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Zwischendurch auf den Großglockner

Fünf Tage, 2.200 Kilometer: Baden-Badener bei Europas härtestem Radrennen am Start

Nach tausend Kilometern Radfahren noch rasch den Großglockner rauf: Der Baden-Badener Ultra-Radler Tobias Bailer nimmt am „Race Around Austria” an - und hat durchaus Ambitionen.

Top trainiert: Ultraradler Tobias Bailer startet am 8. August zu seiner nächsten Mission, dem Race around Austria. Foto: Stefanie Bailer

2.200 Kilometer, 30.000 Höhenmeter und das in maximal 129 Stunden - wenn sich Ultra-Radler Tobias Bailer am 11. August in St. Georgen im Attergau in den Sattel schwingt, dann stellt sich der Baden-Badener dem härtesten Radrennen Europas, dem Race Around Austria. „Ich bin maximal motiviert und topfit”, sagt der 47-jährige Extremsportler.

Extremrennen findet trotz Corona statt

Rund 6.000 Trainingskilometer hat er in den vergangenen Wochen herunter gespult. Die hochsommerlichen Temperaturen machen ihm keinen Stress. „Ich liebe Hitze.” Das hat Bailer schon voriges Jahr beim Race Across America (RAAM) bewiesen, als beim Durchqueren der Mojave-Wüste das Thermometer an der 50-Grad-Marke schrammte.

Herausforderung USA: Tobias Bailer startete voriges Jahr beim Race Across America und fuhr mit seinen drei Teamkollegen auch im Limit über die Ziellinie. Foto: Stefanie Bailer/Archiv

Es steht dieses Jahr nicht viel im Ultra-Radsportkalender, denn wegen der Corona-Pandemie verflüchtigten sich dort die Termine wie Wasser in der Wüstensonne. Aber die Österreicher verkündeten im Mai freudestrahlend, ihr Race Around Austria findet statt. Für Bailer ist es der sportliche Jahreshöhepunkt.

An diesem Samstag brechen der 47-Jährige und sein Begleitteam ins Alpenland auf. Ein bisschen Vorlauf müsse sein, sagt er, es gebe eine ganze Reihe an Formalitäten zu erledigen.

Maximal erlaubt: fünf Tage, neun Stunden

Seine Zielmarke hat sich der gebürtige Ottersdorfer, der voriges Jahr im Vierer-Team das RAAM bewältigte, schon gesteckt. Er will die Nonstop-Tour einmal rund um Österreich nicht auf den letzten Drücker beenden, also weniger als die maximal erlaubten fünf Tage und neun Stunden brauchen. Alles andere sei eine Zugabe, sagt Bailer.

Doch wer ihn ein bisschen kennt, weiß, der Mann hat da mehr im Sinn. Schließlich absolvierte er bereits die Tortour in der Schweiz, das Race Across Italy, Adriatico Ultra Cycling Marathon und zwei Mal den Black Forest Ultra Bike Marathon.

Eine Frau und 13 Männer geben sich dieses Jahr in der härtesten Kategorie der Österreich-Umrundung, dem „Extreme Race”, die Ehre. Ein Teil der Truppe steht im „Who’s Who” der Ultra-Radler. Die einzige Frau, die Schweizerin Nicole Reist, gewann in den Jahren 2016 und 2018 das RAAM und dazu noch jede Menge weitere Veranstaltungen dieser Art.

Insgesamt 2.200 Kilometer und 30.000 Höhenmeter

Selbsterklärend in der Szene ist der Name Christoph Strasser. Der gebürtige Österreicher ist sechsfacher Gewinner des RAAM, er kann vom Ultra-Radeln sogar leben. Ihn sieht Bailer unter den Titelfavoriten, ebenso wie den Deutschen Rainer Steinberger und den Luxemburger Ralph Diseviscourt.

2.200 Kilometer, 30.000 Höhenmeter: das allein klingt spektakulär. Und dazu gibt es dann noch zwei echte Hämmer obendrauf. Nach rund 1.000 gefahrenen Kilometern müssen die Extrem-Radsportler den Großglockner bezwingen, mit 3.798 Metern der höchste Berg Österreichs. Ein weiterer Brocken wartet mit der steilen Auffahrt in den 2.200 Meter hoch gelegenen Wintersportort Kühtai.

Mit seinem österreichischen Kollegen Strasser - beide kennen sich vom RAAM - hatte sich Bailer im Vorfeld des Rennens geschrieben. „Der mag Hitze gar nicht”, berichtet der Baden-Badener und lacht. Also, je nach Wetter, doch eine Chance auf das Treppchen? „Es sind 2.200 Kilometer zu fahren, da kann viel passieren”, sagt Bailer.

Nach Österreich ein paar Tage ausspannen

Ob er sich 2021 den Traum erfüllt, die Herausforderung RAAM mit etwa 4.800 Kilometern und knapp 50.000 Höhenmetern als Solofahrer zu suchen, lässt Bailer offen. Er würde gern - die Quali hat er in der Tasche - aber Ungewissheiten in den USA durch Corona und durch die politische Lage seien momentan zu groß.

Was sicher ist: Nach dem Race around Austria will er mit seiner Ehefrau Stefanie, Teamchefin und Mentalcoach in Personalunion, ein paar Tage ausspannen. Und zwar ganz ohne Fahrrad fahren.

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