Skip to main content

Mit Schlittschuhen über Kunststoffplatten

Eisarena in Baden-Baden verursacht Plastikabrieb – und manche Frage

Bei der Eisarena in der Baden-Badener Innenstadt kam erstmals Kunsteis zum Einsatz. Die Stadt hat dies auf Basis eines Gutachtens vom Hersteller genehmigt. Manche Besucher wunderten sich über Plastikteilchen an Kleidung und Kufen.

Schlittschuh mit Kunststoffabrieb
Überall Kunststoffabrieb: Die Kunststoffplatten hinterlassen an Schlittschuhen und Hosenbeinen deutliche Spuren. Foto: Stephanie Hölzle

Erstmals gab es bei der Eisarena auf dem Augustaplatz Kunst- statt Natureis. Nicht nur das: Laut Veranstalter und Hersteller handelt es sich dabei um Öko-Eis. Manch einer wurde allerdings skeptisch, wenn er die Plastikraspeln an Kleidung und Kufen sah. Ob das nicht doch schädlich ist?

Die Stadt hat die Bahn aus Kunststoffplatten genehmigt – auf Basis eines Gutachtens, das Betreiber Axel Sator vorgelegt hatte. Dieses weist laut Sator und Rudolf-Karl Teichmann, Chef im städtischen Umweltamt, aus, dass es in Bezug auf Plastikpartikel, die in die Umwelt gelangen könnten, keine Bedenken gab. „Es gibt nur einen minimalen Abrieb, der vernachlässigbar ist“, so Teichmann.

In vier Wochen Betrieb würden bei den rund 450 Platten, die auf dem Augustaplatz verlegt waren, 990 Gramm Plastik abgerieben. Zum Vergleich: Nach einer Studie des Allgemeinen Deutsche Automobil-Clubs haben vier Autoreifen auf 1.000 Kilometern 120 Gramm Abrieb. Und ein Fraunhofer-Institut hat herausgefunden, dass jeder Schuh pro Kopf und Jahr rund 100 Gramm Mikroplastik abreibt.

Mikroplastik, das laut Definition einen Durchmesser von weniger als fünf Millimetern hat, entstehe bei der Eisbahn kaum, hieß es, da sie nicht zwischengeschliffen werden müsse. Laut Sator, der die Bahn täglich abfegen ließ, fielen in sechs Wochen drei Kehrschaufeln Abrieb an. „Wenn man die Werte mit anderen Verursacherquellen vergleicht, ist das wenig“, urteilt Teichmann.

Das ist Neuland für uns.
Rudolf-Karl Teichmann, Chef im städtischen Umweltamt

Das Gutachten zu den in Baden-Baden eingesetzten Platten der Schweizer Firma Glice hat das renommierte Fraunhofer Institut in Oberhausen verfasst – allerdings im Auftrag von Glice. Das Umweltamt hat letztlich auf dieser Basis entschieden, auch weil es wenig anderes an der Hand hatte.

„Das ist Neuland für uns“, sagt Teichmann. Offizielle Vorgaben für solche Bahnen gebe es bislang nicht. Auch Erfahrungen mit der jungen Technologie fehlten. Teichmann griff daher vor der Entscheidung zum Hörer und rief Kollegen in Ludwigsburg an. Die Stadt betreibt dort ganzjährig eine Eisbahn mit Glice-Platten. Auch dort wurde auf das Gutachten verwiesen.

Mitarbeiter des Landesumweltamts war vor Ort in Baden-Baden

Weiter wurde ihm erzählt, dass wenig Plastikabrieb anfalle. Zudem sei ein Mitarbeiter des Landesumweltamts vorbeigekommen, der nichts beanstandet habe. Mehr Informationen gab es nicht. Die Stadt musste entscheiden – und genehmigte die Bahn.

Ob sich die Raspeln in der Natur abbauen? Was ist, wenn sie mit dem Regen in Flüsse gelangen, von Tieren aufgenommen, mit dem Wasch- ins Abwasser gespült werden? Wenn Kinder sie verschlucken oder Eisläufer sie einatmen? Sator sagt dazu, die Plastikteile hätten Lebensmittelqualität.

Teichmann hat auf all das keine Antworten parat – noch nicht. Er versichert, dass man diese Fragen in die Gremienarbeit tragen wolle – und sie im Idealfall bis zur nächsten Eislaufsaison beantwortet habe.

nach oben Zurück zum Seitenanfang