Skip to main content

Entscheidung gut überdenken

Hunde als Weihnachtsgeschenk? Tierheim Baden-Baden rät zur Vorsicht

Ein Hund unterm Weihnachtsbaum? Ganz grundsätzlich spreche zwar nix dagegen, erklären zwei Mitarbeiterinnen vom Tierheim Baden-Baden. Allerdings sollte die Entscheidung und ihre Konsequenzen gut durchdacht sein.

Jessica Reichynek und das Jagdhundwelpen-Rudel Foto: Christiane Krause-Dimmock

Stupsnäsig, plüschig – wer kann zu einem Welpen schon nein sagen? Da lässt man sich schnell mal hinreißen, ihn einfach mal anzufassen. Aber muss man tatsächlich auch gleich zugreifen? Hunde gehören – genau wie jedes andere Tier – einfach nicht in die Kategorie Weihnachtsgeschenke. Da mag der Nachwuchs noch so betteln.

„Die Verantwortung hat immer der Erwachsene. Da beißt die Maus keinen Faden ab“, sagt Katja Damalis. Eine solche Entscheidung sollte man besser nicht übers Knie brechen, rät die langjährige Mitarbeiterin des Baden-Badener Tierheims und empfiehlt, abzuwägen.

Neuer Hund, neue Haftpflicht

Das Abwägen beginnt etwa bei einer zusätzlichen Haftpflichtversicherung, die es abzuschließen gilt. Denn im Standardtarif sind Vierbeiner nicht enthalten. Tierarzt, Hundesteuer und vor allem Urlaub und Gassigehen müssen wohl bedacht werden. Wer nimmt den Hund etwa, wenn man eine Flugreise plant oder wer läuft mit ihm, wenn es aus irgendwelchen Gründen nicht mit dem Timing klappt.

„Ein Hundeleben vorauszuplanen, ist natürlich schwierig. Aber mit zwölf bis 15 Jahren darf man durchschnittlich rechnen“, so Damalis. Das ist die Zeitspanne, über die man sich im Guten wie im Schlechten klar sein müsse. Das kann eine Menge Hürden bedeuten, die zu überwinden sind. Die Tierpflegerin weist auf mögliche Jobwechsel oder Umzüge hin. Und die führen immer wieder dazu, dass Hund und Katz auf der Strecke bleiben.

Und wenn Mama und Papa trotzdem bereit sind, dem Nachwuchs den Herzenswunsch zu erfüllen? Was wäre dann zu beachten? Was empfehlen die Fachleute?

„Eine gute Vorbereitung“, lautet einer der Tipps von Katja Damalis. Unter normalen Umständen würde sie künftige Hundehalter gerne ins Tierheim einladen, um sich etwa den Gassigruppen anzuschließen. Doch Corona schiebt hier auf vielen Ebenen einen Riegel vor.

Hunde aus zweiter Hand haben ihre Vorteile

Aber die Beratung, welche auch jetzt ganz groß geschrieben wird, gibt es trotzdem. „Wir klopfen etwa ab, welche Erwartungen die künftigen Besitzer an ihr neues Familienmitglied knüpfen“, erklärt Damalis. Da könne es passieren, dass die favorisierte Rasse sich als unpassend erweist. So befinden sich etwa gegenwärtig noch sechs aufgeweckte Welpen im Tierheim. Sie gehören allerdings der Gattung Jagdhund an. Sprich: Als Spielkamerad für den eigenen Nachwuchs wäre das nicht die erste Wahl. Und das erklärt, warum noch immer sechs von ehedem acht Welpen zusammen mit ihrer Hundemutter im Märzenbach leben.

Trotzdem bricht Kollegin Jessica Reichynek eine mächtige Lanze für Hunde aus „zweiter Hand“. Bei ihnen lassen sich Neigungen und Charaktereigenschaften ganz gut einschätzen, obendrein bringen sie meist einen gewissen Grundgehorsam mit, während ein Welpe viel Arbeit bedeutet und manche Überraschung mit sich bringt. Ohne Erziehung geht es da ohnehin nicht. Auch nicht bei kleinen Vertretern ihrer Art.

„Viele Leute haben Angst davor, dass sich ein Hund, der bei uns abgegeben wurde, nicht an seine neuen Menschen binden wird. Aber das ist ein Irrglaube“, sagt Reichynek. Auch ein mehrjähriges Tier könne sich übrigens als durchaus gelehrig erweisen. „In aller Regel ermuntern wir dazu, sich gegenseitig kennenzulernen.“ Lauftouren bieten sich dabei ebenso an wie der der Kontakt zu einer Hundeschule, die auch im Vorfeld, vor der Anschaffung, weiterhelfe.

Erkennen, ob es passt oder nicht

„Wer sich für einen unserer Schützlinge entscheidet, dem geben wir bei gegenseitiger Sympathie gerne die Möglichkeit, den Hund auf Hausbesuch mitzunehmen“, so Reichynek. Doch Schnellschüsse, das geht gar nicht, sind sich die Fachfrauen einig. „Man muss sich gegenseitig die Zeit geben, die es braucht.“ Das sei immer noch besser, als wenn kurze Zeit nach der Übernahme der Vierbeiner zurückgebracht wird. Wer jedoch mit der entsprechenden Empathie zu Werke geht, der erkennt sehr bald beim „Beschnuppern“, ob es passt oder nicht. Und wenn dann doch etwas schief läuft, steht das Team weiter mit Rat und Tat bereit.

Sollte kein Tierheimbewohner passen, dann – so ist Jessica Reichynek sicher – sei die Beratung, die man hier zuvor bekommen hat, dennoch Gold wert, damit am Ende eine echte Partnerschaft zwischen Mensch und Tier entstehen kann.

nach oben Zurück zum Seitenanfang