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Der Lockdown verdirbt die Kauflaune

Gespenstische Ruhe statt satter Umsätze: Baden-Badens Innenstadt ist fast menschenleer

Noch schnell die letzten Geschenke besorgen oder einfach mal gemütlich durch die weihnachtlich geschmückte Stadt bummeln - Fehlanzeige: An diesem vierten Adventssamstag gleicht Baden-Baden einer Geisterstadt.

Ambiente und Flair stimmen: Trotz des weihnachtlichen Schmucks finden am vierten Adventssamstag nur sehr wenige Menschen den Weg in die Baden-Badener Innenstadt. Foto: Michael Rudolphi

Es ist ruhig, sehr ruhig. In der Baden-Badener Innenstadt ist an diesem vierten Adventssamstag kaum jemand unterwegs. In der Fußgängerzone herrscht gähnende Leere. Normaler Weise drängen sich an diesem letzten langen Einkaufssamstag vor Weihnachten die Menschen in den Straßen und Geschäften. Doch jetzt mitten im Lockdown pulsiert kein Leben, Baden-Baden gleicht vielmehr einer Geisterstadt.

Wir lieben unsere Stadt, aber so leer haben wir sie noch nie erlebt.
Uschi Eberle, Baden-Badener Bürgerin

„Wir lieben unsere Stadt, aber so leer haben wir sie noch nie erlebt“, sagt Uschi Eberle. Sie ist mit ihrem Mann Achim auf dem Weg zur Apotheke, um sich mit Schutzmasken einzudecken und Medikamente abzuholen. Lust zum Bummeln will bei dem Ehepaar angesichts der vielen geschlossenen Geschäfte erst gar nicht aufkommen.

„Normaler Weise gibt es hier kaum ein Durchkommen“, betont Achim Eberle und zeigt auf den Leopoldsplatz, der so gut wie ausgestorben ist. „Das ist schon sehr traurig“, meint er.

Passanten ärgern sich über geöffnete Geschäfte im Elsass

Ihn ärgert, dass die Geschäfte diesseits des Rheins geschlossen bleiben müssen, während die Händler im Elsass wahrscheinlich einen Ansturm deutscher Kunden erleben. Angesichts der aktuell schwierigen Situation helfe nur, einigermaßen gelassen zu bleiben, bekräftigt Uschi Eberle und macht sich mit ihrem Mann auf den Weg. „Wir wollen uns einfach an der frischen Luft bewegen“, sagt sie.

In der Wagener Galerie sind vor beinahe allen Shops die Rollläden heruntergelassen. Einzig die Markthalle mit ihrem Lebensmittelangebot und die Drogerie Müller haben geöffnet. „Das Geschäft ist sehr verhalten, kein Vergleich zu den Vorjahren“, verrät eine Verkäufern des Drogerie-Markts.

Die Rollläden sind unten: In der Wagener Galerie sind bis auf wenige Ausnahmen alle Shops geschlossen. Foto: Michael Rudolphi

Die wenigen Kunden an diesem Samstag kauften in der Regel keine Weihnachtsgeschenke, sondern eher Artikel des täglichen Bedarfs.

Viele Händler kämpfen ums Überleben

Bernhard Hermann dagegen ist noch dabei, die letzten Geschenke zu besorgen. In dem Laden „Vom Fass“ hat er gerade zwei Flaschen Grappa gekauft.

Mir tut das in der Seele richtig weh.
Bernhard Hermann, Baden-Badener Bürger

„Mir tut das in der Seele richtig weh“, gesteht er mit Blick darauf, dass das Geschäft die Corona-Pandemie nicht überstehen werde und voraussichtlich werde schließen müssen.

Wie ausgestorben: Normaler Weise brummt am letzten Verkaufssamstag vor Weihnachten das Geschäft. Der Lockdown hält jedoch die Kunden fern. Foto: Michael Rudolphi

Überhaupt herrsche in der Stadt eine sehr bedrückende, ja traurige Stimmung. Früher sei er in der Vorweihnachtszeit gerne durch die Fußgängerzone geschlendert. „Aber derzeit hat das keinen Reiz mehr“, sagt Hermann.

Schaufenster-Bummler bleiben aus

So wie er denken viele. Am Imbiss-Stand „Günis Griller“ beim Blumenbrunnen warten die Bratwürste auf Abnehmer. Aber der Hunger scheint bei den Passanten nicht so richtig aufkommen zu wollen.

Fast menschenleer: Der Leopoldsplatz im Herzen der Stadt ist während des Corona-Lockdowns kein Ort der Begegnung. Foto: Michael Rudolphi

Der Ansturm ist nicht mehr so groß wie in den ersten Tagen.
Anton Hummel, Inhaber der Alten Hofapotheke

„Unter der Woche ist etwas mehr los“, berichtet der Verkäufer. Da kämen hin und wieder Berufstätige, um sich einen Snack zu gönnen. Aber jetzt am Wochenende fehlten die Menschen, die sonst einfach zum Bummeln in die Stadt gekommen wären.

In den Apotheken jedoch herrscht nach wie vor Betrieb. Noch immer kommen Menschen, die FFP2-Schutzmasken abholen wollen. „Der Ansturm ist allerdings nicht mehr so groß wie in den ersten Tagen“, erzählt Anton Hummel, der in seiner Alten Hofapotheke bislang rund 3.200 Masken ausgegeben hat.

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