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Neue Struktur der Kirche

Gehört Bühl bald zur neuen Großpfarrgemeinde Baden-Baden?

Nur noch rund 40 Großpfarreien soll es in der Erzdiözese Freiburg geben. Auch das Dekanat Baden-Baden ist von der Umstrukturierung betroffen - und damit auch die Stadt Bühl und die Nachbargemeinden im südlichen Landkreis Rastatt.

Die Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul in Bühl ist von der Neustrukturierung des Dekanats Baden-Baden betroffen. Foto: Ulrich Coenen

Die Beratungen haben längst begonnen. Nachdem bereits die Reduktion der zahlreichen Pfarrgemeinden auf 224 Seelsorgeeinheiten vor einigen Jahren vor Ort zum Teil für erheblichen Unmut gesorgt hat, ist der neue Schritt noch sehr viel weitgehender.

Die neuen Großpfarreien könnten in ihrer Ausdehnung den bisherigen Dekanaten entsprechen. Markus Zimny, Referent Pastoral 2030 beim Erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg, erklärt auf Anfrage dieser Zeitung, dass sich die Planung noch in der Anfangsphase befindet.

„Erste Entwürfe werden in den verschiedenen Gremien diskutiert“, sagt er. „Wir warten jetzt auf Rückmeldungen aus der Region.“ Die Neugestaltung solle gemeinsam gelingen. „Freiburg plant nicht, den Gemeinden etwas überzustülpen“,meint Zimny.

Fusionen im großen Maßstab sind geplant

Dass es Fusionen im großen Maßstab geben wird, ist aber seit der Ankündigung von Erzbischof Stephan Burger im Februar klar. Die Ausdehnung der neuen Großpfarreien ist so gewaltig, dass man im Ordinariat darüber nachdenkt, ob in Zukunft überhaupt noch Dekanate notwendig sind. Dies bestätigt Zimny.

Es werde geprüft, ob diese „Zwischenebene“ im Hinblick auf nur noch 40 Großpfarreien tatsächlich in Zukunft noch sinnvoll sei. Die Zahl der Dekanate wird aber in jedem Fall drastisch reduziert. Damit steht auch das Dekanat Baden-Baden, zu dem Bühl und der südliche Landkreis Rastatt gehören, zur Disposition.

Verliert Bühl die Selbstständigkeit?

Doch die aktuellen Überlegungen im Erzbischöflichen Ordinariat gehen sehr viel weiter. Aktuell werden drei Modelle in mehreren Varianten diskutiert. Vorschlag 1 a sieht vor, das gesamte Gebiet des derzeitigen Dekanats Baden-Baden in eine einzige Pfarrei umzuwandeln. Betroffen wären acht Kirchengemeinden mit 60.580 Katholiken.

Nach Vorschlag 1 b wird das Dekanat Baden-Baden um die jetzige Pfarrei Iffezheim St. Brigitta ergänzt. Diese gehört aktuell zum Dekanat Rastatt. In diesem Fall hätte die neue Großpfarrei sogar 63.699 Mitglieder. In beiden Fällen würde Bühl der Pfarrgemeinde Baden-Baden angegliedert.

Gibt es zwei Großpfarreien in Baden-Baden und Bühl?

Vorschlag 2 sieht folgendermaßen aus: Das Gebiet des derzeitigen Dekanats Baden-Baden wird geteilt. Die Kirchengemeinden Baden-Baden, Baden-Baden-Oos und Baden-Baden Rebland bilden eine neue Pfarrei mit drei Kirchengemeinden mit 23.374 Katholiken.

Die Kirchengemeinden Sinzheim-Hügelsheim, Rheinmünster-Lichtenau, Bühl-Vimbuch, Ottersweier Maria Linden und Bühlertal bilden eine zweite neue Pfarrei mit fünf Kirchengemeinden mit 37.206 Katholiken.

Auch Vorschlag 3 a geht ebenfalls von einer Teilung des Dekanats Baden-Baden aus. Die Kirchengemeinden Baden-Baden, Baden-Baden-Oos und Baden-Baden Rebland bilden dann eine Pfarrei. Die Kirchengemeinden Sinzheim-Hügelsheim, Rheinmünster-Lichtenau, Bühl-Vimbuch, Ottersweier Maria Linden und Bühlertal werden zu einer zweiten Pfarrei zusammengeschlossen - allerdings ohne die jetzige Pfarrei Forbach Herrenwies St. Antonius, die zur Seelsorgeeinheit Bühlertal gehört. Herrenwies wird der „Pfarrei neu Rastatt“ oder der „Pfarrei neu Gaggenau“ zugewiesen.

