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Gemeinderat in dieser Frage gespalten

Entscheidung zu Verkehrsfreiheit auf der Baden-Badener Fieser-Brücke steht noch aus

Bürgermeister Alexander Uhlig möchte einen erneuten Anlauf nehmen, um Autos von dem neu errichteten Bauwerk im Herzen der Stadt zu verbannen. Dafür muss er bei den Stadträten noch viel Überzeugungsarbeit leisten.

Die künftige Gestaltung lässt sich bereits erkennen: Auf einem Teil der Reinhard-Fieser-Brücke ist der neue Plattenbelag bereits verlegt. Die Pflasterarbeiten ruhen derzeit für mehrere Wochen. Foto: Klaus Schultes

Wird die neue Reinhard-Fieser-Brücke mitten im Baden-Badener Stadtzentrum nach ihrer Fertigstellung im kommenden Jahr autofrei oder nicht?

Alexander Uhlig möchte auf jeden Fall noch einmal einen Anlauf nehmen und den Gemeinderat mit dieser Frage konfrontieren. „Im Frühjahr, noch vor dem Abschluss der Bauarbeiten, wollen wir dazu eine Entscheidung“, sagt der Bürgermeister im Gespräch mit unserer Redaktion.

Er bezieht sich auf ein denkmalpflegerisches Gutachten, das vorschlägt, die Brücke von motorisiertem Durchgangsverkehr freizuhalten, um der städtebaulichen Bedeutung dieses Bauwerks und des ihn umgebenden Platzes Rechnung zu tragen. Zudem geht es darum, diesen Abschnitt qualitativ aufzuwerten.

Mehrere Fraktionen plädieren für eine teilweise Verkehrsfreigabe

Große Teile des Gemeinderats lehnen bislang eine komplette Sperrung für den Autoverkehr ab. Uhlig lässt deshalb im Sommer nicht, wie zunächst geplant, der Bauausschuss zu dieser Frage abstimmen, sondern vertagt den Beschluss. CDU, FDP und Freie Wähler plädieren in einem gemeinsamen Antrag dafür, die Kreuzstraße und die Fieser-Brücke während der Phase der abgesenkten Poller bei den Kurhaus-Kolonnaden für den Verkehr freizugeben.

Uhlig zufolge gibt es mit den Fraktionen noch keine Gespräche über das weitere Vorgehen. „Wir wollen das Ganze auf eine sachliche Grundlage stellen“, betont der Baubürgermeister. Er verweist darauf, dass das Rathaus nach wie vor Zahlen zum Durchgangsverkehr erhebe. Ziel sei es, die Belastung für die Brücke und das gesamte Umfeld zu ermitteln.

Die Technik ist auch für Schwerlast-Verkehr ausgelegt

Uhlig bekräftigt, die neue Brücke sei in technischer Hinsicht so ausgelegt, um den Verkehr von Schwerlast- und Rettungsfahrzeugen und Veranstaltungen wie etwa das New Pop Festival oder den Christkindelsmarkt auszuhalten. Sollte der Gemeinderat beschließen, den Durchgangsverkehr ganz oder eingeschränkt zu erlauben, müsse er dieses politische Votum akzeptieren, obwohl er der Meinung sei, dieser zentrale Platz im Herzen der Stadt verdiene eine verkehrsfreie Zone. „Wenn die Zahlen das Gegenteil ergeben, müssen wir umdisponieren“, bekräftigt Uhlig.

Die Anfang 2020 begonnen Arbeiten zum Neubau der denkmalgeschützten Fieser-Brücke werden nach Auskunft des Bürgermeisters voraussichtlich bis Ende April oder Anfang Mai dauern. Die Pflasterarbeiten seien vorübergehend eingestellt, weil der Einbau des Betonbetts Temperaturen von mehr als fünf Grad plus erfordere.

Angesichts der unbeständigen Wetterverhältnisse werde die beauftragte Firma erst im Februar weitermachen. Der Wegfall des Christkindelsmarktes, der sich normaler Weise von den Kurhaus-Kolonnaden über die Kaiserallee bis auf die Fieser-Brücke erstreckt, wirkt sich Uhlig zufolge nicht positiv auf den Bauzeitenplan aus.

Gutachter bescheinigen einen mangelhaften Zustand

Die Stadt erneuert die Brücke, weil eine Untersuchung ergeben hat, dass das Bauwerk von Max Laeuger aus dem Jahr 1928 in einem mangelhaften Zustand ist. Vor allem die beiden Anbauten östlich und westlich der Hauptbrücke halten nach Angaben des Ingenieur-Gutachtens der Belastung durch den Fußgängerverkehr nicht mehr stand.

Die Experten kommen weiter zu dem Ergebnis, dass sowohl die Stand- als auch die Verkehrssicherheit so stark beeinträchtigt sind. Aus wirtschaftlichen, denkmal- und hochwasserschutzrechtlichen Gründen komme es nicht infrage, das Bauwerk instand zu setzen.

Die Gutachter empfehlen deshalb einen Neubau. Das Vorhaben umfasst im Wesentlichen eine neue Stahlverbund-Brücke, die den denkmalrechtlichen und gestalterischen Vorgaben des bestehenden Bauwerks entsprechen soll. Eine Steinmetz-Firma restauriert zudem die vorhandenen Betonbrüstungen mit den Ornamenten und Vasen auf den Brückenpfeilern.

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