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Rund um Engel

Die Stadt Baden-Baden ist voller Engel

Engel hier, Engel da. Das Himmelswesen tritt in der Kurstadt Baden-Baden in Form von Skulpturen, Orten und Helfern auf.
von Christiane Krause-Dimmock
3 Minuten
von Christiane Krause-Dimmock
3 Minuten

Engel? Man mag an sie glauben oder auch nicht. Doch wer wachsam durch die Welt geht, dem begegnen sie wie selbstverständlich mitten im Alltag. Man muss nur einfach die Augen offen halten nach den geflügelten Himmelswesen.

Im Stadtmuseum Baden-Baden scheint es jedoch vielmehr der Engel selbst zu sein, der nach den Menschen Ausschau hält. Den betrübten Blick in die Lichtentaler Allee gerichtet, ist der trauernde Genius von Johann Christian Lotsch auch von einer Spur Nachdenklichkeit geprägt.

Was mag hinter seiner Marmorstirn vor sich gehen, die sich seit 150 Jahren keine wirkliche Gemütsregung anmerken lässt? Ein Geheimnis, welches sein Erschaffer, der aus Karlsruhe stammte und später nach Rom zog, mit ins Grab nahm, als er 1873 verstarb.

Allerdings weiß man heute noch davon zu berichten, dass die Geburtsstätte des Genius in Italien lag, wo er auf Wunsch der Herzogin von Hamilton geschaffen wurde. In der Hand trägt er eine gesenkte Fackel, ein Symbol für den Tod. In diesem Fall steht sie für das Ableben von Christiane Allmann, einer Vertrauten der Herzogin. Mit diesem eindrucksvollen Grabmal brachte die Adlige damals ihre Wertschätzung, zugleich aber auch ihre Trauer zum Ausdruck.

Ausdruck von Wertschätzung und Trauer: Vom Stadtmuseum aus blickt der trauernde Genius hinaus in die Lichtentaler Allee. Foto: Christiane Krause-Dimmock

Längst ist das steinerne Kunstwerk in die städtische Sammlung gewandert und hat dort nun einen sehr würdigen Platz erhalten, wo er seither an das Allmann‘sche Grab erinnert. Das tun seine Kollegen und er wohl auf so ziemlich jedem Friedhof, wo man kaum ohne Engelsskulpturen auszukommen scheint. Denn wann immer der Himmel ein klein wenig näher rückt, sei es in traurigen Momenten oder auch in den Advents- und Weihnachtstagen, spielen sie nun mal eine besondere Rolle.

Doch Engel kommen und gehen. In Baden-Oos weiß man das sehr gut. Hier nämlich ist ein solcher verschwunden. Zurück blieb als Erinnerung an ihn nur ein kleines metallenes Aushängeschild, als die ehemalige Gaststätte dieses Namens ihren Betrieb einstellte. Für immer.

Hier war einmal eine Gaststätte: Verschwunden ist der Ooser „Engel“, an den nur mehr ein kleines metallenes Schild erinnert. Foto: Christiane Krause-Dimmock

Einen solchen Engel hat es ehedem auch in der Stadt gegeben. Die Badeherberge „Zum Engel“, direkt am Spitaltor gelegen, wurde Ende des 14. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt, später abgebrochen, neu erbaut und brannte beim großen Feuer 1689 schließlich nieder. Immer wieder tauchte in späteren Jahren Gastronomie gleichen Namens auf. Doch letztlich hat sich auch dieser Engel im Stadtgebiet gewissermaßen in Luft aufgelöst.

Einem anderen Engel ist dieses Schicksal erspart geblieben. Im Herrengut wurde bis vor ein paar Monaten mit viel Aufwand dafür gesorgt, dass man sich auch in Zukunft weiter an ein besonderes Ereignis erinnern kann, für das er steht.

Dieser Engel, eingebettet in eine ganze Anlage, spiegelt schon seit 1870 ein tief gehegtes Gefühl von Carl Egon Fürst zu Fürstenberg wider. Als dessen Sohn am 22. September 1862 einen Reitunfall erlitt, war der Adelige für das Überleben seines Filius so dankbar, dass er dessen Schutzengel ein Denkmal errichten ließ.

Lobe meine Seele den Herrn und vergiss nicht alle seine Wohlthaten.
Inschrift eines Engel-Denkmals

„Lobe meine Seele den Herrn und vergiss nicht alle seine Wohlthaten“, steht zu den Füßen der mächtigen Marmorskulpur geschrieben, die von Franz-Xaver Reich geschaffen wurde. Sie bildet mit der zugehörigen Rotunde und der Balustrade ein Ensemble, für dessen Restaurierung von der Stadt stolze 160.000 Euro aufgewendet wurden, um den maroden Zustand wieder in einen bedeutenden zu verwandeln.

Die Skulptur gehört zu den bedeutenderen Kultur-Denkmalen.
Björn Käckell, Fachgebiet Gebäudemanagement

„Es gehört definitiv zu den bedeutenderen Kultur-Denkmalen in Baden-Baden“, hatte Björn Käckell vom städtischen Fachgebiet Gebäudemanagement angesichts der unaufschiebbaren Arbeiten erklärt, die stattfanden, obwohl es keine öffentlichen Zuschüsse gab. Dieser Engel – der einen Blick auf das Neue Schloss freigibt – wird offenbar tatsächlich wertgeschätzt.

Dank an den Schutzengel: Das Fürstenbergdenkmal besteht aus der Engelsskulptur und einer Rotunde nebst Balustrade. Foto: Christiane Krause-Dimmock

Unsichtbar bleibt in diesen Tagen einer seiner Kollegen, der nur ein paar hundert Meter weiter entfernt in der Wolfsschlucht von tragender Bedeutung gewesen sei, wie die Legende zu berichten weiß. Auf einem herausragenden Felsen in der Nähe der Ebersteinburg soll er sich positioniert haben, um mit mächtigen Worten die Menschen im Tal zurückzubringen auf den rechten Pfad.

Dem Teufel habe das wohl eher nicht gefallen, lässt sich noch heute auf einem der großen Gemälde im Säulengang der Trinkhalle bewundern. Der Fels, auf dem das Himmelswesen gestanden haben soll, ist noch immer vorhanden und als Engelskanzel bekannt.

Wie mächtig die Kraft der Engel ist, das weiß man auch an anderen Orten. In der Verwaltung etwa. Dort gibt es den sogenannten Behördenengel, der Menschen mit Behinderungen und Senioren behilflich sein soll. Die städtische Behindertenbeauftragte bietet hierfür besondere Informationen für Ehrenamtliche, die diesen Personenkreis unterstützen, an. Und wer mehr als das benötigt, dem hilft dieser „Engel“ auch auf direktem Weg.

Genau wie in der Stadtklinik. Dort gibt es die sogenannten „Grünen Engel“, die traditionell für kleine Dienste bereit stehen, wenn Patienten ein wenig Hilfe benötigen, um den Krankenhausaufenthalt angenehmer zu machen.

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