sagt Feist. Benedikt Huck ist trotzdem jeden Tag in der Realschule vor Ort und bei Problemen über Telefon, dienstliche E-Mail-Adresse und die sozialen Medien kontaktierbar.

Kontakt

Die Ideen und Angebote der Sozialarbeiter finden sich bei Instagram unter jugend_sinzheim oder auf dem Facebook-Account des Begegnungszentrum Sankt Vinzenz Sinzheim sowie im Jugendportal in der Sinzheim-App.

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