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Acht Festivals und neue Ideen

Festspielhaus Baden-Baden setzt mit neuem Konzept auf Begegnung - und hofft auf die Zeit nach Corona

Mit acht Festivals will das Festspielhaus Baden-Baden in eine neue Zukunft gehen. Und setzt vor allem auf etwas, das in der Pandemie zu kurz kommt: auf Nähe. Was Intendant Benedikt Stampa von Künstlerinnen und Künstlern erwartet, geht weit über die Norm der Branche hinaus.

Herr der acht Festspiele: Intendant Benedikt Stampa blickt zuversichtlich in die Zukunft des Festspielhauses bei der Vorstellung des Jahresprogramms mit neuem Konzept. Foto: Thomas Viering

Wieder sind die Zeiten trübe, die Gemüter mürbe. Doch Benedikt Stampa, Intendant des Festspielhauses Baden-Baden, setzt alles auf die Karten Hoffnung und Zukunft. „Wir fahren volle Fahrt voraus“, sagt er bei einer hybriden Pressekonferenz im Festspielhaus Baden-Baden. „Unsere Hoffnungen richten sich auf das Jahr 2022, in dem die Musik wieder über der Pandemie steht“, schreibt Stampa im Vorwort zur neuen Saison.

Die Saison beginnt nicht wie bisher üblich im Herbst, sondern im Januar und umfasst künftig das Kalenderjahr. Und er stellt sein neues Konzept im Bewusstsein darüber vor, dass angesichts steigender Corona-Zahlen nun eigentlich wieder die Ratlosigkeit um sich greift. „In dieser Phase einen Blick in die Zukunft zu werfen, ist schon sehr kühn, aber sehr notwendig.“

Die Veranstaltungsbranche könne die Pandemie nur mit Optimismus bekämpfen. „Wir haben lernen müssen in unserer Branche, die auf Langfristigkeit setzt, dass nur der Augenblick zählt.“

Intendant freut sich über „solide“ Ticket-Nachfrage

Optimistisch stimmt den Intendanten auch die Nachfrage in diesem Herbst: 5.000 Tickets seien für das Gastspiel der Berliner Philharmoniker an das Publikum gegangen, jeweils 3.000 Karten für die Abende mit Teodor Currentzis und Thomas Hengelbrock. Und auch für die nächsten Veranstaltungen sei der Vorverkauf laut Stampa „solide bis gut“.

Mit acht Festivals soll es also in eine neue Zukunft gehen. Und die setzt vor allem auf eines, das in den Pandemie für alle zu kurz kam: auf Nähe.

Dabei erfindet das Festspielhaus sich und sein Programm nicht von der Pike auf neu. Vielmehr soll das Bekannte weiterentwickelt werden um zwei Ideen als Alleinstellungsmerkmale in der Festivallandschaft: Festspiele wirken stärker die Stadt Baden-Baden hinein und machen sie mit ihrer Geschichte für Touristen erlebbar. Zudem will man die Stars noch mehr integrieren. Partizipative Programme sollen demnach nicht mehr nur ein Zusatzangebot sein, sondern „Teil unserer DNA“, formuliert es Stampa.

Yoga-Stunden im Baden-Badener Festspielhaus?

„Grundsätzlich sehe ich in der Festival-Idee, wie sie Hector Berlioz im 19. Jahrhundert in Baden-Baden formte, eine Chance für die Musik wie für den Tourismus“, sagt der aus Münster stammende Intendant. „Ein Megatrend im Tourismus wird die Suche nach der Selbsterfahrung. Wenn es uns gelingt, dies mit den Erlebnissen bei Festivals zu bieten, bedeutet das eine neue Energie für die europäische Festival-Landschaft.“

Entsprechend werden partizipative Programme für das Publikum stärker in das Programm integriert. „Ich sehe Seminare, Künstlerbegegnungen, Naturerleben und literarisch-philosophische Reflektionen nicht als ‚Beiprogramm‘, sondern als Teil des ‚Hauptprogramms‘“, betont Stampa. Geplant sind etwa Yoga-Stunden oder gemeinsame Workshops.

Werden also die kühnsten Träume etwa von Yoga mit Opernsängerin Anna Netrebko wahr? Mit vielen der bekannten Hauskünstler wie Kirill Petrenko, Valery Gergiev oder John Neumeier habe man gesprochen. „Alle freuen sich darauf, dass wir in Baden-Baden programmatisch aufrüsten. Ich erwarte von Künstlerinnen und Künstlern, dass sie sich dieser partizipativen Idee öffnen“, sagt Stampa. Es gehe nicht nur um das Frontalkonzert, sondern um das Durchdringen.

Baden-Baden als Ort, der „Sehnsüchte erfüllt“

Größtmögliche Nähe also wird zum „Vorteil im ansonsten sehr austauschbaren Klassikleben“, so Stampa. Ein Ort, der Sehnsüchte erfüllt, soll Baden-Baden werden. Das war schon vor der Pandemie seine Vision. Doch kam Stampa seit seinem Wechsel vom Dortmunder Konzerthaus nach Baden-Baden ständig Corona dazwischen und ein Zustand für die Kultur, der keinesfalls Erfüllung brachte. Im Gegenteil. Die Sehnsucht nach Kultur und persönlichen Erlebnissen – sie wuchs für viele ins Unermessliche. „Die Festspiele sind eine Antwort auf die Pandemie“, sagt Stampa.

Nach zwei Lockdowns haben die finanziellen Mittel von Stadt, Land und Bund geholfen, das Jahr 2021 zu überstehen. „Ohne diese gäbe es uns nicht mehr“, betont Stampa. Im Zuge dessen sei auch die Spendenbereitschaft gewachsen. Gleichwohl sei das nächste Jahr eine große Herausforderung. Den Weg nach vorne möchte er dennoch verteidigen. „Wir werden offensiv sein und nur zurückgehen, wenn wir müssen.“

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