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Baden-Baden

Flugplatz Baden-Oos und Luftsportvereinen droht das Aus

Mit dem Ende des Flugplatzes Baden-Oos droht auch den beiden dort ansässigen Luftsportvereinen das Aus. Geht es nach dem Willen von Oberbürgermeisterin Margret Mergen, dann soll auf dem etwa 26 Hektar großen Areal ein neues Gewerbegebiet entstehen. Das letzte Wort in der Sache hat der Baden-Badener Gemeinderat.

Für den Erhalt des Flugplatzes Oos werben Mitgieder des Aeroclubs Baden-Baden - wie auf diesem Bild vom September 2019, als ein Zeppelin der neuen Generation in Oos zu Rundflügen abhob. Foto: Bernd Kamleitner

Im  Sommer wird der Flugplatz Baden-Oos 110 Jahre alt. Möglicherweise wird dann letztmals ein großes Fest auf dem Gelände gefeiert. Die Tage der 790 Meter langen Graspiste vor den Toren der Stadt, die von Segelfliegern und Piloten mit kleinen Motorflugzeugen genutzt wird, sind gezählt.

Die fliegerische Nutzung des 26 Hektar großen Areal soll einer gewerblichen weichen. Weil Gewerbeflächen an der Oos rar sind, aber nach Angaben der Stadt für die wirtschaftliche Entwicklung gebraucht werden, soll aus dem verbliebenen Areal des früheren Verkehrslandeplatzes das werden, was ein Teil des einst größeren Flugplatzes bereits ist: ein Gewerbegebiet. Das kündigte Oberbürgermeisterin Margret Mergen im Gespräch an.

Dass sie damit bei den betroffenen Vereinen alles andere als Begeisterung entfacht, ist der Rathauschefin bewusst. Doch die fliegerische Nutzung des städtischen Geländes habe zuletzt schon unter der Prämisse gestanden, dass eine langfristige Überlassung nicht möglich sei.

Der Vertrag verlängert sich derzeit ohne eine Kündigung jeweils um zwei Jahre. Bei einem Gespräch mit dem Segelflug- und Luftsportverein Aero-Club Baden-Baden und der Fliegergruppe Gaggenau vor dem Jahreswechsel sei den Vereinen offenbart worden, dass die Stadt den Vertrag Ende 2022 auf das Jahr 2024 kündigen werde.

Das letzte Wort hat der Gemeinderat

Das letzte Wort in der Angelegenheit wird der Gemeinderat haben, betont Margret Mergen. Sie werde dem Gremium aber empfehlen, die Fläche künftig gewerblich zu nutzen. „Wir müssen abwägen, was für die Stadt mit Blick in die Zukunft wichtig ist“, begründet die Kommunalpolitikerin ihre Entscheidung.

Oberbürgermeisterin: Stadt braucht Gewerbeflächen

Diese basiere unter anderem auf dem Fazit eines Gutachtens: Demnach habe die Bäderstadt allein bis zum Jahr 2035 einen zusätzlichen Gewerbeflächenbedarf von 22 Hektar, erläutert die CDU-Politikerin. Unter dem Strich gehe es um Arbeitsplätze.

Das Aus für den Flugbetrieb auf dem Gelände, das im August 1910 der erste deutsche Zeppelin-Landesplatz außerhalb der Werft in Friedrichshafen am Bodensee war, schwebt demnach schon seit dem Jahr 2017 wie ein Damoklesschwert über den Areal.

Junge Mitglieder des Aeroclub Baden-Baden üben am selbst gebauten Flugsimulator. Foto: Bernd Kamleitner

Vereine wollen Piste erhalten

Als im September des vergangenen Jahres während des New Pop Festivals ein Zeppelin der neuen Generation vier Tage lang vom Flugplatz in Oos zu Rundflügen über Baden-Baden abhob, trugen Mitglieder des Aeroclubs Shirts mit einer unübersehbaren Botschaft: „Der Flugplatz Oos muss bleiben!“

Aus ihrem sehnlichsten Wunsch haben die Luftsportvereine kein Geheimnis gemacht: Sie würden das Gelände gerne langfristig für ihre Zwecke nutzen.

Ausweichfläche für Luftsport nicht in Sicht

Die Tatsache, dass eine alternative Piste auf der Gemarkung im Stadtkreis nicht in Sicht ist, verschärft die Problematik der Clubs. Das weiß auch Mergen. Hinzu kommt, dass andere Flugsportvereine in der Umgebung von Baden-Baden zwar einzelne Mitglieder aber nicht einen kompletten Verein übernehmen können. So steuern die beiden Clubs einer ungewissen Zukunft entgegen.

Mergen  teilt  Begeisterung der Segelflieger für ihr Hobby

Die große Begeisterung der Mitglieder für ihr Hobby kann die Oberbürgermeisterin übrigens gut nachvollziehen, sagt sie. Schon dreimal sei sie vom Flugplatz Baden-Oos zu Rundflügen gestartet. Das habe ihr „unglaublichen Spaß“ gemacht. Kurzfristig habe sie sogar überlegt, den Segelflugschein zu machen. Doch dazu kam es nicht. „Mir fehlt die Zeit“, begründet Mergen den Rückzieher.

Doppelter Glücksfall

Auf der Landebahn des traditionsreichen Verkehrslandeplatzes Baden-Baden ist nach dem Umzug des Flugbetriebs im Jahr 1999 an den Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden in Rheinmünster-Söllingen das Gewerbegebiet Ost-West entstanden.

Mergen sieht diese Entwicklung als "doppelten Glücksfall".  Zum einen verfüge Baden-Baden nach wie vor über eine Luftverkehrsanbindung am nahe gelegenen Regionalflughafen, zum anderen sei durch den Abzug des kanadischen Militärstützpunktes in Söllingen in Oos eine wertvolle Gewerbefläche für die Stadt gewachsen.

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