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Erstmals mit Kunststoffplatten

Kunsteis-Arena in Baden-Baden schließt mit Besucherrekord

Die Eisarena am Augustaplatz in Baden-Baden hat am Sonntag geschlossen. Wie fällt die Bilanz des Betreibers aus? Wie war die Resonanz der Besucher?

Eisarena Baden-Baden mit Besuchern auf dem Kunsteis
Beliebt bei den Gästen: Zur Eisarena zog es in dieser Saison auch Besucher aus anderen Städten, in denen die Eislaufbahnen dieses Jahr nicht öffneten. Foto: Stephanie Hölzle

Die Eisarena in Baden-Baden, die erstmals in diesem Winter aus Kunststoffplatten bestand, hat so viele Besucher wie nie zuvor angezogen. Entsprechend positiv fällt die Bilanz von Veranstalter und Betreiber aus. Dennoch hoffen beide, im nächsten Jahr wieder Natureis anbieten zu können.

Weiß war es und auch glatt, dafür aber nicht kalt und auch deutlich weniger hart. Das Eis der diesjährigen Eisarena auf dem Augustaplatz hat seine Bewährungsprobe absolviert: Erstmals bestand es nämlich nicht aus gefrorenem Wasser, sondern aus 450 Kunststoffplatten.

„Es war ein Experiment“, urteilt Karlheinz Kögel, der seit Jahren das Eislauf-Vergnügen in der Mitte der Kurstadt veranstaltet. Die 16. Auflage war eine Premiere: Erstmals wurde auf Kunsteis gelaufen – der Energiekrise wegen. Am Sonntag war nach sechs Wochen Schluss und Zeit, Bilanz zu ziehen. Die fällt bei Kögel und Eisarena-Betreiber Axel Sator positiv aus.

Die Versprechen sind alle eingelöst worden.
Axel Sator, Eisarena-Betreiber

„Die Versprechen sind alle eingelöst worden“, urteilt Sator. Die Platten hätten sich gut gehalten, Auf- und Abbau liefen reibungslos, die Gleitfähigkeit sei gut gewesen – und vor allem konnte auf diese Weise in Zeiten hoher Energiepreise das Angebot aufrecht erhalten werden.

„Mit dem künstlichen Eis aus der Schweiz konnten 40.000 Kilowattstunden Strom eingespart werden“, rechnet Kögel vor. Das ist einerseits natürlich gut, andererseits kam ihn die Bahn dennoch rund 30 Prozent teurer als die Natureis-Variante. „Wir haben Strom gespart, kein Geld“, fasst Sator zusammen.

Das Eis-Feeling hat einfach gefehlt.
Axel Sator, Eisarena-Betreiber

Und auch, wenn Kögel und Sator trotz ihrer anfänglichen Skepsis zufrieden mit den hochpreisigen Platten waren, gehen diese nun an den Hersteller Glice zurück. „Der Kauf ist vom Tisch“, erklärt Kögel. Dies hatte Anfang Dezember noch im Raum gestanden. Beide hoffen, dass sie wieder Natureis anbieten können.

„Das Eis-Feeling hat einfach gefehlt“, urteilt Sator. Für den Fall, dass es erneut nicht mit Natureis klappt, hat Sator am Montag, als die Glice-Platten abmontiert waren, ein kleines Kunsteisfeld eines anderen Herstellers verlegt, um dessen Beschaffenheit zu testen. Man werde die Optionen und Augen offen halten, erklärt Kögel dazu.

Besucherrekord mit knapp 15.000 Eisläufern

Denn eine Eisbahn soll es definitiv auch im nächsten Jahr wieder geben, verspricht Kögel. Der Erfolg befeuert dieses Vorhaben: Mit knapp 15.000 Eisläufern wurde ein Besucherrekord erzielt.

Laut Kögel lag das auch an der Kunsteis-Entscheidung. Da viele Städte in diesem Winter auf die Schlittschuhbahnen verzichtet hätten, habe sich das Angebot in der Kurstadt herumgesprochen. Dadurch gab es eine andere Besucherklientel als sonst. „Wir hatten sehr viele Familien und Kinder und viele Besucher, die aus größerer Entfernung anreisten“, erläutert Kögel.

Schlittschuh mit Kunststoffabrieb
Überall Kunststoffabrieb: Die Kunststoffplatten hinterlassen an Schlittschuhen und Hosenbeinen deutliche Spuren. Foto: Stephanie Hölzle

Drei Viertel der Gäste seien zufrieden gewesen – „die Kinder sowieso“, erzählt Kögel, was ihn besonders freut. Denn gerade für diese hatte er mit allen Mitteln versucht, das Freizeitvergnügen aufrechtzuerhalten. Hier lobt Kögel besonders Sators Kreativität: „Es ist besonders ihm zu verdanken, dass wir die Eisarena retten konnten“, urteilt er.

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Das war dieses Jahr durchaus schwierig: Absagen oder nicht? Natur- oder Kunsteis? Der Prozess dauerte lange, auch die Suche nach der richtigen Kunststofflösung. Für diese musste dann noch der Stadt ein Gutachten vorgelegt werden, denn der Plastikabrieb sorgt durchaus für Bedenken.

Und auch in der Kurstadt sammelten sich viele weiße Krümel an Kleidung und Bande – laut dem Gutachten aber in vergleichsweise geringem Maß: In vier Wochen produziert die Bahn demnach einen Abrieb von 990 Gramm. Vier Autoreifen reiben laut Allgemeinem Deutschen Automobil-Club auf 1.000 Kilometern rund 120 Gramm ab. Mikroplastik entstehe kaum, da nicht zwischengeschliffen werden muss.

Und da die Bande am Boden dicht schließt, bleiben die Raspeln, die laut Sator „Lebensmittelqualität“ aufweisen, weitgehend auf der Eisfläche liegen. Jeden Abend fegten Sators Mitarbeiter diese ein. Sator: „In sechs Wochen kamen dabei drei Kehrschaufeln zusammen.“

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