Varianten mit nur kleinen Unterschieden

Die letzte Variante heißt 3 b. Die Kirchengemeinden Baden-Baden, Baden-Baden-Oos, Baden-Baden Rebland und die Pfarrei Iffezheim St. Brigitta aus der Kirchengemeinde Iffezheim-Ried bilden eine neue Pfarrei. Die Kirchengemeinden Sinzheim-Hügelsheim, Rheinmünster-Lichtenau, Bühl Vimbuch, Ottersweier Maria Linden, Bühlertal (ohne die jetzige Pfarrei Forbach Herrenwies St. Antonius) werden zur zweiten Pfarrei zusammengefasst.

„Die Entwürfe sollen bis Ende des Jahres unter anderem in den Kirchengemeinden und Dekanaten diskutiert werden“, sagt Markus Zimny. „Aus den Rückmeldungen wird ein zweiter Entwurf erstellt, der wiederum zur Diskussion gestellt wird. Es gibt keinerlei Festlegung des Ordinariats für einen der erarbeiteten Entwürfe.“

Einnahmen aus der Kirchensteuer gehen zurück

Als Gründe für die Zusammenschlüsse der Seelsorgeneinheiten zu großen Einheiten sieht der Referent die schwindende Kirchensteuer und den Rückgang bei den hauptamtlichen Mitarbeitern. Dieser betreffe nicht nur Priester, sondern auch Pastoral- und Gemeindereferenten. In jeder Großpfarrei sollen mehrere Priester tätig sein. Allerdings erhält nur einer die Leitungsfunktion, die anderen sind Pfarrkooperatoren, die sich vor allem der Seelsorge widmen.

Die Stiftskirche in Baden-Baden Foto: Ulrich Coenen

Was sagt Bühls Stadtpfarrer Geißler?

Dass die Selbstständigkeit Bühls durch die Reform der Pfarrgemeinden in der Erzdiözese Freiburg bedroht ist, sieht der Bühler Stadtpfarrer Wolf-Dieter Geißler nicht problematisch. „Es wird derzeit in verschiedenen Gremien ergebnisoffen diskutiert“, erklärt er.

Für das Modell, das gesamte Dekanat Baden-Baden in nur noch eine einzige neue Großpfarrei umzuwandeln, gebe es ebenso gute Argumente wie für eine Zweiteilung mit Baden-Baden und Bühl als Zentren. „Es ist noch keine Tendenz erkennbar“, meint Geißler.

Ob Bühl in einer größeren Einheit aufgehe, sei auch nicht die entscheidende Frage. „Wir sprechen hier nicht von einer feindlichen Übernahme“, sagt der Bühler Stadtpfarrer. „Sollte diese Lösung kommen, geschieht dies auf Augenhöhe. Wo der Leiter der neuen Großpfarrei seinen Sitz hat, ist nicht von Bedeutung.“

Geißler sieht im neuen Zuschnitt der Pfarrgemeinden auch Chancen. „Verschiedene Priester haben verschiedene Stärken“, stellt er fest. Auf diese Weise könnten sich Priester ohne Leitungsverantwortung mehr der Seelsorge widmen.

Für die „große Lösung“ spricht aus Sicht Geißlers, dass diese dauerhaft Bestand haben würde. Angesichts des fortschreitenden Priestermangels könne es ansonsten sein, dass man in einem oder zwei Jahrzehnten vor einer erneuten Reform stehe.

Dekan Schlick ist optimistisch

Die Zukunft des Dekanates Baden-Baden ist nach Ansicht von Dekan Martin Schlick (Sinzheim) ebenfalls völlig offen. „Wir haben bei einer Dekanatsratssitzung, an der auch alle hauptamtlichen Mitarbeiter teilgenommen haben, kürzlich eine Trendabstimmung mit einem sehr knappen Ergebnis durchgeführt“, berichtet er.

Eine eindeutige Vorliebe für eine Großpfarrei Baden-Baden oder zwei kleinere Großpfarreien Baden-Baden und Bühl ist also aktuell nicht zu erkennen. Schlick sieht die aus seiner Sicht wichtige Diskussion entspannt, weil die Entscheidung in Freiburg nach langen Vorbereitungen erst in zwei Jahren fällt. Umgesetzt werden soll das Konzept dann erst 2030.

„Was der Erzbischof angestoßen hat, finde ich überzeugend“, meint Schlick. „Ich hoffe nur, dass dies nicht durch andere Dinge überlagert wird.“ Man dürfe nicht nur über Strukturen sprechen. Wichtig sei vor allem, wie das Wort Gottes in Zukunft verkündet werde. Ein wichtiger Punkt sei außerdem, ob und welche Substrukturen sich in den Großpfarreien entwickeln könnten.

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