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Das städtische Leben steht weitgehend still

Der Teil-Lockdown trifft Baden-Baden hart

Die Folgen der verschärften Corona-Verordnung für die Tourismus-Hochburg und Kulturstadt an der Oos sind noch nicht absehbar. Kulturbetriebe, Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel stehen vor schweren Zeiten.

Leeres Restaurant: Hotelier und Gastronom Andreas Rademacher darf keine Gäste mehr beherbergen und bewirten. Er macht sich Sorgen um seinen Betrieb. Foto: Sidney-Marie Schiefer

Margret Mergen muss gar nicht lange nachdenken: „Das ist ein herber Schlag für die Stadt“, kommentiert Baden-Badens Oberbürgermeisterin die schärferen Corona-Regeln, die ab nächster Woche gelten werden. Vor allem für die Gastronomie, Hotellerie und Kultureinrichtungen seien die vorgesehenen Einschränkungen sehr bitter. Baden-Baden als Kultur- und Tourismus-Hochburg leide massiv darunter, dass das öffentliche Leben teilweise wieder stillstehen müsse. Zumal das Geschäft in Kneipen, Restaurants und Hotels nach dem Lockdown im Frühjahr sich im Sommer einigermaßen erholt habe.

„Das war fast schon wieder normal“, schildert die Rathauschefin ihre Eindrücke im Gespräch mit unserer Redaktion. Die neuerlichen Einschränkungen kämen in einer Phase, in der sich die Zahl der Neuinfektionen nach einem rasanten Anstieg in den vergangenen Wochen bei einem Sieben-Tage-Inzidenzwert von knapp unter 60 eingependelt habe. Mergen hofft, dass die strengen Reglementierungen in den nächsten vier Wochen Wirkung zeigen, damit die Menschen dann etwas unbeschwerter Weihnachten feiern können.

Gastronomen und Hoteliers haben wenig Verständnis für die Schließungen

„Wir haben uns so bemüht, haben so viel gemacht, alles getan, was vorgegeben war, und mehr. Wir haben Geld investiert“, sagt Andreas Rademacher. Der Betreiber des Hotels und Restaurants „Der kleine Prinz“ hat wenig Verständnis für die anstehenden Schließungen. Bisher habe es kaum Corona-Fälle gegeben, die ihren Ursprung in der Hotellerie oder Gastronomie gehabt hätten, betont er. „Wir fühlen uns bestraft und sind enttäuscht von der Politik“, ergänzt der Hotelchef.

Wir müssen jetzt schauen, dass wir finanziell gut durch den Monat kommen
Andreas Rademacher, Hotelier und Gastronom

Seit Bekanntgabe der Beschlüsse gebe es Stornierungen in seinem Hotel. Am Ende blieben kaum geschäftliche Reisen, die weiter erlaubt seien, übrig. „Wir müssen jetzt schauen, dass wir finanziell gut durch den Monat kommen“, bekräftigt Rademacher. Deswegen bauen einige Mitarbeiter in den kommenden Wochen Urlaubstage ab, andere schickt er in Kurzarbeit. Da die Kurzarbeit-Regelung nicht für Azubis gelte, möchte er ihnen Schulungen anbieten.

Isabel Bülow von der Gaststätte Löwenbrau ist enttäuscht von der Politik. Rechtzeitig zum Herbst hat sie das Restaurant mit Heizpilzen und einer neuen Überdachung für den Winter coronagerecht ausgestattet. Jetzt müsse sie die neue Lage erst einmal verdauen. Es gebe aber bereits kreative Vorschläge: Das Löwenbräu-Team überlegt, in den bevorstehenden Wochen Flammkuchen und Bratwurst zum Mitnehmen anzubieten.

Die Kultur-Institutionen warten noch auf konkrete Verordnungen

„Ich finde es super bitter. Aber was sollen wir tun?“, fragt Kekke Schmidt, Interims-Intendantin des Theaters, angesichts der jüngsten Beschlüsse der Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten. Sie möchte zunächst abwarten, wie die konkrete Verordnung des Landes aussehen wird. Die Theater-Chefin freut sich, dass wenigstens die Premiere des Stücks „Mephisto“ an diesem Wochenende noch über die Bühne gehen kann, nachdem sie diese Aufführung vor zwei Wochen wegen eines Corona-Verdachts im Team hatte absagen müssen.

Schmidt geht davon aus, dass wenigstens der Probebetrieb weiterlaufen wird. Die erneute Schließung komme ausgerechnet zu einer Zeit, in der das Publikum die Vorstellungen wieder besuche. Es wäre schade, dieses Vertrauen zu verspielen, gibt Schmidt zu bedenken.

Die Philharmonie Baden-Baden wird ihre am Wochenende geplanten Konzerte noch geben. Ab Montag ist dann Schluss. „Das ist zwar sehr ärgerlich, aber wenn es die Situation erfordert“, meint Orchester-Manager Arndt Joosten. Das Orchester werde auch die Proben einstellen. Es sei wenig sinnvoll, ohne ein Konzert Werke einzustudieren. „Das verpufft dann“, erklärt Joosten. Zudem stehe noch nicht fest, was auf die Orchester-Musiker zukommen wird. Möglicherweise müssten sie in Kurzarbeit gehen.

Die Einzelhändler rechnen mit Umsatzeinbußen

Die Einschränkungen bei den Kultur- und Gastronomie-Betrieben bekommen auch die Einzelhändler zu spüren. Viel Laufkundschaft in der Fußgängerzone gibt es nach Ansicht von Matthais Vickermann seit Tagen ohnehin nicht. „Seit die Maskenpflicht herrscht, ist die Stadt weniger frequentiert“, sagt der Vorsitzende der Einzelhändler-Initiative Baden-Baden Innenstadt.

Wenn jetzt auch die Gastronomie schließe, merke das der Handel gleichermaßen. Dazu komme, dass die meisten Passanten aus Lust Shoppen gingen, das machten die Menschen jetzt wegen der wachsenden Angst seltener, meint Vickermann. Er betont: „Man kann von einem Teil-Lockdown für den Einzelhandel sprechen.“

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