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Investition in Millionenhöhe

Der neue Ofen im Krematorium in Baden-Baden läuft schon heiß

Seit Monaten wird niemand im Baden-Badener Krematorium verbrannt. Das soll sich bald ändern: Für den 24. August ist der Probelauf des neuen Ofens geplant.

Wissen, wie es geht: Frank Geyer, Geschäftsführer des Krematoriums, und Martin Stubenrauch, geprüfter Krematoriumstechniker, erklären die Technik des neuen Ofens. Foto: Catrin Dederichs

Ein bisschen Baustellen-Flair hat es noch, das Krematorium in Baden-Baden. Hier und da stehen Kartons oder Werkzeugkisten herum, Glaswolle blitzt an Trägern hervor und Kabel liegen offen. Der neue Ofen aber läuft schon seit Wochen heiß - und das, obwohl dort nach wie vor keine Leichen verbrannt werden. Momentan geht es darum, das Bauwasser aus der Anlage zu bekommen.

Am 24. August soll das neue Krematorium laut Geschäftsführer Frank Geyer tatsächlich den Betrieb aufnehmen.

Die Kapazitätsgrenze des alten Ofens war längst überschritten.
Frank Geyer, Geschäftsführer des Krematoriums

Das Aus für die alte Anlage kam Anfang März. „Sie hatte einfach einige Jahre auf dem Buckel, es hätten große Investitionen angestanden”, sagt Geyer.

Der Geschäftsführer nennt die Vorteile der neuen Anlage: Demnach verbrennt der Ofen sauberer, praktisch geruchlos, erleichtert den Mitarbeitern die Arbeit und kann theoretisch rund um die Uhr laufen.

„Die Kapazitätsgrenze des alten Ofens war längst überschritten”, erläutert er. „Ausgelegt war die Anlage für 800 Einäscherungen im Jahr, inzwischen haben wir mehr als 2.000.”

Alles genau dokumentiert: Sechs Leichen verbrannte das Krematorium im Entstehungsjahr 1909. Foto: Catrin Dederichs

Aktuell werden die Verstorbenen in Pforzheim verbrannt

Obwohl seit Monaten niemand mehr in Baden-Baden verbrannt wird, rollen dennoch täglich Bestatter vor und schieben Leichen in den Kühlraum. Das Krematoriums-Personal erstellt weiterhin alle notwendigen Papiere und unterstützt den Amtsarzt bei der zweiten Leichenschau.

Bekannte Persönlichkeit: Der Körper von Robert Koch wurde in Baden-Baden verbrannt und anschließend nach Berlin transportiert. Foto: Catrin Dederichs

Zum eigentlichen Verbrennen bringen die Mitarbeiter die Verstorbenen derzeit nach Pforzheim. „Wir fahren täglich, bei Bedarf auch mehrfach”, sagt Geyer. „Das Projekt ist mit Pforzheim abgestimmt. Dort wurde gerade eine zusätzliche Ofenanlage fertig, die läuft derzeit nur für uns.”

Anstehende Restarbeiten: An wenigen Stellen guckt noch blanker Stahl hervor. Foto: Catrin Dederichs

Mehrkosten für die Fahrt nach Pforzheim übernimmt das Krematorium

Die Zeit von der Einlieferung bis zur Bestattung bleibt trotz der zusätzlichen Wege gleich, versichert Geyer. Auch teurer wird es - zumindest für die Hinterbliebenen - nicht. „Was an zusätzlichen Kosten entsteht, tragen wir. Für die Familie ändert sich nichts.”

Der Anlieferungsbereich: Tag und Nacht kommen Bestatter und bringen Verstorbene in die Kühlzellen. Per Magnetkarte haben zu Zugang. Foto: Catrin Dederichs

Eine Einschränkung gibt es dennoch durch die Bauarbeiten: Wegen Lärm und Dreck ist ein Trauerraum momentan geschlossen.

Die Investition geht schnell in die Millionen Euro.
Frank Geyer, Geschäftsführer des Krematoriums

Ganz unterschiedliche Gewerke vom Stahlbau über Tiefbau, Statik, Filtertechnik und Ofenbau waren in den vergangenen Monaten im Einsatz. Mehr als 40 Tonnen Ausbau- und Dämm-Material sind Geyer zufolge in der neuen Anlage verarbeitet.

Darüber wacht der Chef persönlich: Das erste Aschenbeisetzungs-Buch hat seinen Stammplatz im Büro von Geschäftsführer Frank Geyer. Seit 1909 sind alle Verbrennungen in diversen Aufschriften genau dokumentiert. Heute erfassen die Mitarbeiter alle Beisetzungen im Computer. Foto: Catrin Dederichs

Um die Baukosten im Plan zu halten, erledigten Friedhof-Mitarbeiter den Rückbau und die Verputz-Arbeiten selbst. Trotz dieser Einsparungen „geht die Investition schnell in die Millionen Euro”, wie Geyer sagt.

Energie kommt durch das Verbrennen der Vollholzsärge

Beim Start in der kommenden Woche wird der Ofen noch weiter hochgefahren. Mindestens 850 Grad muss er erreichen. Der überwiegende Teil der Energie kommt durch das Verbrennen der Vollholzsärge.

Letzte Arbeiten: Wenn der Saal sauber und bestuhlt ist, können hier auch wieder Trauerfeiern stattfinden. Foto: Catrin Dederichs

„Zusätzlich brauchen wir aber noch Gas, um den Ofen auf Temperatur zu bringen”, sagt Geyer. Rund 90 Minuten dauert es, bis eine Leiche verbrannt ist, bei stark übergewichtigen Menschen auch länger.

„Ein Mann, der 1,95 Meter groß und 150 Kilo schwer ist, verbrennt anders, denn Fett wird viel heißer.”

Noch liegen die Kabel offen: Spätestens beim Probelauf soll die Technik geschlossen sein. Martin Stubenrauch (links) und Frank Geyer sehen nach dem Rechten. Foto: Catrin Dederichs

Mit dem Verlauf der Bauarbeiten zeigt sich der Chef sehr zufrieden. „Es gab ein paar Herausforderungen, etwa Deckenträger, die wider Erwarten nicht in der benötigten Stärke durchgehen”, sagt er.

„Aber einfach kann ja jeder.” Der Probelauf war ursprünglich für den 25. August geplant, jetzt wird es einen Tag früher.

Begleiter von der Einlieferung ins Krematorium bis ins Grab: Jeder Tote erhält eine Einäscherungsnummer. Der feuerfeste Stein kommt mit in den Ofen und soll sicherstellen, dass die Asche in die vorgesehene Urne kommt. Foto: Catrin Dederichs

Robert Koch wurde in Baden-Baden verbrannt

Seit 1909 werden Verstorbene auf dem Baden-Badener Hauptfriedhof eingeäschert. Das hiesige Krematorium ist damit eines der ältesten in ganz Deutschland. Die wohl bekannteste Person, die in Baden-Baden verbrannt wurde, ist der Arzt und Hygieniker Robert Koch.

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